Diana Krall schmuste sich durch Jazz-Standards

Es war auf dieser Tournee das einzige Österreich-Konzert von Diana Krall, und es war mit Sicherheit einer der ersten Höhepunkte in der heurigen Konzertsaison. Am Sonntag Abend stellte die kanadische Jazz-Pianistin in einem bis auf den letzten Platz ausverkauften Wiener Konzerthaus nach ihrer Baby-Pause erneut ihr ganzes Können meisterhaft unter Beweis.

Diana Krall erzählte daneben Geschichten von ihren Kindern, die sie auf ihrer Tournee begleiten, und wirkte damit so locker und unkompliziert, wie man die Musikerin selten erlebt hatte. Wirklich perfekt wurde der Genuss durch die ausgesuchten Mitglieder ihres Ensembles: Anthony Wilson an der Gitarre, John Clayton am Bass und Karim Riggins an den Drums. Eineinhalb Stunden ohne Pause, eine Zugabe inklusive.

Seit den 90er Jahren befindet sich die 1964 im kanadischen British Columbia geborene Sängerin auf einem steilen Karriereweg. Mit zu Ihren Verdiensten gehört es, die Grenzen der Popularität zwischen puristischem Jazz und populärem Pop aufgeweicht zu haben. Ohne dabei freilich ganz der Gefahr des Boulevards zu verfallen. Ihr Markenzeichen: eine rauchige, aber weibliche und in der Intensität anregende Gesangsstimme gepaart mit virtuosem Klavierspiel.

Krall gelingt es irgendwie immer wieder vermeintlich zu Tode gespielte Klassiker neu zu interpretieren - und damit auf ihre höchst eigene Art und Weise zu verzaubern. Genau dafür lieben sie Musikfreunde und Kritiker gleichermaßen. Ein paar Lichtspielereien im Konzerthaus helfen dabei, die Größe des Saales zu vergessen und sich mit geschlossenen Augen in die Welt eines intimen Jazzclubs zu versetzen.

Heuer im Frühjahr erschien ihre neue CD "Quiet Nights" auf der sie sich ganz dem Bossa Nova verschrieben hat. Kein Wunder, dass die Set-Liste ihres Tourneeprogrammes fast gleichlautend ist. Ein bisschen Bacharach ("Walk On Bye"), etwas Sinatra ("I've Grown Accustomed To His Face") und natürlich Jobim ("The Boy From Ipanema"). In Summe eine wohl überlegte, wenn auch populäre Mischung, die jedem Musiker auch die Möglichkeit gab, das Können mit der ein oder anderen Improvisation unter Beweis zu stellen. Das aktuelle Album mag vielleicht dem ein oder anderen durch die üppigen Geigen-Arrangements ein wenig zu schwer erscheinen. Die Live-Version im Vergleich dazu vermag in jeder Hinsicht zu überzeugen.

(Von Martin R. Niederauer/APA)