Billy Talent rockten Austria

Die kanadische Band Billy Talent hat am Dienstagabend in der Wiener Stadthalle ein dreitägiges Österreich-Gastspiel beendet (zuvor gab es Auftritte in Linz und Graz). Knackige 75 Minuten - allerdings mit zwei Vorgruppen - dauerte das Programm mit einer Mischung aus den alten Hits und dem neuen Sound.

Mit dem aktuellen Album "III" (Warner) bricht das Quartett aus einer Schublade aus: "Wir wollten eine Riff-Rock-Heavy-Platte machen, sie sollte also einen Schritt weiter gehen als die Vorgänger. Das haben wir erreicht", betonte Gitarrist Ian D'Sa im Interview mit der APA.

"Es wäre langweilig, immer die gleiche Platte neu aufzunehmen", so der Musiker weiter. Aber machen Kritiker und Fans diese Entwicklung mit? "Wir werden oft in die Pop-Punk- oder Emo-Ecke gestellt. Aber das waren wir nie wirklich, sondern eine Rock-Band mit Punk-Einflüssen. Wie Soundgarden: Deren frühe Platten waren sehr schnell und punkig, erst mit dem vierten, fünften Album sind sie noch härter geworden. Uns hat der Punk der späten 70er und 80er Jahre beeinflusst, aber wir sind nicht nur eine Punkband. Wir sind fähig, harten Rock zu spielen. Das wollten wir mit diesem Album zeigen."

Emo-Kids, hauptsächlich weiblich, hatten sich schon Stunden vor dem "Anpfiff" vor der Stadthalle angestellt, in der hinteren Saalhälfte wippten dann Burschen in Metal-Shirts. Die Mischung gefällt der Band. Für Engstirnigkeit hat Ian D'Sa kein Verständnis: "Man versäumt etwas. Es gibt ja so vieles in anderen Genres zu entdecken. Aber nicht nur die Fans, auch die Bands versäumen viel, wenn sie sich nur einem einzigen Genre unterordnen wollen. Das ist für uns keine Option. Wir haben immer Gruppen wie Faith No More bewundert, die zwar Metal spielen, dabei aber so viele andere Stile mit einbeziehen und vermischen. Oder die Red Hot Chili Peppers. Die haben auch ihren eigenen Sound."

Angst, dass die Fans die aktuellen Songs im Set nicht mögen, gibt es nicht: "Wir spielen nie mehr als zwei neue Stücke hintereinander live. Diese Formel funktioniert." Die Emo-Gemeinde fühlt sich offenbar nicht nur von der Musik, sondern auch von den düsteren Texten angezogen. "III" bietet kaum Lichtblicke. "Als wir die Texte geschrieben haben, hat Benjamin gerade jemanden verloren, der ihm sehr nahe stand. Ich kam aus einer langen, turbulenten Beziehung. Also haben wir uns beide nicht gerade in bester Stimmung gefühlt", erklärte der Gitarrist.

Aus Erfahrung hatte Ian D'Sa eine Warnung für junge Bands: "Es ist wichtig, bei nichts anzufangen und sich heraufzuarbeiten. Unsere Band besteht seit mehr als 16 Jahren. Wir sind aber erst 2003 auf unsere erste internationale Tour gegangen. Wir haben kleine Clubs gespielt, in Wien das Flex - das war großartig, der Club und die Show. Für eine Band ist es besser, wenn sie mit jeder Tournee wächst. Wenn eine Band gehypt wird, dann zerbricht sie oft am Druck."

Man kann bei Billy Talent nicht widerstehen, sie auf den Song "Red Flag" anzusprechen, der in Europa für Missverständnisse geführt hat. Der Gitarrist grinst: "Als wir in Russland gespielt haben, hat das Publikum rote Fahnen geschwenkt und Militärmützen in die Luft geworfen. Nein, nein, das ist nicht die Bedeutung des Songs! Das ist kein sozialistischer oder kommunistischer Song! Red Flag steht für roten Alarm."

Bleibt dann noch die Frage, ob die Kanadier nach "I", "II" und "III" auch ihre nächste Produktion mit einer Nummer betiteln werden. "Nein!", bekräftige D'Sa und lacht laut auf. "Wir können das nächste Album gar nicht 'IV' nennen, weil Led Zeppelin bereits das größte 'IV'-Album aller Zeiten aufgenommen haben. Niemand kann sein Album nach Led Zeppelin 'IV' nennen!"