Amüsantes Wien-Gastspiel von Adam Green

Der Auftritt des - wie der Sänger selbst ironisch anmerkte - "jüdischen James Dean" in Lederjacke war äußerst heiter, gleichermaßen auf die Persönlichkeit des 28-Jährigen, seine engagiert aufspielende Band und gewisse Tour-"Verpflegung" zurückzuführen. Mister Green war nicht nur im Rausch der Sinne, alle Anwesenden hatten ihren Spaß.

Mit Green, optisch an diesem Abend dem jungen Lou Reed ähnlich, der als Idol des Singer-Songwriters gilt, teilten sich Musiker die Bühne, die seinen Stücken eine ordentliche Portion Pepp verpassten. Die Hits "Carolina" und "Emily" von der Platte "Gemstones" klangen in 60er-Rock-Arrangements wesentlich krachiger und flotter als zum Beispiel beim (auch guten) Gastspiel 2006, als Green Streicher zur Soundveredelung mitgebracht hatte. Nein, trotz Nummern aus dem aktuellen Werk, der Aufarbeitung einer schmerzvollen Trennung, fehlten die überspitzten Oden an den Missbrauch stimulierender Substanzen ("Drugs"), Haaren auf Brustwarzen ("Hairy Women") oder an Pop-Sternchen Jessica Simpson ("Jessica") nicht.

Da stand Green lässig am Bühnenrand, um eine hingehaltene Platte zu signieren, um Sekunden später ins Publikum zu springen und sich auf Händen über den Köpfen der Fans tragen zu lassen (ein Vorgang, der sich wiederholte). Er ist halt durch und durch ein "Antifolk-Punk", wie er sich einmal in der Zeitschrift "Musikexpress" bezeichnete, auch wenn es durchaus von Folk durchsetzte Nummern im Repertoire gab. Wenn er schon zwischendurch alleine auf der akustischen Gitarre Lieder brachte, wobei die Stimme hier besonders an das zweite Vorbild erinnerte, nämlich Leonard Cohen, ging es trotzdem nicht tiefernst zu, oder zumindest verzichtete Adam Green hierbei auf seine Oberbekleidung - Rampenschwein statt Liedermacher.

Bei allem Amüsement, das die locker-flockige, mit kabarettistischen Elementen angehäufte Darbietung hervorrief, sollte man Green nicht auf sein Talent, für 90 Minuten den Kasperl zu machen, reduzieren. Wie er und seine Mannschaft etwa das ironisch-komische (und auf Platte sehr kurze) "Hard To Be A Girl" brachten, das war vom Rock and Roll beseelt. Da steckt viel Leidenschaft dahinter sowie ein Gespür, Schräges in eingängige Melodien zu verpacken.

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