Wenige Fortschritte in der Tuberkulose-Bekämpfung

Die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen ist in Europa leicht rückläufig, international wurde aber nur wenig Fortschritt in der Bekämpfung dieser Infektionskrankheit erzielt. Auch in Europa sind die Raten der wirklich ausgeheilten TB-Erkrankungen sinkend. Verantwortlich dafür dürften vor allem resistente Erreger sein, die sich in manchen Regionen zunehmend ausgebreitet haben.

Dies geht aus Aussendungen von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC) hervor aus Anlass des bevorstehenden Welt-Tuberkulose-Tages (24. März). "In der Europa-Region der WHO wurden im Jahr 2008 461.645 TB-Erkrankungen registriert. Das sind rund sechs Prozent aller Fälle weltweit. Nach einem Anstieg zwischen 2004 und 2007 hat die WHO-Europa seit 2007 von einem Rückgang um 2,6 Prozent berichtet", stellten ECDC und die WHO fest.

Im Jahr 2008 sind weltweit rund 9,8 Millionen Menschen neu an Tuberkulose erkrankt. 1,8 Millionen erlagen der Krankheit, die überall dort grassiert, wo Armut, soziale Benachteiligung, Migrantenelend, Krieg oder schlechter Zugang zu Gesundheitsversorgung etc. herrschen.

Die TB bleibt eine Gefahr. Allein im Jahr 2008 wurden 440.000 Erkrankungen durch multiresistente Erreger hervorgerufen. Es gab 150.000 Todesopfer. Man schätzt, dass es zu 25.000 Todesfällen durch extrem resistente TB-Infektionen kam. Unter multiresistenter Tuberkulose (MR-TB) versteht man, dass die Erreger auf die beiden Standardarzneimittel Isoniazid (INH) und Rifampicin nicht ansprechen. Ab 2002 wurde weltweit aber eine noch besorgniserregendere Entwicklung registriert: extrem resistente Erkrankungsformen (XDR-TB). Die Erreger sind dabei zusätzlich auch noch gegen Fluorchinolone und/oder Substanzen wie Capreomycin, Kanamycin bzw. Amikacin unempfindlich. Resistenzen bei den Erregern gegen die TB-Medikamente entstehen vor allem durch falsche oder zu kurze Behandlung von Erkrankten.

Diese Entwicklung ist auch der Grund dafür, dass die Heilungsraten generell etwas rückläufig sind. In der Europaregion der WHO lag sie zuletzt bei 70,7 Prozent (bei im Jahr 2007 entdeckten TB-Erkrankungen), ein Jahr zuvor waren es noch 73,1 Prozent gewesen. Im Jahr 2008 waren zum Beispiel in Nordwestrussland 28 Prozent der neu diagnostizierten TB-Kranken mit multiresistenten Erregern infiziert, in Baku in Aserbaidschan waren es 22 Prozent.