Vorsorge-Kampagne gegen "Frauen-Krebs"

"Das Mammakarzinom ist die häufigste gynäkologische Krebserkrankung. Wir gehen davon aus, dass jede achte Frau in ihrem Leben erkrankt. Gerade in den letzten Jahren ist es zu einer Zunahme der Neuerkrankungen bei jüngeren Frauen gekommen. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei einem Tumor, der bei der Entdeckung weniger als 0,5 Zentimeter groß ist, liegt bei 95 Prozent", sagte Christian Singer, Leiter der Arbeitsgruppe für Brustgesundheit an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Wiener Universitäts-Frauenklinik.

Der Aufruf der Experten: Monatlich sollte jede Frau ihre Brust selbst untersuchen. Einmal jährlich sollte sie zum Gynäkologen gehen - dies wegen des Früherkennungsabstriches auf Gebärmutterhalskrebs, ab 40 dann auch wegen der möglichst jährlich bis alle zwei Jahre empfohlenen Mammografie bzw. der Untersuchung beim Frauenarzt.

Hier gibt es in Österreich erhebliche Mängel. Weil - im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten - weiterhin kein flächendeckendes Brustkrebs-Screeningprogramm etabliert wurde, kommen längst nicht alle österreichischen Frauen zu den Untersuchungen. Herbert Kiss, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG): "Binnen drei Jahren gehen 70 Prozent der Frauen zum Gynäkologen." Laut Singer betragen jährlichen die Teilnahmequoten je nach Bundesland zwischen 25 und 70 Prozent.

In Österreich erkranken pro Jahr derzeit rund 4.800 Frauen an einem Mammakarzinom, etwa 1.560 sterben daran. Beim Gebärmutterhalskrebs sind es jährlich etwa 550 Erkrankungen und rund 180 Todesfälle. Allerdings, es soll zu Verbesserungen kommen. Mittelfristig wird an einem generellen Mammografie-Programm gearbeitet. Singer: "Wir hoffen, dass wir bis Ende 2011 in Österreich ein generelles Brustkrebs-Screening implementieren können. Ich glaube, dass die Chancen sehr gut sind."

International belegen Studien, dass mit flächendeckenden Mammografie-Programmen die Sterblichkeit an Brustkrebs um rund ein Drittel gesenkt werden könnte. Die zweite gynäkologische "Krebs-Tragödie" - das Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) - wäre noch leichter in den Griff zu bekommen: Durch den einmal jährlichen Krebsabstrich beim Gynäkologen. Damit können Zellveränderungen am Gebärmutterhals frühzeitig erkannt werden. Hinzu kommt die Möglichkeit der Impfung gegen die krebsauslösenden Human Papilloma Viren (HPV) mit einer Schutzrate von derzeit rund 70 Prozent.

Herbert Kiss, Spezialist von der Wiener Universitäts-Frauenklinik am AKH: "Gebärmutterhalskrebs ist eine Krebserkrankung, die bei einer Diagnose zu 50 Prozent tödlich verläuft. Die jährliche Früherkennungsuntersuchung und die Impfung können diese Diagnosen verhindern." Die Heilungschancen bei beginnenden Zellveränderungen, die auf einen sich entwickelnden Gebärmutterhalskrebs hinweisen, liegen bei hundert Prozent. Bei fortgeschrittenem Zervixkarzinom sind die Behandlungsmöglichkeiten hingegen ausgesprochen schlecht.

Auf das von zahlreichen Experten - auch von der Österreichischen Krebshilfe - bedauerte Defizit, wonach in Österreich die HPV-Impfung für Mädchen nicht von der öffentlichen Hand kostenlos angeboten wird, machte TV-Moderatorin und Medizinerin Vera Russwurm aufmerksam: "Österreich ist das einzige europäische Land, in dem die Impfung die Krankenkassen nicht zahlen." Als sie, Russwurm, von der Immunisierung - speziell für Mädchen vor den ersten sexuellen Kontakten - gehört hätte, sei sie selbst skeptisch gewesen. Doch, so die Proponentin der Kampagne: "Ich habe meine beiden älteren Töchter mit 14 und 17 impfen lassen. Und ich werde meine dritte Tochter mit 14 impfen lassen. Ich bin vom HPV-Impf-Skeptiker zum HPV-Impf-Befürworter geworden."

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