Umprogrammierte Gene gegen Hautkrankheiten

Neue Therapiestrategien, die direkt bei den geschädigten Genen ansetzen, könnten bei verschiedenen schwer behandelbaren Hautkrankheiten, die erblich bedingt sind oder auf Störungen des Immunsystems zurückgehen, künftig eine neue Therapieperspektive bieten.

Bei "Schmetterlingskindern" hat man in Salzburg erste Erfolge mit der innovativen Gentherapie erzielt. Auch für Patienten mit Schuppenflechte ist der neue Ansatz eine Option, werden Experten auf der Frühjahrstagung der Österreichischen Dermatologen am Samstag in Wien berichten. Die Epidermalysis bullosa ("Schmetterlingskinder") ist derzeit eine unheilbare Erkrankung. Doch aus der Molekularbiologie könnten neue Ansätze kommen, die eventuell auch bei anderen schweren Hauterkrankungen - zum Beispiel bei der Psoriasis helfen könnten, berichtet Johann Bauer von der Salzburger Universitätsklinik.

"Das menschliche Genom ist vor Eindringlingen gut geschützt. Spezielle Schutz-Eiweisse und eine effiziente Verpackungsstruktur verhindern, dass Bakterien und Viren ihre Fremd-DNA in die menschliche Erbsubstanz einbringen können", erklärte Bauer wichtige Voraussetzungen des neuen Behandlungsansatzes. Nur in ganz bestimmten Momenten wird diese Barriere aufgehoben: Unter anderem im sogenannten Spleiß-Prozess. Dabei wird die "unreife" RNA, welche durch Abschrift aus der Erbsubstanz (DNA) entsteht, in "reife" RNA überschrieben.

Man kann diese Abläufe auch mit den Abläufen in einer Bibliothek vergleichen. Die Buchstaben der Bücher stellen die Information dar. Sie sind mit der DNA, der Erbsubstanz, vergleichbar. Werden die Informationen aus den Büchern gebraucht, werden sie kopiert. Diese Kopien entsprechen der RNA, welche zunächst noch "unreif" ist. Das heißt, es sind zu viele Buchstaben kopiert worden. Erst durch den Spleiß-Prozess entsteht dann die fertige RNA, die "reife" RNA, in welcher die Zahl der Buchstaben korrekt ist. Diese "reife" RNA wird dann zur Zusammensetzung der Proteine des Körpers verwendet.

Diese "Schwäche"-Phase nutzen Forscher gezielt für medizinischen Zwecke, indem sie in den Spleiß-Vorgang eingreifen - die Methode wird "trans-splicing" oder "Trans-Spleißen" genannt. "Wir untersuchen derzeit zwei Möglichkeiten des Trans-Spleißens", erklärte Bauer.

Beim ersten Ansatz werden schadhafte Bereiche der reifen RNA eines Patienten durch korrigiertes Material ersetzt. Bei Patienten mit Epidermolysis bullosa sind Abschnitte in jenem Gen, das für die Produktion bestimmter Eiweiße zuständig ist, krankhaft verändert. Mit Hilfe der neuen Technologie werden die korrigierten RNA-Abschnitte durch Gen-Schiffe in schadhafte Körperzellen eingebracht. So können diese Zellen fehlende Proteine wieder produzieren."

Ein weiteres Einsatzgebiet sind Erkrankungen des Immunsystems wie die Schuppenflechte (Psoriasis). "Hier werden bestimmte Proteine der Hautgefäße, die bei dieser Erkrankung vermehrt produziert werden, durch Zytokine ersetzt. Das sind Botenstoffe, welche die überschießenden Immunreaktionen bei der Psoriasis unterdrücken können", erklärte Bauer.