Telemedizin - Wenn der Doktor via TV kommt

Internet und Fernsehen könnten schon bald so manchen Arztbesuch ersetzen. Telemedizin heißt das Zauberwort mit dem der Doktor via TV-Bildschirm in jeden Haushalt mit GSM-Anschluss gerufen werden kann.

Einfach bedienbare Messgeräte lassen sich kabellos mit Bildschirm und Internet verbinden und ermitteln Puls, Blutdruck, Herz- und Lungengeräusche, auch EKG-Aufzeichnungen sind möglich, erklärte Jean-Francois Diet, Geschäftsführer der Notfall-Hilfs-Organisation Europ Assistance, bei einem Pressegespräch in Chamonix.

Bei einer Telemedizin-Untersuchung wird mittels Telefonleitung die Verbindung zu einer Ärztezentrale hergestellt. Nach wenigen Sekunden sieht der Patient seinen "Fernsehdoktor" am TV- oder Computerbildschirm, auch er ist für den Mediziner via Webcam sichtbar. Der Doktor erteilt die Anleitungen zur Überprüfung des Gesundheitszustandes persönlich, erhält unverzüglich alle Messergebnisse von Puls bis EKG und gibt dem Patienten ein persönliches Feedback über dessen Gesundheitszustand. Das System, das an Fernseher oder Computer angeschlossen werden kann, existiert auch in einer tragbaren Koffer-Version mit integriertem Bildschirm.

In Österreich ist die Implementierung von Telemedizin erst im Anfangsstadium, in Italien wird sie laut Diet bereits flächendeckend angewandt. Entwickelt wurde die Technik in Kooperation mit dem Grazer Unternehmen "Zydacron" - zunächst mit dem Ziel, ärztliche Versorgung in Gebiete mit schlechter Infrastruktur zu bringen. Daher zählten zu den Nutzern bisher vor allem Arbeitnehmer in abgeschiedenen Regionen, wie zum Beispiel Ölfeldern.

Zukünftig soll die Telemedizin vor allem bei chronisch Kranken breite Anwendung finden, betonte Europ Assistance, ein Tochterunternehmen der Generali Versicherungs-Gruppe. Geplant seien Installationen in Pflegeheimen, sinnvoll wäre eine Verwendung zu Hause außerdem bei Diabetes oder Asthma sowie nach Spitalaufenthalten wegen koronarer Erkrankungen. Prävention sei dabei das vorrangige Ziel.

Obwohl Telemedizin öffentlichen Gesundheitssystemen erhebliches Einsparungspotenzial bringen würde, rechne man punkto Online-Medizin derzeit vor allem mit einem Boom bei Privatkunden, betonte Diet. In Österreich nütze beispielsweise schon jeder Dritte das Internet für den Abruf von Gesundheitsinformationen. Vor allem junge Menschen und Stadtbewohner würden eine hohe Bereitschaft für "Arztbesuche" im Netz zeigen.