Mangel an Spenderorganen bereitet Chirurgen Sorge

23.10.2009

Als derzeit drängendstes Problem der Transplantationschirurgie sieht Sir Roy Calne, britische Pionier auf dem Gebiet der Transplantations-Chirurgie und ehemaliger Professor in Cambridge, den wachsenden Mangel an Spenderorganen. Die Anzahl der Patienten, die ein Organ benötigen, steige kontinuierlich.

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Gleichzeitig werde auch der Kreis der Personen, die für eine Transplantation infrage kommen durch den medizinischen Fortschritt immer größer. Die Zahl der Spender nimmt allerdings ab, erklärte der Brite am Rande der 23. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Transplantation, Transfusion und Genetik in Seefeld im Gespräch mit der APA. Einen Grund dafür sieht Calne darin, dass das gesamte Gebiet der Transplantation mit einem schlechten Image belegt sei und infolgedessen weniger zu diesem Schritt bereit seien. Negativschlagzeilen rund um illegalen Organhandel oder Menschen die ihre eigenen Organe aus der Not heraus zum Verkauf anbieten hätten dazu beigetragen.

Aber auch gesetzliche Voraussetzungen schaffen erhebliche Unterschiede. Lob gab es von Calne vor allem für das spanische Modell. In Spanien würden jährlich 40 Organe pro Million Einwohner gespendet. Dort können Verstorbenen Organe entnommen werden, sofern sie zu Lebzeiten nichts anderes verfügt haben, was auch hierzulande der Fall ist. Österreich halte derzeit bei 28 Spendern pro einer Million Einwohner, was der Experte als "ziemlich gut" befand. Großbritannien liege bei 20. Auch in Österreich gilt eine Regelung wie in Spanien.

Verschiedene Lösungsstrategien für den steigenden Bedarf waren beim "Austrotransplant 2009"-Kongress Hauptthema. Die Forschung gehe derzeit in mehrere Richtungen. Beispielsweise werde versucht, die Lebensdauer von gespendeten Organen zu verlängern. Gelingen soll dies, indem man die Medikamente, die die Abstoßungsreaktionen verhindern sollen, möglichst individuell auf den einzelnen Patienten zuschneidet, führte Tagungspräsident Walter Mark von der Abteilung für Transplantationschirurgie an der Innsbrucker Universität aus. Hoffnungen setzt man aber auch in die Lebendspende. Noch Zukunftsmusik, aber eventuell in etwa 20 Jahren Realität, könnte laut Calne sein, dass man Organe, die nur einmal im Körper vorkommen, wie das Herz einfach mit Hilfe von Stammzellen züchtet.

Als Höhepunkt der Veranstaltung wird am Freitag der Innsbrucker Transplantationschirurg Raimund Margreiter mit einem nach ihm benannten Symposium geehrt. Der Chirurg von Weltruf emeritierte Ende September dieses Jahres. Referenten aus ganz Europa wurden geladen.

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