Krebskongress: Bessere Therapie bei Lungenkarzinom

Eine neue Therapie bei Lungenkarzinomen im fortgeschrittenen Stadium, an deren Entwicklung Wiener Onkologen mitgearbeitet haben, verlängert die Überlebenszeit der Patienten und hemmt die Erkrankung. Anlässlich des Europäischen Krebskongresses (ECCO/ESMO; 20. bis 24. September) in Berlin veröffentlichte die britische Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" online die Ergebnisse einer Studie.

"Mehr als eine Million Menschen sterben weltweit pro Jahr an einem Lungenkarzinom, davon 87 Prozent an einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom. Bei 40 Prozent der Patienten ist die Krankheit schon zum Zeitpunkt der Diagnose weit fortgeschritten", schrieb das Fachjournal.

Normalerweise erhalten solche Patienten vier oder sechs Zyklen einer Kombinations-Chemotherapie, bei der eine der Substanzen Cisplatin ist. Kommt die Erkrankung zum Stillstand, gab es bisher die Behandlungsleitlinie, wonach man warten sollte, bis die Krankheit wieder fortschreitet, um dann Mittel der zweiten und dritten Wahl zu verwenden.

Chandra Belani (Pennsylvania State University) und die Co-Autoren von 83 Zentren in 20 Staaten erprobten eine Alternative zu dieser Strategie. Sie gaben 663 Patienten im Stadium IIIb oder IV eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms, bei denen die Krankheit mit der ersten Chemotherapie zum Stillstand gekommen war, entweder die Substanz Pemetrexed (441 Probanden) oder ein Placebo (222 Probanden). Sonst erhielten die Patienten die derzeit optimale Begleitbehandlung.

In Österreich waren an der Studie Thomas Brodowicz (Universitätsklinik für Innere Medizin I/Wien/AKH) sowie Klinikchef Christoph Zielilnski beteiligt. Die Therapie erfolgte in Zyklen alle drei Wochen. Pemetrexed ist ein Analogon der Folsäure und greift in Zellen in die Synthese der Erbgutbestandteile (DNA, RNA) ein.

Die Wissenschafter erzielten mit der neuen Erhaltungstherapie gute Resultate: So erhöhte sich unter Therapie von Pemetrexed die Zeitspanne bis zum Fortschreiten der Erkrankung von durchschnittlich 2,6 auf 4,3 Monate. Die durchschnittliche Überlebensdauer konnte von 10,6 auf 13,4 Monate gesteigert werden. Die zusätzliche Therapie wurde von den Patienten relativ gut vertragen. Fünf Prozent der damit Behandelten brachen sie wegen Nebenwirkungen ab. In der Placebo-Gruppe war es ein Prozent.

Laut den Autoren steht damit auch für Patienten mit einem inoperablen Lungenkarzinom nach der ersten Chemotherapie eine relativ gut verträgliche und wirksame Behandlung zur Verfügung, die das Fortschreiten der Erkrankung noch zusätzlich hinausschiebt und die Sterblichkeit verringert. Das ist für diese Schwerkranken ein Fortschritt.