Informationsflut kann Zwangsstörungen verstärken

Die ständig steigende Informationsflut hat zu einer Zunahme an Zwangsstörungen bei Patienten geführt. Wie die Gesundheits- und Spitals AG (gespag) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Linz bekanntgab, seien bis zu sieben Prozent der Patienten davon betroffen.

So sehe man sich zum Beispiel mit einer neuen psychischen Störung, dem sogenannten Internet Print Out Syndrom (IPOS), konfrontiert, so der ärztliche Leiter der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, Primar Werner Schöny. Vor allem unsichere Menschen würden - größtenteils im Internet - alle nur greifbaren Informationen über ihre Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten sammeln. Ihr Informationshunger könne jedoch dennoch nicht gestillt werden. Im Gegenteil, die Suche nach mehr Infos werden zur Sucht, die Betroffenen zu Getriebenen, erklärte Schöny dieses Syndrom.

"Die Betroffenen lassen sich, verunsichert durch andere Einschätzungen, ohne Überzeugung auf die vom Arzt empfohlene Behandlung ein, was sich aber negativ auf den Heilungsverlauf auswirken kann", so der Experte. Das Grundprinzip müsse nämlich Vertrauen heißen. Zusatzinformationen seien gut, sie können aber auch in die falsche Richtung gehen.

Grundsätzlich seien aber gut informierte Patienten begrüßenswert und positiv zu bewerten, sagte der ärztliche Leiter der Abteilung für Innere Medizin des Landeskrankenhauses Freistadt, Primar Josef Friedrich Hofer. Diesen Kulturwechsel - also das Bedürfnis der Patienten nach mehr Eigenverantwortung und Mündigkeit - könne man seit mehreren Jahren beobachten. Dem würde man in seinem Haus Rechnung tragen. So werde etwa drei Wochen durchgehend der selbe Arzt bei der Visite eingesetzt, um den Patienten das Gefühl der Kontinuität zu geben, so Hofer.