Herzleiden als "Draufgabe" zum Prostatakarzinom

Eine Antihormontherapie ist bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakrebs die wirksamste Behandlung. Entweder durch chirurgische oder medikamentöse Kastration wird das Testosteron ausgeschaltet, das einen Wachstumsimpuls für das Karzinom bedeutet - oft jahrelang. Der Preis dafür sind offenbar vermehrte Herzkrankheiten, stellten Forscher am Dienstag beim Europäischen Krebskongress in Berlin fest.

Die Angelegenheit ist deshalb so wichtig, weil mit rund 670.000 Neudiagnosen weltweit das Prostatakarzinom bei den Männern nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung ist. Bei vielen Betroffenen wird die Krankheit aber zu spät für eine kurative Operation erkannt. Dann wird oft eine antihormonelle Behandlung mit Medikamenten durchgeführt: Anti-Androgene oder sogenannte GnRH-Agonisten. Relativ seltener geworden ist eine chirurgische Kastration.

Doch diese Therapien haben für die betroffenen Männer offenbar auch noch neben der Kastration ihren "Preis": ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen. Mieke Van Hemelrijck vom King's College in London besorgte sich aus schwedischen Archiven alle Daten von 30.642 Prostatakarzinom-Patienten und verglich die Häufigkeit für Herzerkrankungen dieser Kranken, die zwischen 1997 und 2006 eine antihormonelle Therapie bekommen hatten, mit den Daten von gleichaltrigen schwedischen Männern ohne eine solche Behandlung (und somit auch ohne Prostatakarzinom).

Das Ergebnis: Karzinompatienten mit Hormontherapie hatten ein um 24 Prozent erhöhtes Risiko für einen nicht-tödlichen Herzinfarkt. Sie erkrankten um 19 Prozent häufiger an Arrhythmien. Weiters entwickelten sie um 26 Prozent öfter eine chronische Herzschwäche, die Gefahr an einem Infarkt zu sterben war gar um 28 Prozent erhöht.

Offenbar - so die Wissenschafterin - hat das Testosteron des Mannes eine schützende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Eine Gegenstrategie könnte darin bestehen, dass man Prostatakarzinompatienten mit der Notwendigkeit einer antihormonellen Therapie besonders engmaschig auf mögliche Herzleiden überwacht und bei ihnen besonders darauf achtet, dass sie "herzgesund" leben.