Hepatitis-C - Therapie soll erweitert werden

Die chronische Hepatitis-C-Infektion verläuft je nach Lebenssituation unterschiedlich. Rund 80 Prozent der Infizierten entwickeln längerfristig eine chronische Leberentzündung, schilderte der deutsche Leberexperte Michael P. Manns im Seminar in London. Länger unentdeckt und unbehandelt, kann sie in eine Leberzirrhose oder gar Leberkrebs münden.

20 bis 30 Prozent der Menschen mit chronischer Leberentzündung sterben schließlich am Versagen des Organs. "Rund die Hälfte der Lebertransplantationen geht auf eine virale Lebererkrankung zurück, für zwei Drittel ist das Hepatitis-C-Virus verantwortlich", so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung. Angesichts der lange schleichenden Entwicklung sowie weiterer laufender Infektionen rechnet der deutsche Experte damit, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten eine Verdoppelung der Lebertransplantationen wegen HCV zu erwarten ist. Durch heutige Therapien ist die Hepatitis C jedoch oft heilbar. "Um eine chronische HCV-Infektion frühzeitig zu identifizieren und damit rechtzeitig und erfolgreich zu behandeln, gibt es mittlerweile relativ zeit- und kostengünstige aber sehr effektive diagnostische Methoden", schilderte Manns.

Standardtherapie gegen das Hepatitis-C-Virus ist seit Jahren die Gabe von pygeliertem Alpha-Interferon (peg-INF) und Ribavirin über sechs bzw. zwölf Monate im Falle der Typ-1-HVC, erläuterte Fabien Zoulim, Ärztlicher Direktor der Abteilung Hepatologie an der Universität Lyon. Das künstlich länger wirksam gemachte Interferon (peg-INF) muss wöchentlich einmal gespritzt, die antivirale Substanz einmal täglich eingenommen werden. Die aufgrund ihrer Nebenwirkungen belastende Behandlung bringt es zu Heilungsraten zwischen 50 und 80 Prozent, abhängig vom Virus-Gentypus.

Es gibt sechs verschiedene Genotypen des Virus, europaweit ist der Genotyp 1 der Häufigste, der aber zugleich auch am schwierigsten zu behandeln ist. "Patienten mit dem Genotyp 2 und 3 können zu 80 bis 90 Prozent geheilt werden, die Heilungsrate beim Typ 1 liegt jedoch nur bei 40 bis 50 Prozent", bedauert Zoulim die aktuell unbefriedigende Situation. Zurzeit finden sich gegen den HC-Virus rund 35 Substanzen in Entwicklung - sowohl Protease- und Polymerase-Hemmer als auch Interferone, so Manns.