Experte fordert Pneumo- und Meningokokken-Impfung

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In Sachen Kinderimpfungen liegt Österreich im EU-Vergleich offenbar anhaltend schlecht. "Wir sind das letzte Land der EU, in dem es keine allgemeine Pneumokokken-Impfung gibt. Die Ausschreibung des Ministeriums (für den Impfstoff, Anm.) betraf nur die 'Risikokinder' mit einer Option für alle", kritisierte der Wiener Tropenmedizin- und Impfexperte Herwig Kollaritsch.

Auch eine geplante Meningokokken C-Immunisierung werde im Jahr 2010 von der öffentlichen Hand nicht bezahlt, erklärte Kollaritsch am Dienstag bei der Wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden. Der Experte verwies auf Gespräche bzw. lose Vereinbarungen zwischen den Experten des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates und des Gesundheitsministeriums. Die Fachleute sollten die Impf-Schemata möglichst kompakt - allenfalls mit dem Auslassen von Teilimpfungen - machen. Dafür sollten die generelle Pneumokokken-Immunisierung und jene gegen ebenfalls gefährlichen Meningokokken-Infektionen ermöglicht werden, betonte der Fachmann. Kolleritsch: "Die Fachleute haben ihre 'Hausaufgabe' gemacht." Das Ministerium sei seinen Teil sozusagen noch schuldig geblieben.

Die fast schon endlose Geschichte mit den Pneumokokken: Obwohl es seit 2001 einen hoch wirksamen Impfstoff für Babys und Kleinkinder gibt, gab es erst ab 2004 eine Finanzierung durch die öffentliche Hand für rund zehn Prozent der Kinder mit einem angeblich erhöhten Risiko. Allein im Jahr 2009 wurden - so Kolleritsch - in Österreich 40 Fälle schwerer invasiver Pneumokokken-Infektionen registriert.

Mittlerweile gibt es zwei etwas unterschiedliche Vakzine: Eine schützt gegen zehn Pneumokokken-Stämme und ist nur bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr zugelassen (bei drei Teilimpfungen plus einer Auffrischung). Die zweite Vakzine schützt gegen 13 Stämme der Krankheitserreger, es gibt auch das Impfschema mit zwei Teilimpfungen plus einer Auffrischung.

Laut dem Tropenmediziner erhielt der erste, etwas enger schützend wirkende Impfstoff für 2010 den Zuschlag. Kolleritsch: "Das war eine Preisentscheidung. Der Impfstoff ist nur bis zum zweiten Lebensjahr zugelassen. Bei älteren Kindern können wir damit nicht impfen. Man kann doch wohl nicht drei- oder vierjährigen Kindern die Impfung verweigern."

Dabei hätte das österreichische Expertengremium eine Teilimpfung bei der zweiten Vakzine auf Grund von internationalen Erfahrungen weggelassen, um den breiter wirksamen Impfstoff (preismäßig) vergleichbarer zu machen. Dieser ist bis zum Alter von fünf Jahren zugelassen. Die breiter wirksame Vakzine dürfte etwa 80 Prozent der für Erkrankungen verantwortlichen Erregerstämme abdecken, die zweite liegt etwas darunter.

Wie der Experte erklärte, wäre man auch überein gekommen, eine Impfung gegen Meningokokken C in das Kinderimpfprogramm zu bringen: "Wir bekommen in Österreich ein Problem mit Meningokokken C." Ein weiteres Manko, so Kollartisch: "Zur HPV-Impfung (gegen Gebärmutterhalskrebs, Anm.) möchte ich nichts sagen. Sonst müsste ich in Tränen ausbrechen. Das wird in Österreich noch immer nicht gemacht."

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