Erfolgreichstes Krebs-Forschungsnetzwerk ist 25

Inzwischen ist aus der damals gegründeten Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) eine international anerkannte Studiengruppe geworden, deren Forschungsergebnisse bei großen Kongressen Aufsehen erregen. Michael Gnant, Präsident der ABCSG, von der Chirurgischen Universitätsklinik der MedUni Wien am AKH: "Wir werden in wenigen Wochen an die 22.000 Patientinnen und Patienten haben, die sich an klinischen Studien beteiligen, und es ist für uns ein großer Vertrauensbeweis, dass bei manchen Brustkrebsarten über 30 Prozent der betroffenen Patientinnen an klinischen Studien teilnehmen." Die ABCSG - unter den Gründern war der Wiener Chirurg Raimund Jakesz - hat Österreich mit einem Netzwerk von rund 100 Studienzentren überzogen, in denen Krebspatienten optimal versorgt werden - und gleichzeitig so viele wie möglich als Probanden an Studien für neue Arzneimittel etc. teilnehmen.

Der Bedarf an wissenschaftlicher Forschung auf diesem sensiblen Gebiet ist groß. In Österreich erkrankt jede achte Frau an Brustkrebs, die Diagnose Darmkrebs wird Jahr für Jahr bei mehr als 5.000 Personen gestellt. Ein wesentliches Element des Erfolges der ABCSG ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten der verschiedensten Fachrichtungen. Chirurgen, internistische Onkologen, Gynäkologen, Radiotherapeuten, Histopathologen, Radiologen und bei Bedarf auch Ärzte anderer Fächer stellen sich gemeinsam der Aufgabe, neue Antworten auf wichtige diagnostische und therapeutische Fragen zu Brust- und Darmkrebs zu finden.

So hat es ABCSG als mittlerweile international hoch beachtete Forschungsinitiative immer immer häufiger geschafft, mit ihren Studienergebnisse in die international angesehensten Medizin-Journale wie "The Lancet" und "The New England Journal of Medicine" zu kommen. Für die Patientinnen und Patienten bringt diese intensive Forschungstätigkeit eine Reihe von Vorteilen. Sie werden während ihrer Therapie engmaschig überwacht und haben darüber hinaus Zugang zu den neuesten Behandlungskonzepten und Medikamenten.

Die beteiligten Zentren profitieren von Behandlungsleitlinien auf höchstem Niveau sowie durch Fort- und Weiterbildung. Derzeit werden elf Studien durchgeführt. Zur Abwicklung gibt es eine Zentrale in Wien, die jetzt mit ihren 43 Mitarbeitern von Alsergrund nach Döbling übersiedelte. Am Freitagabend wird im TechGate in Wien-Donaustadt gefeiert.

Seit Beginn der mittlerweile 25-jährigen Forschungstätigkeit der österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG) haben die beteiligten Wissenschafter international immer wieder für Furore gesorgt. Vor allem die bei Brustkrebs begleitende medikamentöse Therapie stand im Vordergrund. Eine Übersicht zu Highlights und Zukunftsprojekten:

- Studie ABCSG-5: Antihormontherapie anstelle von Chemotherapie (2001) - Die Erkenntnis, dass die Überlebenschancen von Brustkrebspatientinnen vor der Menopause entscheidend steigen, wenn die Frauen nach dem chirurgischen Eingriff statt der klassischen Chemotherapie eine kombinierte Antihormontherapie erhalten, war der Durchbruch für die ABCSG. Die antihormonelle Therapie (ehemals vor allem mit Tamoxifen, jetzt mit Aromatase-Hemmern) erwies sich als gleich bis besser wirksam als eine Chemotherapie nach der Operation - bei weniger Nebenwirkungen.

- Studie ABCSG-8: Umstellung von Tamoxifen auf Aromatase-Hemmer (2004) - Beim internationalen Brustkrebssymposium in San Antonio in den USA wurden 2004 zwei weitere Forschungsergebnisse der ABCSG präsentiert, die mittlerweile weltweit beachtet werden. Bei einem geht es um ein neues Behandlungskonzept für hormonrezeptorpositive Frauen nach der Operation. Sie erhalten jetzt zwei Jahre lang das Antiöstrogen Tamoxifen, das schon bis dahin zur Behandlung eingesetzt wurde, und danach drei Jahre lang den Aromatasehemmer Anastrozol. Diese neue "Switch-Therapie" reduziert die Gefahr einer neuerlichen Tumorbildung um 40 Prozent!

- Studie ABCSG-12: Auch das zweite Studienergebnis, das 2004 in San Antonio vorgestellt wurde, ist für die Krebspatientinnen von großer Bedeutung. Die intensivierte antihormonelle Therapie hatte nämlich bei Brustkrebspatientinnen zu vermehrter Osteoporose geführt. Die österreichischen Wissenschafter zeigten, dass ein in der Knochenschwund-Behandlung eingesetztes Arzneimittel - ein Bisphosphonat - einen Ausgleich für das erhöhte Risiko schaffen kann.

- Studie ABCSG-12 und die Folgen: Im Rahmen der Auswertung von ABCSG-12 in den Jahren 2008 und 2009 zeigte sich, dass die zusätzliche Behandlung von Brustkrebspatientinnen zur Antihormon-Therapie mit dem Bisphosphonat zu um 35 Prozent weniger Rückfällen führte. Das erhöhte auch die Überlebenswahrscheinlichkeit. Mehr als 98 Prozent der Teilnehmerinnen waren fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben, auch ohne Chemotherapie. Dies war auf diesem Gebiet das beste Ergebnis, das bisher weltweit bei solchen Patientinnen erzielt werden konnte.

- Studien ABCSG-14 und ABCSG-24: Untersucht wurde und wird, ob bei bestimmten Brustkrebs-Patientinnen eine intensivierte Chemotherapie schon vor der Operation zu besseren Chancen der Betroffenen führt. So brachte eine Verdoppelung der Chemotherapiezyklen vor der Operation von drei auf sechs signifikante Verbesserungen. Bei 18 Prozent - statt bis dahin bei sieben Prozent - konnte die Krankheit auch mit den feinsten pathologischen Methoden nicht mehr nachgewiesen werden. Dieser Anteil kann sich bei entsprechender Behandlung auf bis zu 24 Prozent erhöhen.

- Studie ABCSG-26: Derzeit wird untersucht, ob mit dem monoklonalen Antikörper Denosumab Osteoporose-ähnliche Erscheinungen bei Brustkrebspatientinnen mit antihormoneller Therapie nicht eventuell besser als mit Bisphophonaten verhindert werden könnten.

- In der Studie ABCSG26 wird aber auch untersucht, wie lange der optimale Zeitraum für die antihormonelle Therapie bei Brustkrebs ist.

Weitere Projekte betreffen die Individualisierung der Brustkrebstherapie, neue Immunbehandlungen und die Bestimmung des Werts von Operationen bei Patienten mit nicht mehr kurablen Dickdarmkarzinomen. Und schließlich soll untersucht werden, ob sportliche Betätigung die Rückfallrate bei Dickdarmkrebs reduziert (ABCSG-Trainingsstudie).

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