Demenz: Bei Vergesslichkeit nicht schimpfen

Schon wieder ist der Schlüssel verlegt. Oder der Partner fragt zum dritten Mal nach, was er tun soll. In solchen Situationen kommen Sätze wie "Streng dich doch mal an und denk nach!" leicht über die Lippen. Doch leidet der Angehörige an einer Demenz, kann er gar nicht anders, seine Vergesslichkeit ist Folge der Krankheit.

"Es ist kein böser Wille, dass er etwas vergisst", erklärte Hans-Jürgen Freter von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft dem dpa-Themendienst mit Blick auf den Welt-Alzheimertag am 21. September. Das sollten sich Angehörige immer wieder vergegenwärtigen.

Gerade am Anfang einer Demenz ist es schwierig, die Balance zwischen helfen und bevormunden zu finden. "Man sollte dem anderen nicht alles abnehmen", sagte Freter. Ihn aber auch nicht alleine lassen. Verlegt der Kranke immer mal wieder den Schlüssel, folgt daraus nicht automatisch, ihm diesen abzunehmen. Sich hinzusetzen und dem verzweifelten Partner zu sagen: "Dann such mal alleine", sei aber auch keine Lösung. Stattdessen sollten sich beide gemeinsam auf die Suche machen. Anschließend könne es einen Versuch wert sein, einen Platz zu bestimmen, an den der Schlüssel künftig immer abgelegt wird.

Alles was der Demenzkranke alleine kann, sollte er Freter zufolge auch alleine tun - wo er Hilfe braucht, diese aber auch bekommen. Was sich in der Theorie leicht anhört, ist in der Praxis viel schwieriger umzusetzen. Sollte der Partner den Familienbesuch organisieren, wenn er nur gelegentliche Ausfälle hat? Ist diese Organisation komplizierter, eher nicht, sagte Freter. Denn Misserfolgserlebnisse seien für den Kranken deprimierend. Besser sei, den Besuch gemeinsam zu organisieren.

Weil der Umgang mit einem Demenzkranken viele Fragen aufwirft, gibt es spezielle Kurse für pflegende Angehörige. Sie erfahren darin unter anderem, wie sich die Demenzerkrankung entwickelt, welche Konflikte im frühen Stadium auftreten können und wo es Unterstützung gibt, wenn die Krankheit fortschreitet.