"Austro-Therapie" vertreibt Brustkrebs

Mit einer neuen Kombinationstherapie, die in Österreich entwickelt wurde, kann bei fast einem Viertel der Patientinnen mit einem relativ großen Mammakarzinom ohne Metastasen der Tumor schon vor der Operation komplett zum Verschwinden gebracht werden.

Das hat eine Untersuchung der österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkarzinome (ABCSG) ergeben, deren Ergebnisse heute, Mittwoch, beim Europäischen Krebskongress in Berlin (bis 24. September) als Weltneuheit präsentiert wurden.

Die europäische Krebsmedizin scheint derzeit auf Erfolgskurs zu sein. Der Präsident der ABCSG, Michael Gnant (Chirurgische Universitätsklinik der MedUni Wien/AKH) in Berlin: "Bemerkenswert ist, dass hier in Berlin beim europäischen Kongress erstmals wieder Weltpremieren stattfinden. In Wahrheit ist man noch vor einigen Jahren zum amerikanischen Krebskongress gefahren, um eine solche Erstpräsentation zu machen. Da sieht man eine deutliche Trendumkehr."

Ein Beispiel dafür ist die ABCSG-24-Studie, die unter Leitung des Onkologen Günther Steger (Universitätsklinik für Innere Medizin I/Wiener AKH) stand. Dabei ging es um eine Verbesserung der sogenannten neoadjuvanten medikamentösen Therapie von Frauen mit Brustkrebs noch vor der Operation. Bei Patientinnen mit relativ großem Tumor - aber noch ohne Metastasen - oder mit Hinweisen auf einen aggressiveren Tumor versucht man, durch eine Chemotherapie bereits vor dem chirurgischen Eingriff die Geschwulst möglichst klein zu machen oder zum Verschwinden zu bringen. Angestrebt wird die komplette Remission - der Pathologe soll bei dem in der Operation entfernten Gewebe möglichst keine Krebszellen mehr finden.

Der Onkologe: "Das erhöht auch die Langzeit-Überlebensrate von Brustkrebspatientinnen. Bisher gelang das mit den verwendeten Chemotherapien bei 15, 16 oder 17 Prozent der Behandelten. Eine von sieben Patientinnen profitierte auf diese Weise von der Behandlung."

Die Autoren der Studie der ABCSG mit Beteiligung mehrerer österreichischer Kliniken und Abteilungen untersuchte nun, ob man im Vergleich zu einer Chemotherapie vor der Operation mit den Zytostatika Epirubicin (ein Anthrazyklin) und Docetaxel (ein Taxan) durch die Hinzufügung der Substanz Capecitabine die Krebszellen bei noch mehr Patientinnen zum Verschwinden bringen kann. Michael Gnant: "Bei der nachfolgenden Operation findet sich dann in der Brust nur noch Narbengewebe."

536 Brustkrebspatientinnen erhielten zu Hälfte die Zweier-Kombinationstherapie und ein Placebo oder die volle neue Behandlung. Steger: "Wir konnten den Anteil der Frauen, bei denen keine Krebszellen in der Brust mehr zu finden waren, von 15,2 auf 23,8 Prozent steigern. Das ist eine Steigerung um 50 Prozent. Jetzt profitiert mit einer solchen Therapie nicht mehr eine von sieben Patientinnen und hat damit eine bessere Überlebenschance, sondern jede vierte. Und das mit einer Behandlungsform, die solche Patientinnen sowieso bekommen sollten."

Obwohl ein drittes Chemotherapeutikum zu dem Behandlungsschema hinzugefügt wurde, blieben die Nebenwirkungen relativ gering. In der konventionell behandelten Gruppe konnten 96 Prozent der Behandlungen in sechs Zyklen alle drei Wochen durchgeführt werden, in der Gruppe mit der erweiterten Therapie 94 Prozent. Ein weiterer Erfolg: Durch die neue Therapie kann der Anteil der Patientinnen, bei denen brusterhaltend operiert werden kann, weiter angehoben werden. Bei 80 Prozent schrumpft der Tumor auf mehr als die Hälfte der ursprünglichen Größe. Und wenn es sich schon vor der Operation zeigt, dass die Geschwulst nur gering oder gar nicht anspricht, kann sofort auf ein neues Behandlungsregime umgestellt werden.

An einer Folge-Untersuchung (ABCSG-34) sollen 520 Patientinnen in 17 Zentren in Österreich teilnehmen. Getestet wird diesmal die Wirkung von Sunitinib. Der Tyrosinkinase-Hemmer blockiert Moleküle, die für das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen sorgen. Der Tumor kann so isoliert, ausgehungert und zum Absterben gebracht werden.