Sommergespräch mit Sophie Karmasin

"Wir müssen schneller werden!"

Erholt schaut sie aus, glücklich und noch etwas schlanker als sonst. Familienministerin Sophie Karmasin (48) empfängt uns zum Auftakt der MADONNA-Sommergespräche in ihrem neuen Büro. Hier dominieren Weiß, pures Design und Bilder ihrer Lieblingsmalerin Nina Levett. Wir wollten von der Polit-Quereinsteigerin wissen, was sie im Regierungsjahr erreicht hat, woran sie gescheitert ist, was für Familien im Land unbedingt passieren muss, um die Vereinbarkeit von Kind und Karriere für ­beide Elternteile zu ermöglichen, und wie ernst sie als Frau in der harten Männerdomäne Politik genommen wird.

Wenn Sie das Regierungsjahr Revue passieren lassen: Was ist Ihnen gelungen? Worauf sind Sie stolz?
Sophie Karmasin:
Da möchte ich anfangen mit der Kinderbetreuung, mit der größten Ausbauoffensive des Bundes, die es je gab! 305 Millionen ­Euro wurden auf den Weg ­gebracht. Das ist eine Versiebenfachung der Mittel im Vergleich zu den Vorjahren. Es geht darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer und Frauen möglich zu machen. Und da liegen wir international noch weit hinten. Kinderbetreuung ist da ein ganz wichtiger Baustein. Für die Lebensqualität und für die Kinder selbst, weil alle Studien uns zeigen, dass eine gute Elemantarpädagogik Kindern beim Schuleintritt, in ihrer Schulzeit und im späteren Leben hilft.


Es hat ein Umdenken stattgefunden: Der Kindergarten hat an Bedeutung gewonnen.
Karmasin:
Ich denke, dieser Diskussionsprozess und die Wahrnehmung der Wichtigkeit von Kinderbetreuung ist schon auch auf unsere Fahnen zu schreiben. Wir bestreiten diesen Weg sehr hartnäckig und konsequent.


Wohin genau sind die 305 Mil­lionen Euro geflossen?
Karmasin:
Quantitativ in Kinderbetreuungsplätze vor allem der 0- bis Dreijährigen.  Das ist ja Ländersache und die Situationen sind unterschiedlich. Zwischen Vorarlberg  und Wien liegen Welten! Aber es wurde auch Geld für die Qualitätsverbesserung ausgegeben. Wir haben erstmals eigene Fördermittel – für bundesweit gleiche Qualitätsstandards – über alle Bundesländer hinweg. Aber auch die Väterbeteiligung ist mir wichtig. Wir arbeiten an Vereinbarkeitsmaßnahmen für Männer. Nur, wenn sich Männer, Väter, mit dem Thema Kindererziehung auseinandersetzen, werden wir in Zukunft eine zufriedenstellende Situation erreichen.


Frauenministerin Heinisch-Hosek möchte den Vätern nun über das Kindergeld Druck machen. Was sagen Sie dazu?
Karmasin:
Da sind wir einer Meinung. Wir wollen den für Väter reservierten Teil des Kindergeldes von derzeit durchschnittlich 17 % steigern. Man muss aber aufpassen, dass man hier auch an die Allein­erzieherinnen denkt. Die verlieren natürlich umso stärker, je höher der „Väteranteil“ ist. Deswegen scheinen mir die von Heinisch-Hosek geforderten 33 % zu hoch. Ich denke, wir sollten auf über 20 % gehen.


Und wie wollen Sie denn die Väter motivieren?
Karmasin
: Politisch zwei Stoßrichtungen: über das Kindergeldbetreuungskonto. Und im Zusammenhang mit der ­Väterbeteiligung ist ja der von mir vorgeschlagene Partnerschaftsbonus das große Thema. Dafür kämpfen wir. Es funktioniert so: Wenn jeder ­Elternteil 50 Prozent Betreuungszeit übernimmt, wird ein Sonderbonus ausgezahlt. Diesen verhandeln wir gerade.  Das wäre schon eine Revolution, denn es wäre in Österreich das erste Mal, dass eine Halbe-halbe-Regelung gesetzlich definiert und mit einem finanziellen Anreiz unterlegt wäre. Und alle profitieren davon, wie diverse Studien belegen: Eltern, Kinder, Unternehmen.


Was halten Sie von der Idee, dass Vater und Mutter jeweils 30 Wochenstunden arbeiten?
Karmasin:
Großartig! Das ist im Prinzip der Partnerschaftsbonus. Meine Idealvorstellung wäre, Partnerschaftsbonus und beide Eltern reduzieren dafür ihre Arbeitszeiten.


Woran möchten Sie vor allem im nächsten Regierungsjahr arbeiten?
Karmasin:
Wir müssen an der Schnelligkeit arbeiten! Wir reden so lange über Reformen und bis sie dann passieren … Das macht mich wahnsinnig. Schade. Es gibt so viele gute Ideen, und es dauert so lang.


Warum ist das im Land so?
Karmasin:
Ich bin zwar Motivforscherin, aber das Warum ist mir eigentlich egal: Ich möchte, dass es schneller geht. Weil wir es brauchen, weil es die Familien brauchen und das Land! Wir können nicht zwei Jahre über Reformen reden und sie dann erst in drei Jahren implementieren. Da rennt uns die Zeit davon. Ich hoffe, dass auch der Koalitionspartner realisiert, dass wir eine Umsetzungsschnelligkeit brauchen. Es gibt immer die Angst, weil immer irgendeine Wahl ansteht. Aber der Bürger will, das was weitergeht. Auch unter der Prämisse, dass da und dort mal jemand unzufrieden ist. Wir müssen schneller werden.


Sind Sie ein geduldiger Mensch?
Karmasin:
Nein (lacht). Aber genau das braucht es. Man muss halt die Energie aufbringen, ständig ungeduldig zu bleiben. Wenn man sich dran gewöhnt, dass alles so langsam geht, ist man schon Teil des ­Establishments.


Werden Sie als Frau in der Politik anders behandelt?
Karmasin:
Das kann man nicht verallgemeinern. Von manchen Personen: Ja.


Wie reagieren Sie?
Karmasin:
Sachlich (lacht).


Letzte Frage: Sie kommen gerade vom Sommerurlaub auf dem Hausboot mit Mann und den Söhnen (12 und 14 Jahre alt). Wie waren Ihre Ferien?
Karmasin:
Sehr schön, weil vor allem meine Söhne gesagt haben, dass diese Art der Fe­rien den Familienzusammenhalt gestärkt hat. Sie haben ­gesagt, das war toll, weil man als Familie zusammenwächst. Das fand ich sehr schön.

 

_STF3023.jpg © Stefan Fürtbauer
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