Sonja Klima über ihren neuen Job in der Hofreitschule

MADONNA-Talk

Sonja Klima über ihren neuen Job in der Hofreitschule

Vor neun Monaten trat  Sonja Klima das Amt als neue Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule an. In MADONNA zieht sie erste Bilanz über anfängliche Gegner, ­Umstrukturierungen und Frauenpower im Wiener Traditionshaus.

Es hat sich wirklich einiges ­verändert. Allein in den Büroräumlichkeiten der Spanischen Hofreitschule ist heute so ziemlich alles anders, als es einmal war. Dort, wo einst Antiquitäten standen, stehen moderne Schreibtische – gleich vier an der Zahl im Office der neuen Chefin. Neue Mitarbeiterinnen tummeln sich um den großen Stehtisch in der Mitte des Raums, während Elevin Valentina Utz einen Hengst in die ehrwürdige Bahn der  Reitschule führt. „Sie ist eine tolle junge Reiterin“, freut sich Sonja Klima. Die 56-Jährige strahlt förmlich. „Ja, ich fühle mich hier richtig angekommen“, schwärmt sie über ihren neuen Job als Geschäfts­führerin der Spanischen Hofreitschule.

Am 1. März begann für die ehemalige Präsidentin der Ronald McDonald Kinderhilfe der zunächst wilde Ritt in einen neuen Lebensabschnitt. Der heftige Gegenwind einiger Kritiker und Gegner wurde inzwischen zu einem lauen Lüftchen, das die gute Stimmung im Traditionsunternehmen nicht trüben kann – ist sich Sonja Klima im MADONNA-Interview sicher.

Wir sitzen in Ihrem Büro, das Sie aber gar nicht alleine nutzen. Ich sehe vier Schreibtische und einen großen Stehtisch …
Sonja Klima:
Das Büro sieht jetzt natürlich ganz anders aus als früher, wir haben hier vier Arbeitsbereiche. Ich liebe es, im Team zu arbeiten, und auch wenn alle zusammensitzen. Man kann viel schneller Informationen weitergeben und rascher agieren. Das ist etwas, das ich auch in ­meiner Tätigkeit bei der Ronald McDonald-Kinderhilfe gelernt habe – da haben wir auch so gearbeitet und das war sehr ­effizient.


Sie sind nun seit neun Monaten im Amt – gab es auch personelle Veränderungen?
Klima:
Strukturelle, würde ich sagen. Ich habe etwa eingeführt, dass es vier Ober­bereiter gibt anstatt nur einen – und diese vier arbeiten jetzt im Team zusammen.

Wie schwierig war es für Sie, solche strukturellen Veränderungen in so einem Traditionshaus durchzusetzen?
Klima:
Als Geschäftsführer kann und muss man Entscheidungen treffen – das ist sehr wichtig, denn ohne Entscheidungen gibt es keine Zukunft und kein Vorankommen. Und es ist mir wichtig, die Spanische Hofreitschule in eine gute Zukunft zu führen. Mit all ihren Traditionen, da wird sich auch nichts ändern, aber eine gewisse Modernisierung halte ich schon für essenziell. Und mit Erwin Klissenbauer habe ich in der Geschäftsführung Gott sei Dank ­einen Partner, mit dem man solche Neuerungen starten kann.


Wie lautet denn nun Ihre persönliche Bilanz nach neun Monaten in der Hofreitschule?
Klima:
Am 1. März habe ich begonnen – und in diesen neun Monaten haben wir schon einiges neu gestaltet. Was für uns ganz wichtig ist: Wir haben ja mit Piber, Heldenberg und Wien drei Standorte, die  wir als einheitliche Institution sehen. Da versuche ich möglichst ein familiäres Arbeitsklima zu schaffen. Wir waren vor Kurzem auch alle bei einem Workshop zum Thema Teambildung, wo sich auch einmal alle MitarbeiterInnen untereinander austauschen konnten. Das war ein tolles Erlebnis und wir sind, denke ich, alle mit dem Gefühl rausgegangen, dass wir uns als Familie sehen wollen.  

Bei Ihrer Bestellung im März war nicht alles ganz so familiär – da gab es auch Gegenwind. Wie haben Sie das erlebt?
Klima:
Die Aufregung war am Anfang groß, aber den Gegenwind gab es ja nur von ein paar bestimmten Personen. Man kann sagen, dass sich der Großteil sehr gefreut hat, dass ich gekommen bin, weil das ein Neustart ist. Ich habe niemandem einen Job weggenommen, sondern mich einfach beworben und in zwei öffentlichen Hearings bestanden. Dann hat sich der Aufsichtsrat einheitlich für mich entschieden. Aber natürlich herrscht in so einer Umbruchsphase auch viel Unsicherheit – das kann ich verstehen. Anfangs gibt es ­gewisse Hemmschwellen, die ich aber, denke ich, schnell ausräumen konnte. Die Türen zu meinem Büro stehen immer für alle offen – ich glaube, das hat sich auch schnell herumgesprochen.


Ihre neue Aufgabe ist eine große – wie viel arbeiten Sie derzeit? 7 Tage die Woche?
Klima:
Ja, das sicherlich, und selbst wenn ich einmal nicht da bin, bin ich am Telefon. Aber es macht mir so großen Spaß, dass mich das überhaupt nicht stört. Wenn man mit diesen wunderbaren Geschöpfen, den Pferden, zu tun haben darf, kann man nicht einfach nach acht Stunden nach Hause gehen. Ich möchte hier wirklich etwas bewirken.

Viel Zeit für Ihr Privatleben bleibt Ihnen aber nicht mehr …
Klima:
Ich habe das Glück, einen Partner (Lebensgefährte Josef Kirchberger, Anm. d. Red.) zu haben, der das sehr gut versteht, weil er auch sehr viel arbeitet. Er ist ja Geschäftsführer von Art for Art. Wir haben eine Gemeinsamkeit mit den Tieren und den Pferden, die wir zu Hause haben. 40 Pferde und 2 Hunde … Natürlich gehe ich nach wie vor privat reiten, aber im Moment eben weniger. Aber ich habe alles so organisiert, dass die Tiere super versorgt sind. Es kommt also keiner zu kurz.

Stichwort Tierschutz. Diesbezüglich steht die Hofreitschule immer schon im Fokus …
Klima:
Ja und auch hier bin ich bemüht, viel zu bewirken. Wir reduzieren etwa die Vorstellungsanzahl für die Pferde und sind auch dabei, eine eigene Koppel im Burggarten zu installieren. Es kann sich jeder sicher sein, dass wir auf die Tiere aufpassen wie auf kleine Kinder. Auch jetzt im Rahmen des Weihnachtsmarkts, den ich in den Stallungen installiert habe. Da ist es ganz ruhig und überall stehen Security-Leute und passen auf die Tiere auf. Wir wollten einen besinnlichen Weihnachtsmarkt schaffen, der jedem die Möglichkeit gibt, in die Hofreitschule zu kommen. Und ich glaube, das ist uns sehr gut gelungen.

Wie sieht es sonst mit Events aus? Wird es wieder einen Sommerball geben?
Klima:
Nein, aber es sind viele andere Events geplant, die uns noch mehr Sponsoren und Unterstützer bringen sollen. Im nächsten Jahr liegt der Fokus auf Piber, wo das Lipizzanergestüt 100 Jahre feiert. Da rücken wir jetzt auch erstmals die Stuten in den Vordergrund. Sie schenken unseren Hengsten ja das Leben und sind damit ganz, ganz wichtig. Diese Ladys darf man nicht verstecken – ich setze also auch bei den Pferden auf Frauenpower. (lacht)