Schlank aus dem Bauch heraus

Die Darm-Diät

Schlank aus dem Bauch heraus

2014 war offensichtlich das „Jahr des Darms“: Diese „Auszeichnung“ verdankt das bislang unterschätzte Organ vor allem der jungen Wissenschafterin Giulia Enders (24), die mit ihrem unkonventionellen Ratgeber Darm mit Charme (erschienen bei Ullstein) einen Überraschungsbestseller landete. Ihre Ausführungen darüber, wie man „richtig kackt“, verkauften sich über eine Million Mal. Die Jungautorin – die im Juni auch den MADONNA Leading Ladies Award beehrte und dort für ihren Bucherfolg prämiert wurde – erklärt sich das gesteigerte Interesse an dem „fabelhaften Wesen voller Sensibilität“ wie folgt: „Jeder hat einen Darm – und bekommt so wenig davon mit, was hier alles passiert.“  Damit hat sie vermutlich recht: Denn die wenigsten vermuten, dass in der Darmschleimhaut 70 Prozent unserer Immunzellen sitzen. Oder wie sehr ein gesunder Darm zu psychischer Gesundheit beiträgt: Depressionen können, ebenso wie Allergien, mit einem gestörten Gleichgewicht der Darmflora zusammenhängen.

Neue Erkenntnisse. Jüngste Studien liefern zudem mehr und mehr Hinweise darauf, dass auch unser Gewicht maßgeblich von unserem Darm bestimmt wird: Die Darmflora ist bei Schlanken anders zusammengesetzt als bei Dicken. So etwa zeigte eine Studie des Children’s Hospital in Phil­adelphia, dass Kinder ein größeres Risiko haben, dick zu werden, wenn sie im Säuglingsalter Antibiotika bekommen. Je öfter, desto höher das Risiko. Die Ursache, vermuten die Experten, liegt in der durch die Antibiotika geschwächten Darmflora.

Die gute Nachricht!
Es gibt auch „gute“ Darmkeime, die uns helfen, schlank zu werden – und zu bleiben. „Selbst Experten staunen, wie effektiv die Mikroben Fettpölsterchen zum Schmelzen bringen, den Appetit zügeln und unsere Stimmung verbessern“, erklärt Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann, Sportmedizinerin,  Hautfachärztin und Autorin des soeben erschienenen Ratgebers Schlank mit Darm (Südwest Verlag).  

Dick oder dünn? Denn die Darmbakterien – bis zu zwei Kilogramm tummeln sich in unserem Inneren – beeinflussen den Blutzuckerspiegel, unsere Cholesterinwerte und wie viel Energie wir aus der Nahrung ziehen. Letzteres hat entscheidenden Einfluss auf unser Gewicht. Den „guten“ oder „schlechten“ Futterverwerter gibt es nämlich wirklich: Ein Übermaß an „schlechten“ Darmbakterien – wenn also die Darmflora gestört ist – sorgt dafür, dass wir aus jedem
Salatblatt Kalorien aufnehmen und jedes Milligramm Fett speichern – vorzugsweise am Bauch.

Je nachdem, wie die Darmflora beschaffen ist, extrahieren diese Bakterien  bis zu 200 Kalorien täglich mehr aus der gleichen Nahrung. Wie wir das, was wir zu uns nehmen, verwerten, wird also maß­geblich von der Vielfalt und Zusammensetzung unserer Darmflora bestimmt. Studien belegen, dass sie bei 25 Prozent der Menschen in Industrieländern aus dem Gleichgewicht geraten ist. Schuld daran sind unter anderem Antibiotika, fettreiche und ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel oder chronischer Stress. Klicken Sie hier für die Zeitleisten-Grafik

So geht die Darm-Diät
Wissenschafter sind sich heute weitgehend einig darüber, dass man dauerhaft nur schlank bleiben kann, wenn die Darmflora optimal funktioniert: „Diese Erkenntnis hat man bislang bei Diäten völlig außer Acht gelassen“, weiß Ärztin Axt-Gadermann. Mit der in ihrem Ratgeber vorgestellten „Darmbakterien“-Diät verbrauchen Sie bis zu zehn Prozent mehr Kalorien pro Tag, bauen Fettzellen schneller ab und sind nach den Mahlzeiten länger satt – was das Durchhalten der Diät enorm erleichtert. Pro Tag nehmen Sie etwa 1.000 Kalorien zu sich und 30 Gramm Ballaststoffe (siehe Rezepte links), die den Darm auf Trab bringen. Das Mittag- und Abendessen sollten Sie nicht vertauschen: Die Mittagsmahlzeit liefert komplexe Kohlenhydrate, die Ihnen Energie für den Tag geben. Die Abendmahlzeiten hingegen sind eiweißreich und kohlenhydratarm, um die nächtliche Fettverbrennung nicht zu stören.

Diashow Die Darm-Diät: Menüs für gesundes Abnehmen

Die Darm-Diät

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Schlank-Tricks. Weitere Tipps, wenn Sie abnehmen wollen: Nehmen Sie drei Mahlzeiten pro Tag zu sich. Wenn Sie zwischendurch hungrig sind, trinken Sie Wasser oder Kräutertee. Da Entzündungen und Übergewicht Hand in Hand gehen: Verwenden Sie Lein- oder Rapsöl, essen Sie Fisch wie Lachs oder Makrele und würzen Sie Ihre Speisen mit Ingwer und Kurkuma – all dies blockiert Entzündungs­botenstoffe.
Kaffee-Fans werden sich freuen: Trinken Sie zwei bis drei Tassen pro Tag. Das Heißgetränk liefert nämlich spezielle Ballaststoffe, die die Schlank-Bakterien lieben.

5 SOS-Tipps für die Figur 1/5
Lange Pausen!
Nicht nur regelmäßige Mahlzeiten sind wichtig. Lassen Sie auch Abstand zwischen den ­Essenszeiten (idealerweise mindestens fünf Stunden). Wichtig: Bevor Sie etwas essen, sollten Sie erst wieder Hunger spüren. Zwei bis drei Mahlzeiten pro Tag reichen völlig aus.
Darmfutter
Wer viele Ballaststoffe aufnimmt, trimmt seine Darmflora auf schlank. Die besten Quellen für Ballaststoffe sind Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte oder Vollkorn. Auch gut: Fermentierte Lebensmittel wie etwa Sauerkraut, ­Joghurt, Kefir, Kimchi (durch Milchsäuregärung zubereitetes Gemüse) oder Miso.
Besser trinken
Softdrinks sind ein Hauptverursacher von Übergewicht (schädigen die Darmstrukturen). Fruchtsäfte am besten ­verdünnt trinken. Noch besser: Wasser, ungesüßte Tees, schwarzer Kaffee (in Maßen).
In Balance
Lassen Sie Stress nicht chronisch werden! Gute Gegenmaßnahmen: Sport, Entspannungstechniken (Yoga, autogenes Training) und öfter „Nein“ sagen!
Genug Schlaf
Wer zu wenig schläft, hat mehr Hunger. Eine zu kurze Schlafdauer fördert die Konzentration des „Fresshormons“ Ghrelin – und man isst dadurch um bis zu 500 Kalorien pro Tag mehr.

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