Österreichs wahre Weihnachtsengel

Mitgefühl

Österreichs wahre Weihnachtsengel

Miteinander. Zwei Tage vor Weihnachten holen wir vier  Frauen vor den MADONNA-Vorhang, die sich mit vollem Einsatz für ihre Mitmenschen einsetzen. Und das 365 Tage im Jahr aus tiefster Überzeugung.

Es sind vier ganz außergewöhnliche Frauen, denen wir auf der Suche nach Österreichs wahren Weihnachtsengeln begegnet sind. Keine von ihnen würde sich jemals selbst diesen ­Titel verleihen. Es sind Menschen, die das Rampenlicht meiden, weil sie für die Arbeit, die sie leisten, keine Anerkennung oder Aufmerksamkeit wollen. Es sind sehr bescheidene Frauen, die ihr ganzes Tun und Handeln aus vollster Überzeugung in den Dienst anderer stellen.

Einfach da sein
Eine dieser bemerkenswerten Frauen ist Helga Linz. Die Mutter von Star-Kicker Roland Linz lebt in Leoben und arbeitet seit 38 Jahren als Krankenschwester auf einer Kinder-Intensivstation. „Wenn man diese Arbeit macht, dann begreift man recht schnell, wie gut es einem eigentlich geht. Und wem es gut geht, der kann das auch an andere weitergeben“, so die 56-Jährige über ihre Lebensphilosophie, von der wir alle viel lernen können. Ihren Heiligen Abend widmet Helga Linz leidgeprüften Menschen, die sich einsam fühlen. „Vor  zwanzig Jahren begegnete ich in einem Park einem Mann, der soeben erfahren hatte, dass er sich mit HIV infiziert hatte“, erinnert sich die einfühlsame Steirerin. Es war der Startschuss für eine besondere Freundschaft, der noch viele weitere mit ähnlichem Schicksal folgen sollten. „Gerade am 24. Dezember geht es vielen nicht gut, weil sie alleine sind. Und dann besuche ich einige von ihnen oder wir telefonieren“, so die zweifache Mutter. Für Helga Linz ist das keine große Sache, sie winkt bescheiden ab: „Es gibt Menschen, die viel mehr machen als ich. Das ist doch nichts Besonderes!“

Diashow: Österreichs wahre Weihnachtsengel

Österreichs wahre Weihnachtsengel

×


    Vor dem Nichts
    Es ist ein grauer nebeliger Tag, als wir uns aus der weihnachtlich beleuchteten Innenstadt auf den Weg in den 12. Bezirk machen. Am Hintereingang der Arndt­strasse 88 nimmt uns Karin Klaric in Empfang. In einem kleinen Raum, der als Büro dient, stapeln sich Säcke mit Kleidung und Decken. „Wir mussten ein Zimmer ausräumen, weil eine Familie dringend Unterschlupf brauchte“, erzählt uns die 36-jährige Juristin fast entschuldigend. Vor zwei Jahren hat sie die Schlüssel für das baufällige Haus übernommen. „Ein Bauträger stellt uns die Räumlichkeiten gratis zur Verfügung“, klärt uns Klaric auf. „Es war ja nie geplant, das hier so viele Menschen wohnen. Aber ohne diese Möglichkeit würden die 100 Personen, von denen 50 Kinder sind, auf der Straße stehen.“  Die Familien, die ohne die Hilfe von Karin Klaric und ihrem Verein „Purple Sheep“ vor dem Nichts stehen würden, sind Menschen, die rechtlich alle Voraussetzungen erfüllen, um in Österreich bleiben zu dürfen. Aber die langen Behördenwege katapultieren die Familien in ein Vakuum aus Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Ohne Arbeitserlaubnis und Krankenversicherung warten sie auf eine endgültige Entscheidung der Behörden. „Wir leben ausschließlich von Spenden“, erklärt uns Karin. „Das funktioniert mehr schlecht als recht. Oft ist das Geld so knapp, dass wir tagelang nur von Kartoffeln leben.“

    Ende des Weges

    Seit acht Jahren gibt es das mobile Kinderhospiz Netz, eine einzig­artige Institution, die schwer kranke und im Sterben liegende Kinder und ihre Familien zu Hause begleitet. Für Dr. Brigitte Humer-Tischler ein absolutes Herzensprojekt: „Ein schwer krankes Kind zu haben ist auf ganz vielen Ebenen eine totale Ausnahmesituation“, so die Ärztin. „Die Eltern verbringen ganz viel Zeit bei ihrem kranken Kind im Krankenhaus. Zu Hause sind die Geschwister, die von Freunden oder Großeltern mitbetreut werden. Die Familie muss viel aushalten, ist oft zerrissen. Darum brauchen sie auf ganz vielen Ebenen Hilfe, wenn das kranke Kind nach Hause darf.“ Eine staatliche Unterstützung für diese wichtige Hilfe  gibt es aber nicht. „Auch wir finanzieren uns über Spenden“, so die  zweifache Mutter.

    Zufluchtsstätte
    Vor 26 Jahren hatte eine Gruppe von 16-jährigen Schülerinnen eine besondere Idee. „Unsere Überlegung war: Tun Christen etwas, oder reden sie nur?“, so Susanne Peter, das einzige dieser jungen Mädchen, das bis heute noch für „Die Gruft“ tätig ist. Hunderte Menschen werden täglich von der Einrichtung versorgt. „Sie bekommen bei uns zu essen, können duschen und ihre Kleidung waschen. Viele von ihnen schlafen auf Matten bei uns“, so die 44-Jährige. Weihnachten wird in der Gruft ganz besonders zelebriert. „Das ist der einzige Tag im Jahr, an dem wir das Essen servieren. Es gibt Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat und danach für jeden ein Geschenk“, strahlt Susanne, die noch jeden Heiligen Abend seit Anbeginn in der Gruft verbracht hat.

    Vorbilder
    Diese vier Frauen stehen stellvertretend für viele Menschen, die nicht vergessen haben, dass Weihnachten mehr ist als Geschenke und gutes Essen. Es ist das Fest der Liebe. Auch der Liebe zu unseren Mitmenschen. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!