Nazan Eckes im MADONNA-TALK

Zweites Kind

Nazan Eckes im MADONNA-TALK

Als in Deutschland geborenes Kind türkischer Migranten hat Nazan Eckes (40) von klein auf erfahren, wie wichtig es für die eigene gesell­schaftliche Integration ist, die Landessprache fehlerfrei zu beherrschen. In der aktuellen „#Differencemaker“-Kampagne macht die Moderatorin darauf aufmerksam, dass Lese- und Schreibkompetenzen als Grundlage von Bildung essenziell sind. Ihre Lösung dafür: Kindern das Lesen wieder schmackhaft zu machen.

Ehrlich. Im MADONNA-Talk erklärt die 40-Jährige, die gerade im sechsten Monat zum zweiten Mal schwanger ist, warum Bücher für sie so wichtig sind, inwiefern sie sich als Migrantenkind in der ­Schule wohl gefühlt hat und warum Ehemann Julian Khol die Fernsehsucht nicht auszutreiben ist.

Ihre Mission in der Clinique „Differencemaker“-Kampagne ist es, klarzumachen, wie wichtig Sprache ist, und dabei möchten Sie Kinder zum Lesen animieren. Wer war in Ihrer Kindheit Ihre liebste literarische Heldin?

Nazan Eckes: Das erste Buch, das ich im Kindesalter gelesen habe und das für mich mehr als nur Pflichtlektüre war, war „Julie von den Wölfen“. Darin geht es um die Geschichte eines kleinen Eskimo-Mädchens, das ihre Heimat verlassen muss und dann alleine unter Wölfen lebt. Das hat mich tierisch beeindruckt – die Stärke dieses Mädchens, der starke Geist. Mit diesem Buch habe ich gemerkt, wie viel Spaß ­Lesen machen kann. Und dass Lesen nicht nur das Abarbeiten eines Textes ist, sondern, dass man daraus sehr viel fürs Leben lernen kann.

Haben Sie sich deshalb dafür entschieden, Teil der Kampagne zu werden? 

Nazan Eckes: Ich finde es großartig, dass Frauen mit einer Message vorangehen und außerdem bin ich grundsätzlich für alles zu haben, was mit starken Frauen zu tun hat. Und in diesem Fall kann ich auch darüber reden, was mir Spaß macht – nämlich das Lesen.

Haben Sie als Kind türkischer Migranten jemals Diskriminierungen in der Schule erlebt?

Nazan Eckes: Ich habe immer gemerkt, wie wichtig es ist, die Landessprache perfekt zu sprechen. Und ich habe mir im Deutschunterricht immer doppelt so viel Mühe gegeben als die anderen. Diskriminierungen gab es zum Glück nicht, ich habe sehr schnell Anschluss gefunden. Ein wenig schwierig war es nur, wenn zum Beispiel Klassenfahrten unternommen wurden und ich nicht mitfahren durfte, weil mein Vater einfach strenger war. Das muss man dann den Freundinnen ­erklären. Oder wenn alle ihre Lunchbrote bekommen und man als Einzige kein Schweinefleisch essen darf. Das sind so alltägliche Dinge bei denen man merkt – wir sind anders, die sind anders. Als Kind kann das tatsächlich zum Problem werden, wenn das Elternhaus einen nicht stärkt. Es ist wichtig, Selbstbewusstsein mitzubekommen, um zu verstehen, dass man vielleicht Exotin ist, aber kein Außenseiter.

Warum ist es heute besonders wichtig, Kindern Sprache mitzugeben, auch im Hinblick auf Integration und die momen­tanen gesellschaftlichen Umwälzungen?

Nazan Eckes: Sprache ist der Schlüssel zu allem weiteren. Jeder weiß, dass derjenige, der sich in seinem Job nicht artikulieren kann, sich zur Lachnummer macht. Ohne Lesen lerne ich die Sprache nicht und ohne Sprache finde ich keinen Zugang zur Gesellschaft.

Doch wie bringt man Kinder im Zeitalter der digitalen Schnelllebigkeit zum Lesen?

Nazan Eckes: Indem man das vorlebt. In einer Familie, in der nie gelesen wird, ist es wahrscheinlich nicht besonders glaubwürdig, dem Kind zu sagen: „Du musst aber lesen.“ Ein Kind muss darauf selbst neugierig werden. Ich denke aber auch, dass man nicht zu extrem sein darf ich gehöre nicht zu den Müttern, die elektronische Geräte komplett verbieten. Laptop, iPad und Handy gehören nun mal zu unserem Leben. Fernsehen ist da auch so ein Thema, ich kenne das von meinem Mann, der durfte das als Kind nie und ist nun ein totaler TV-Junkie. Die Balance ist wichtig. Man darf nicht glauben, dass das Kind schon irgendwann lesen wird, es ist ein bewusstes Anerziehen.

Sie führen einen bilingualen Haushalt, Sie sprechen mit Lounis türkisch, Ihr Mann deutsch. Wie funktioniert das?

Nazan Eckes: Man muss konsequent sein. Und auch wenn Lounis noch nicht wirklich spricht, versteht er schon in beiden Sprachen genau, was wir von ihm wollen.

 

Was möchten Sie Ihren Kindern auf den Weg mitgeben?

Nazan Eckes: Hauptsächlich möchte ich meine Kinder zu aufgeschlossenen, selbstbewussten, aber auch toleranten Menschen erziehen. Ich wünsche mir sehr, dass sie auch das ­mitbekommen, was ich von meinen Eltern gelernt habe – und zwar mit meiner Herkunft im Reinen zu sein. Ich bin halb deutsch und halb türkisch – und ich stehe dazu. Dieser ­Hintergrund bietet mir kulturellen Reichtum. Ich hatte nie Schwierigkeiten, auf andere Menschen zuzugehen oder mich auf sie einzulassen. Wenn die anders tanzen, anders kochen, muss man einfach mitmachen – was man von anderen Menschen lernt, macht das Leben lebenswert.

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