Stern

Frau zur Rettung

Maria Stern im MADONNA-Talk

Mit einem „feministischen Akt“ – nämlich indem sie eine Entscheidung traf – habe Maria Stern die Liste Pilz gerettet, sagt sie. Die Hilfe einer Frau hat die Partei auch dringend nötig...

Es ist kein leichter Job, den ­Maria Stern sich da bereit erklärt hat zu übernehmen. Die ehemalige Mitstreiterin des Frauenvolksbegehrens soll ab Herbst Parteichefin der chaotischen Liste Pilz werden. Dafür überließ sie Parteigründer Peter Pilz den ihr zustehenden Platz im Parlament. Von den anderen Parteien ernteten sie und ihr Team dafür ­ordentlich Kritik: Dass Pilz – der sein Mandat wegen inzwischen eingestellter Ermittlungen gegen ihn wegen sexueller Belästigung nicht annahm – ausgerechnet die Frauensprecherin seiner Partei weichen muss, stößt vielen sauer auf.
 
Protest. Für Ex-Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) etwa handelt es sich um „kein frauenpolitisches Highlight“. Sie versammelte an Pilz’ erstem Tag an seinem alten Arbeitsplatz im Parlament Demonstranten, die den Ex-Grünen mit „Kein Platz für Seximsus“-Plakaten begrüßten. Bei seiner Angelobung verließen dann die weiblichen Abgeordneten aller (!) Fraktionen aus Protest den Sitzungssaal. Nur die Frauen der Liste Pilz und zwei weitere Mandatarinnen blieben sitzen.
 
Großes Vorhaben. Stern sieht die Causa im Interview mit oe24.tv entschieden anders: „Ich gehe jetzt für mich davon aus, dass die Anschuldigungen nicht stimmen.“ Sie sei zudem jemand, der dazu neige, zweite Chancen zu geben. Der Talk über ihre neue Aufgabe und wie sie die Liste Pilz wieder auf Vordermann bringen will.
 
Sie haben einen Schlusspunkt unter die chaotischen letzten Monate gesetzt: Abgang des Gründers, sein Comeback, Streit um Platz im Parlament für ihn, Theater um Frau Bißmann, die nicht geht, und zwei Klubchefs, die doppelt kassieren. Richtig zusammengefasst?
Maria Stern: Sie beschreiben da eine ­äußerst lange und schmerzhafte Geburt. Ich glaube, es ist jetzt vollzogen. Ich habe endlich die Möglichkeit gehabt, diesen Knoten, den wir hatten, zu durchschlagen und das habe ich getan durch meinen Verzicht. Natürlich will ich in den Nationalrat, aber manchmal muss man auch Umwege machen, um zum Ziel zu kommen. Wenn ich das Mandat angenommen hätte, wäre Folgendes passiert: Die Personaldebatte wäre einfach weitergegangen. Doch das Problem ist, über die Liste Pilz ist im letzten halben Jahr nur dann berichtet worden, wenn es um die Personalfrage ging. Ich weiß aber auch, dass wir sehr gute inhaltliche Arbeit leisten und hervorragende ­Referentinnen haben, die schon so frustriert sind, weil ihre Arbeit nie nach außen dringt. Nachdem ich ja schon seit der Gründungssitzung stellvertretende Parteiobfrau bin, hatte ich das Gefühl, auch für sie mitverantwortlich zu sein. Ich will endlich, dass die politische Arbeit der Liste Pilz im Mittelpunkt steht.
 
Warum wollten Sie denn Peter Pilz unbedingt zu seinem Mandat verhelfen? 
Stern: Mehr als 200.000 Menschen haben unsere Bewegung gewählt – und zwar mit Peter Pilz an der Spitze. Die wollten ihn natürlich im Parlament sehen und ich ­habe immer das Gefühl gehabt, solange er dort nicht ist, hat die Liste Pilz auch nicht wirklich eine Chance. Diese Chance möchte ich ihm und der Bewegung geben. 
 
Sie waren einmal sehr engagiert beim Frauenvolksbegehren. Ihnen muss ja jeder männliche Grapscher einen Hautausschlag verursachen, oder?
Stern: Man muss wissen, dass drei von vier Frauen in Österreich sexuell belästigt werden im Laufe ihres Lebens. Das ist kein Einzelfall, das ist eine Epidemie. Die #metoo-Debatte finde ich nach wie vor sehr wichtig. Man kann sich aber anschauen, wie unterschiedlich sie in verschiedenen Ländern abgelaufen ist: In Schweden war es so, dass Schauspielerinnen einen offenen Brief verfasst haben, in dem stand: Wir wissen, wer ihr seid und was ihr gemacht habt, aber wir nennen keine Namen. Damit sich jeder einzelne Mann in den Spiegel schauen und sich fragen muss, ob er sich immer korrekt verhalten hat. In ­Österreich ist die Debatte anders gelaufen, hat sich auf einen Menschen fokussiert und alle anderen haben sich abputzen können. Peter Pilz hat in dieser Situation die Verantwortung übernommen und gesagt, solange diese Vorwürfe nicht geklärt sind, nehme ich das Mandat nicht an. 
 
Sie sind aber nicht gerichtlich geklärt worden, muss man dazu sagen. Die Verfahren wurden eingestellt wegen Verjährung...
Stern: Mir hat er nichts getan, ich war nicht dabei und ich gehe jetzt für mich davon aus, dass die Anschuldigungen nicht stimmen. Sie können aber auch stimmen, ich weiß es eben nicht. Aber ich neige dazu, jedem Menschen eine zweite Chance zu geben. Man darf auch nicht vergessen, in welchem Kontext das passiert ist: Wir ­haben jetzt eine schwarz-blaue Regierung, die steht in jedem einzelnen Punkt für Inhalte, die ich nicht unterschreiben kann. Wir brauchen definitiv eine starke Opposition und wir wissen, dass Pilz da stark ist.
 
Wie erklären Sie sich, dass eine Partei so streitet wie im Kindergarten? 
Stern: Ich war bei diesen Prozessen nicht dabei, weil ich nicht im Klub, sondern in der Partei bin. Ich habe das von außen beobachtet und muss ganz ehrlich sagen, ich habe einen sehr starken Humor und habe es auch so betrachtet. Nur habe ich mir auch wirklich große Sorgen gemacht. Ich hatte das Gefühl, wenn ich jetzt nicht ­etwas unternehme, war’s das.  
 
Sie wissen aber schon, dass das Image Ihrer Partei derzeit im Keller ist? 
Stern: Das ist mir bewusst. Aber ich hatte schon so oft in meinem Leben Situation, die wirklich aussichtslos waren, und habe es jedes Mal wenden können. 
 
Sie sind eine Kämpferin? 
Stern: Definitiv.