Maria Köstlinger im Talk

Rückschlag

Maria Köstlinger im Talk

Ausgerechnet einen Tag, nachdem sie das zehnjährige Jubiläum seiner Genesung gefeiert hatten, traf sie die Diagnose wie ein Schlag ins Gesicht. Der tückische Krebs, den Schauspiel-Star Karlheinz Hackl (64)  2003 so tapfer besiegt hatte, ist zurück. Nun kämpft die Bühnenlegende erneut gegen ein Gehirnkarzinom. Stets an seiner Seite: seine um 23 Jahre jüngere Ehefrau Maria Köstlinger (41), Mutter einer zwölfjährigen Tochter, Schauspielerin und – vor allem – lebensmutige Kämpferin. MADONNA traf die attraktive Künstlerin und ihre Kollegin (am 18. Juni stehen die beiden zugunsten der Österreichischen Krebshilfe auf der Bühne, siehe Kasten rechts), Freundin und Trauzeugin Petra Morzé (48) zum bewegenden Interview.

Sie stehen am 18. Juni zusammen bei der Gala anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Österreichischen Krebshilfe im Burgenland auf der Bühne. Wieso ist Ihnen dieser Abend ein besonderes Anliegen?
Maria Köstlinger:
Für meinen Mann war und ist die Krebshilfe – natürlich auch im Zusammenhang mit seiner eigenen Erkrankung – eine Herzensangelegenheit. Und auch ich kann absolut aus Erfahrung sprechen, dass diese Institution eine großartige Hilfe für Betroffene, aber auch Angehörige ist. Insofern vertrete ich meinen Mann am 18. Juni sehr gerne – und werde auch in seinem Sinne über diese Krankheit und die Krebshilfe sprechen. Und: Petra und ich werden auch versuchen, die Menschen zum Lachen zu bringen, wie es mein Mann getan hätte.

Wie geht es Ihrem Mann?
kKstlinger:
Leider ist der Krebs wiedergekommen, aber es handelt sich um dieselbe Krebserkrankung wie vor zehn Jahren, die auf Medikamente und Chemotherapie sehr gut anspricht. Mein Mann ist nun mitten in Therapie – zum Teil im Krankenhaus, derzeit zu Hause – und am Wege der Besserung. Wir versuchen, jeden Tag zu meistern, was sehr schwierig ist für uns alle, aber ich versuche, so viel wie möglich im Jetzt zu leben und auch alle Nebenwirkungen, die mit so einer schwierigen Situation einhergehen, wieder zu meistern. Für meinen Mann ist das Schwierigste im Moment, Geduld zu bewahren. Zum Glück haben wir ein großes soziales Netzwerk, das uns unterstützt und Kraft gibt.

Frau Morzé, Sie sind Frau Köstlingers Trauzeugin und langjährige Freundin. Wie kann man in so einer Situation unterstützen und Kraft geben?
Petra Morzé:
Indem man sie fragt: „Wie kann ich helfen?“, versucht, gute Energie zu schicken – und zu beten. Aber es ist auch wichtig zu fragen: „Wie geht es DIR?“ Denn oft werden die Angehörigen, auf deren Schultern so viel lastet, vergessen. Ich bewundere Maria sehr, denn ihr Leben mit Kind und Beruf geht ja auch noch weiter. Aber es ist natürlich sehr schwer nachzuvollziehen, wie es ihr tatsächlich geht, weil ich so eine Situation zum Glück noch nie miterleben musste.

Frau Köstlinger, wie geht es Ihnen denn im Moment?
Köstlinger:
Auf und ab. Ich bin grundsätzlich ein positives Naturell...
Morzé: Wirklich ein sehr fröhliches Naturell!
Köstlinger: Aber ich habe schon auch meine schwierigen, schlimmen Zeiten mit schweren psychischen Niederschlägen. Aber ich habe viele Menschen und Interessen, die mir über so manches hinweg helfen. Es gibt immer wieder Tage, an denen ich überrascht bin, wie positiv ich das packe. Und dann gibt es wieder Tage, an denen ich der Verzweiflung sehr nahe und am Boden zerstört bin. Aber noch bin ich eher auf der positiven Seite.

Sie sind Mutter einer zwölfjährigen Tochter – wie gehen Sie ihrer Tochter gegenüber mit dem Thema um?
Köstlinger:
Meine Tochter ist sehr vif und man kann ihr nichts vorspielen. Insofern gehe ich sehr ehrlich und direkt damit um. Sie ist unendlich positiv, hat viel Kraft und sagt, dass das der Papa sowieso wieder schaffen wird. Sie wird recht haben. Aber es gibt natürlich auch schwierigere Phasen. Wir versuchen, sie gut aufzufangen und ihr einen normalen Kindesalltag zu ermöglichen. Mein Kindertheaterprojekt, das am 14. Juni mit dem Turrini-Stück Mein tollster Tag Premiere feiert (www.gutgebruellt.at, Anm.) und in dem auch meine Tochter mitspielt, hilft da sehr mit. Und mir hilft es auch, weil es mich ablenkt und mir Freude bereitet.  

Frau Morzé, Sie unterstützen die Österreichische Krebshilfe seit vielen Jahren. Wie präsent ist für Sie das Thema Krebs?
Morzé:
Ab einem gewissen Alter und gerade, wenn man im Umfeld Betroffene hat, beschäftigt man sich zunehmend mit dem Thema. Und es ist wichtig, sich auch damit auseinanderzusetzen, wenn man nicht unmittelbar betroffen ist. Das ist natürlich eine ganz andere Auseinandersetzung, aber eine sehr wichtige! Meine Bewunderung gilt aber vor allem Menschen, wie Karlheinz und Maria, die so stark mit dieser Krankheit umgehen. Das berührt mich sehr und es ehrt mich, wenn ich die Krebshilfe unterstützen kann.

Karlheinz Hackl hat nach seiner Genesung vor zehn Jahren gesagt, dass ihn der Krebs sehr verändert hat. Wie haben Sie das erlebt, Frau Köstlinger?
Köstlinger:
Seine Veränderung hatte positive und negative Aspekte: Zum einen hat es etwas Schönes, das kindlich Hemmungslose wieder zu erlangen, aber zum anderen, damit umzugehen, ist für das Umfeld nicht immer einfach...  da gab es schon Diskussionen.
Morzé: Es ist eine unglaubliche Stärke, die Maria seit zehn Jahren beweist. Viele Beziehungen zerbrechen auch daran, wenn ein Partner erkrankt.
Köstlinger: Ich würde aber auch jene, wo das so ist, nicht verurteilen. Denn natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen man daran denkt, dass man 41 ist, auch einmal auf sich schauen sollte und am liebsten davonlaufen würde.

Es gibt die Theorie, dass Menschen nur so viel auferlegt bekommen, wie sie ertragen können. Glauben Sie daran?
Köstlinger:
Manchmal frage ich mich schon, was ich da alles bewältigen muss. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es so.

Hadern Sie manchmal mit Ihrem Schicksal?
Köstlinger:
Ja, aber dann packe ich mich wieder beim Schopf und denke daran, welch schönes Geschenk ich mit meiner Tochter bekommen habe, die mich überglücklich macht – dann weiß ich, dass ich mit nichts in meinem Leben hadern darf.

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