Jetzt spricht Edwards Verlobte

Lindsay Mills: Snowdens schönstes Opfer

Ich weiß nicht, was passieren wird. Ich weiß nicht, wie ich mich normal fühlen sollte. Meine Welt ist urplötzlich zusammengebrochen. Ich wurde am Meer ausgesetzt, ohne Kompass… Alles was ich jetzt fühle, ist Einsamkeit.“ Diese Worte stellte Lindsay Mills (28) kurz nach der Flucht ihres Verlobten, „Whistleblower“ Edward Snowden (29), ins Netz. In jenes System, dass laut Snowden – wie alle anderen Kommunikationsmittel – straff vom geheimsten US-Geheimdienst NSA (National Security Agency) überwacht wird. Welche Ausmaße die Bespitzelungen annehmen, weiß auch Mills wohl erst seit der großen Enthüllung vom 6. Juni. Dabei geht es um die Existenz eines Spähprogramms namens PRISM, mit dem die NSA direkt auf Server großer Internetkonzerne wie Google, Facebook, Yahoo, Microsoft und Apple zugreifen kann.

Eine Nacht stellte ihr Leben auf den Kopf.
Seit 2009 (so die britische Tageszeitung Guardian) waren Snowden und Mills ein Paar – lebten in Baltimore (USA). Als Snowden letztes Jahr den Job als technischer Mitarbeiter (Jahresgehalt 122.000 Dollar) bei der NSA in Hawaii annahm, zogen sie auf die Insel, mieteten ein Grundstück, führten „ein langweiliges Leben“, so Mills. Langweilig, bis zu jener Nacht-und-Nebel-Aktion, als Snowden das gemeinsame Zuhause in Hawaii mit den knappen Worten, er müsse schnell nach Hongkong, verließ. Den Rest erfuhr Lindsay, eine Pole-Tänzerin, erst Wochen später durch die Medien. Lindsay schickte via Blog die Worte: „Manchmal erlaubt das Leben keine angemessene Verabschiedung.“ Ihr Blog mit dem „Abenteuer einer weltreisenden, poletanzenden Superheldin“ ist vermutlich das einzige Medium, um mit ihrem Verlobten zu kommunizieren. Vor wenigen Tagen wurde er abgeschaltet, weil er wohl zu viel Infos über das gemeinsame Leben der beiden beinhaltete: gemeinsame Fotos und Videos von Ausflügen und Urlauben, u. a. von einem Trip nach Hongkong, Mills beim Pole-Dancing und Auftritten ihres Ensembles „Waikiki Acrobatic Troupe“.

Achterbahn!
So richtig glücklich schien sie ihr Leben auf Hawaii aber nicht gemacht zu haben. Zwischen Kussfotos postete Mills nachdenkliche Einträge. Am 30. Juli 2012 schrieb sie: „Für die, die es vergessen haben, ich bin nach Hawaii gezogen, um meine Beziehung mit E. fortsetzen zu können. Es war ein ziemliches Auf und Ab, eine emotionale Achterbahn, seit ich aus dem Flugzeug gestiegen bin.“
Vor drei Monaten zeichnete sich ab, dass Snowden und Mills Hawaii verlassen würden. „Wir haben erfahren, dass wir bis zum 1. Mai aus unserem Haus ausziehen müssen“, schrieb sie am 15. März. „E. wechselt den Job. Und ich bereite einen Mini-Trip zurück in den Osten vor.“ Im März hatte Snowden bei Booz Allen Hamilton angefangen, einer Beratungsfirma, die für die NSA tätig ist. Zuvor hatte der IT-Spezialist bereits für die CIA gearbeitet. Auf Hawaii bleiben sollte er offenbar nicht. „Soll ich mit E. gehen oder allein in die Antarktis?“, schrieb Mills.

Sie befindet sich auf Hawaii
Jetzt ist sie immer noch auf Hawaii, allein gelassen mit der Ungewissheit, ob sie ihr „langweiliges Leben“, ihren Verlobten je wieder haben wird. Kryptisch und etwas beängstigend ihr letzter Blogeintrag: „Während ich dies auf meiner mit Tränen beschmierten Tastatur tippe, denke ich an all die Gesichter, die meinen Weg beehrt haben. Die, mit denen ich gelacht habe. Die, die ich in den Armen gehalten habe. Die, die ich gelernt habe am stärksten zu lieben. Und die, denen ich nie Adieu sagen konnte.“

Es bleibt zu wünschen, dass es doch noch zu einem Happy End kommt, zumindest zu der ersehnten „richtigen“ Verabschiedung. Vielleicht sogar in Österreich, wo Snowden bereits Asyl beantragt hat…

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