02. August 2013 13:55
Baby, lass uns dran arbeiten!
Liebe am Arbeitsplatz
Singles aufgepasst! Der Partner fürs Leben sitzt oft im Büro nebenan. Warum es im Job so rasch funkt und wie die Liebe den Arbeitsalltag übersteht. Eine Expertin verrät’s. 
Liebe am Arbeitsplatz
© ORF, Getty

Zuerst war da ein intensives Gespräch über den nächsten Arbeitstag, dann zärtliche Berührungen bei einigen Szenen und schließlich das aufregende gemeinsame Training am Schießstand. Dort hat es dann gefunkt. Seit den Dreharbeiten zu Mr. & Mrs. Smith 2005 sind Angelina Jolie und Brad Pitt das berühmteste Liebespaar der jüngeren Filmgeschichte. Aber nicht nur in der Schauspielerei, in fast allen Branchen knistert es heftig. Das sieht man nicht nur an den vielen prominenten Paaren, wie Jennifer Lopez und Tänzer Casper Smart oder den Tennisstars Andre Agassi und Steffi Graf, das belegt auch eine brandneue Studie.


Arbeit als Aphrodisiakum
Das Büro gilt laut jüngster US-Studie als zweitgrößte „Partnerbörse“ nach Online-Singleportalen. Die Berliner Diplompsychologin Wiebke Neberich (35),
wissenschaftliche Mitarbeiterin der Partnervermittlung eDarling, ging dem Phänomen auf den Grund und startete im deutschsprachigen Raum eine Umfrage zum Thema „Leben, Liebe, Lust & Job“. „67 Prozent der Befragten“, so Neberich, „haben angegeben, schon einmal mit einem Kollegen geflirtet zu haben und über die Hälfte war sogar schon einmal in einen verliebt. 35 Prozent hatten auch schon eine Beziehung zu einem Kollegen.“ Neberich ist seit etwa zwei Jahren mit dem CEO von eDarling (siehe Interview) liiert. Klick gemacht hat es – wie sollte es anders sein – im Büro. „Die Attraktion entwickelte sich für mich im Laufe des Zusammenarbeitens. Wir verbringen den Großteil unseres Tages mit unseren Kollegen. Das Kennenlernen fällt leichter, man muss sich keine Anmachsprüche überlegen, kann schnell herausfinden, ob der Kollege Single ist, und sich unverfänglich zum Lunch verabreden.

Dazu kommt ein gesellschaftlicher Trend, der das Ganze zusätzlich begünstigt. Viele arbeiten heute nicht mehr nur, um ihr täglich Brot zu verdienen, sondern, um sich zu verwirklichen. Das, was wir machen, machen wir gerne und sehen darin eine Berufung. Wenn man diesen Aspekt dann mit jemandem teilt, ist das schon eine gute Voraussetzung für eine Partnerschaft.“ Denn, laut Neberich gilt: „Unter den Erfolgsfaktoren für langfristige Stabilität und Zufriedenheit in der Liebe ist die Ähnlichkeit in Einstellung und Interessen sowie in der Persönlichkeitsstruktur. Nach dem Prinzip: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Und eher weniger nach dem Motto: Gegensätze ziehen sich an. Denn, was am Anfang einer Beziehung interessant und erfrischend erscheint – nämlich Gegensätze in der Persönlichkeit, Interessen und Einstellungen –, kann sich auf lange Sicht als Beziehungskiller herausstellen.“
Gemeinsamkeiten entdeckt man bei einer 40-Stunden-Woche viele. Damit die Liebe den Arbeitsalltag auch übersteht, gibt Neberich Tipps für eine perfekte Balance und verrät, was man im Office darf und wovon man lieber die Finger lassen sollte. Der Work-Love-Knigge:


Bitte langsam
Es ist ratsam, sich gut zu überlegen, ob sich das Risiko lohnt, eine Beziehung mit einem Kollegen einzugehen. Worst-Case-Szenario besteht darin, die Abteilung/Firma wechseln zu wollen, da man den täglichen Umgang nicht ertragen kann.
 

Karten auf den Tisch
Wenn sich etwas Ernstes entwickelt, machen Sie Ihre Liebe baldmöglichst offiziell. Eine kurze, sachliche Information an die Kollegen ist ratsam, bevor dies jemand anderer für Sie übernimmt (getuschelt wird gerne!). Zudem sollten Sie Ihren Chef informieren.

Sind Beziehungen erlaubt?

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber hat keinerlei Einfluss darauf, was der Arbeitnehmer in seiner Freizeit/seinem privaten Umfeld tut oder mit wem er eine Beziehung eingeht oder nicht. Der Arbeitgeber darf unter keinen Umständen Mitarbeiter allein aus dem Grunde kündigen, weil sie eine Beziehung miteinander führen. Außer es liegt eine Beeinträchtigung der Arbeitsleistung vor oder die Außenwirkung des Unternehmens ist negativ betroffen. Pausen gelten übrigens nicht als Arbeitszeit.

Professionell bleiben!

Küssen, Kosenamen oder Umarmungen sind tabu!

Loyal bleiben!
Keine Beziehungsdetails mit anderen Kollegen teilen oder gar über den Partner klagen. Loyalität und Diskretion sind angesagt!

Fair bleiben!
Keine internen Witze oder Bemerkungen untereinander machen, sich nicht als separates Team zeigen, das andere ausgrenzt.

Abstand halten
Auch mal ohne den Partner die Mittagspause mit Kollegen verbringen. So werden Sie weiterhin als unabhängige Person wahrgenommen und nicht nur als Teil des „Büro-Paares“.

Konflikte austragen lernen
Es ist wichtig, Unstimmigkeiten mit dem Partner direkt (innerhalb von 24 Stunden ansprechen) auszuräumen. Man kann sich wegen Schmollerei nicht einfach Urlaub nehmen.

Arbeit und Freizeit trennen
Respektieren Sie, wenn der Partner am Abend nicht mehr über die Arbeit sprechen möchte. Man kann auch eine zeitliche Grenze definieren. „Reden wir 15 Minuten über den Job.“ Hilfreich kann es sein, die Regel aufzustellen, in der Freizeit nicht über die Arbeit zu sprechen. So erfährt die Beziehung einen Schutzraum, in dem man entspannen kann.

Wer ist der Chef?
Falls das Machtverhältnis im Job nicht egalitär ist (Beziehung Chef–Mitarbeiter), kann es hilfreich sein, sich die unterschiedlichen Rollenanforderungen immer wieder bewusst zu machen. Sprich: Privat steht man auf einer Ebene, beruflich hat der Chef das letzte Wort.