Leben am Limit

Anna Fenninger im Gespräch

Leben am Limit

Anna Fenninger ist ein Kopfmensch – ruhig, konzentriert, eine Beobachterin. Mit ihren 24 Jahren ist sie eine beeindruckende Persönlichkeit, die es vermag, ihr Gegenüber sofort in den Bann zu ziehen. Nicht die großen, sportlichen Siege (Fenninger gewann heuer Olympia-Gold & -Silber, den Gesamtweltcup und den Riesenslalom-Weltcup) hätten sie geprägt. Es sind die Tiefen, schwere Schicksalsschläge, wie der Verlust des besten Freundes, die Lehrmeister und Motor sind. In einem ihrer seltenen privaten Interviews gibt der Ski-Superstar Einblick in sein (Seelen)-Leben und spricht über die Liebe zu Ex-Snowboarder Manuel Veith.  
 
Was hat sich seit Ihren zwei Olympia-Medaillen und Ihrem Gesamtweltcup-Sieg letzte Saison verändert?
Anna Fenninger:
Es hat sich schon einiges verändert, aber ich empfinde es als nicht allzu gravierend. Natürlich erkennen mich viel mehr Leute als vorher, allerdings bleiben wir Wintersportler – aufgrund unserer Helme, die wir ja immer tragen – noch unerkannter als andere Sportler. Insofern kann ich mich schon noch frei bewegen. Wie ich mir grundsätzlich Mühe gebe, die Normalität aufrechtzuerhalten.

Wenn Sie nicht gerade Trainieren oder Rennen fahren, liegen Ihre Leidenschaften worin?
Fenninger
: Meine Familie ist mir sehr wichtig, für die ich im Winter leider kaum Zeit habe. Deshalb versuche ich, außerhalb der Saison so viel wie möglich mit meinen Eltern und meinen Brüdern zu unternehmen. Ich fahre außerdem noch sehr, sehr gerne Motorrad!

Das ist erlaubt?
Fenninger:
Es ist mein eigenes Risiko. Verletzen kann ich mich auch beim Skifahren oder beim Stiegensteigen.

Große Sportler wie Hermann Maier, der einst einen schweren Motorradunfall hatte, sind Grenzgänger. Sie auch?
Fenninger:
Ja, ich denke, das ist schon ein wenig im Blut. Im Winter ist man beim Skifahren die ganze Zeit am Limit. Im Sommer fehlt mir das. Ich finde es interessant, verschiedene Arten von Grenzen auszuloten. Beim Rennlaufen habe ich meistens so viel Energie in mir, dass ich das Gefühl habe gleich zu explodieren.  

Was war das Gefährlichste, das Sie je gemacht haben?
Fenninger:
Ich versuche mich natürlich immer in einem sicheren Bereich zu bewegen, beim Rennfahren tastet man sich an seine Grenzen heran – mit Bedacht. Eines der spannendsten Erlebnisse war meine Reise zu Geparden nach Namibia – für mein Charity-Projekt Cheetah Conservation Fund (anna-fenninger.at).

Wenn Sie einen Frauenpreis vergeben würden, wen würden Sie ehren?
Fenninger:
Natürlich meine Mutter! Sie hat mich mein Leben lang so wunderbar unterstützt – mich begleitet. Ihre Lebensgeschichte ist keine einfache. Und trotzdem versucht sie immer das Gute in allem zu sehen, sie ist so ein wunderbar positiver Mensch. Sie ist mein großes Vorbild, vor allem was den Umgang mit Höhen und Tiefen betrifft.

Welche Tiefen musste Sie in Ihrem Leben überwinden?
Fenninger:
Ein sehr schwerer Rückschlag ist passiert, als ich elf Jahre alt war. Ich verlor meinen besten Freund, er war 13 Jahre alt, beim Kaprun-Unglück. Das war ganz ein schwieriger Weg, wo natürlich meine Mutter auch sehr wichtig für mich war. Sportliche Rückschläge sind mit solch schweren privaten Schicksalsschlägen in keinster Weise zu vergleichen. Da lernte ich früh, zu relativieren. Ich glaube, dass gerade die Tiefen mich gelehrt haben, wie ich meine Ziele erreichen kann. In familiären Bereichen ist es genauso wichtig zu lernen, wie in den sportlichen.

Apropos Erfolge. Sie haben nach Ihrem Olympia-Sieg über die Unterstützung Ihres Freundes, Ex-Snowboarder, Manuel Veith gesprochen. Was macht ihn zum Erfolgsfaktor?
Fenninger:
Er hat seinen Sport genauso geliebt, wie ich meinen. Er versteht mich und kann mich zu 100 Prozent unterstützen. In seiner Nähe fühle ich mich sehr wohl. Er ist ein Mensch, der immer weiß, wie es mir geht. Ich kann mit ihm offen und ehrlich über meine Gefühle sprechen und er zieht mich immer in die richtige Richtung. Ich denke, dass das unheimlich wichtig ist, dass die Beziehung mit dem Partner genau so sein sollte. Er hat letztes Jahr seine Karriere beendet, akzeptiert und versteht es, wenn ich von 365 Tagen nur 60 zu Hause bin.

Am Zenit angelangt! Welche Ziele steckten Sie sich noch?  
Fenninger
: Ich habe eine Saison hinter mir, die man kaum toppen kann. Das macht nachdenklich. Im kommenden Jahr gibt es das große Ziel WM. Generell will man, wenn man den Gesamtweltcup und Medaillen bei Olympia gewonnen hat, einfach weiter gewinnen!

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