Fernanda Brandao im Talk

"Ich bin WM-bekloppt!‘

02.05.2014

Fußball wird bei Fernanda Brandao großgeschrieben. Ab 12. Juni gibt sie uns bei der WM einen Einblick in ihre Heimat Brasilien. Der Talk.

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© Chris Singer
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Wer behauptet, Frauen hätten mit Fußball nichts am Hut, hat die Rechnung ohne Fernanda Brandao (30) gemacht. Denn dass der brasilianische Wirbelwind mit seiner Mannschaft bloß mitfiebert, wäre eine handfeste Untertreibung. „Einmal habe ich meinen Job als Unterhalterin bei einem Spiel gekündigt, weil Brasilien drei zu null hinten lag. Da war die Unterhaltung für mich eben beendet“, verrät die Entertainerin im MADONNA-Interview. Ab 12. Juni ist die TV-Beauty dann für die ARD als Reporterin bei der Fußball-WM in Brasilien unterwegs.

Der WM-Talk. Beim großen Beach-Wear-Shooting sprach Fernanda mit uns über ihre brasilianischen Wurzeln, ihre Fußball-Leidenschaft und auch über die aktuellen, leider traurigen, Geschehnisse in ihrer ehemaligen Heimat und warum sie so stolz auf ihre Landsleute ist.

Sie sind bei der WM 2014 in Brasilien als Reporterin für die ARD unterwegs. Was wird Ihre Aufgabe sein?
Fernanda Brandao:
Ich bin als Expertin für Land und Leute unterwegs und erkläre den europäischen Zuschauern vorm Bildschirm den Lifestyle und das Verhalten der Brasilianer. Ich möchte ihnen Dinge zeigen, die sie sonst nicht zu sehen kriegen – auch nicht, wenn sie eine Reise nach Brasilien machen. Etwa Public Viewing in den Favelas oder ein ganz normaler Sonntagnachmittag bei einer brasilianischen Familie. Auch interessant: Wie verhalten sich Touristen aus anderen Nationen dort? Und: Kann man als Koreaner gut feiern in Brasilien?


Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Brandao
: Das Ganze war mein Wunsch! Brasilien ist wahnsinnig vielfältig und es gibt so viel mehr zu erzählen als Fußball, Samba und Grün-Gelb. Obwohl das natürlich auch sehr zu uns gehört. Ich hoffe, den Leuten nur einen kleinen Teil davon näher bringen zu können. Außerdem kann ich so gleich noch eine Woche in Brasilien dranhängen und meine ganze Familie besuchen.


Sind Sie selbst auch ein großer Fußball-Fan?
Brandao:
Ich mag Fußball und war in letzter Zeit auch ein paar Mal im Stadion. Bundesliga sehe ich mir nicht unbedingt an, aber ich freue mich schon seit Jahren darauf, die WM in Brasilien zu erleben. Dass ich nun als Reporterin ein Teil davon sein kann, ist ein Riesengeschenk für mich. Mein Panini-Album ist auch schon fast voll. Ich habe sogar ein Zweites, weil ich so viele Sticker doppelt habe. Ich glaube, ich lege mir noch ein Drittes zu (lacht). Ich bin regelrecht WM-bekloppt. Einmal habe ich sogar schon meinen Job gekündigt, weil Brasilien verloren hat.


Wieso denn das?
Brandao
: Wir haben auf einer Bühne getanzt und dienten der Unterhaltung. Als wir in der zweiten Halbzeit drei zu null hinten lagen und es keine Hoffnung mehr gab, war die Unterhaltung für mich eben beendet. Mit Tränen in den Augen habe ich mein Trikot eingerollt und bin nach Hause gefahren (lacht). Ich nehme das also wirklich sehr ernst.


Wie geht es Ihnen, wenn Sie von den Unruhen lesen, die es zurzeit in Brasilien gibt?
Brandao:
Gut! Weil ich stolz bin, dass endlich mal eine Reaktion des Volkes kommt. Die Leute nehmen die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich nicht länger hin. Die soziale Verteilung in Brasilien ist wahnsinnig ungerecht – das war sie schon immer. Schon als ich damals nach Europa gekommen bin. Wir lesen immer von dem wirtschaftlichen Aufschwung und von Brasilien als Land der Zukunft. Doch die Menschen dort haben nichts von alldem. Die Tickets für Stadienplätze etwa sind teuer, und dadurch fühlen sich die Leute auch noch ausgeschlossen von dem eigenen Event. Das ist natürlich kein schönes Gefühl.

Und das gerade in einem Land, wo die Menschen so enorm fußballbegeistert sind…
Brandao:
Vor allem ist für die Leute unverständlich, warum man etwa ein Fußballstadion in einem Bundesstaat baut, der noch nicht einmal eine Fußballmannschaft hat. Das wird dann nach der WM einfach unbenutzt dastehen, obwohl so viele Krankenhäuser und Schulen Hilfe bräuchten.


Was erhoffen Sie sich von den Protesten?
Brandao:
Ich bin sehr gespannt und glaube nicht, dass die Proteste aufhören werden. Ich hoffe, dass die Brasilianer inzwischen genügend Zeit hatten, sich besser zu organisieren und vielleicht sogar künftig mit klaren Zielen und Forderungen auf die Straßen gehen. Als das alles angefangen hat, gab es so viele Gründe zu demonstrieren, dass man manchmal gar nicht mehr wusste, wofür man sich gerade einsetzt. Ich hoffe einfach, dass die Menschen wirklich etwas bewegen können und dass es nach der WM nicht wieder still um ihre Anliegen wird. So wie das ja in anderen Ländern mit ähnlichen Situationen oft der Fall war. Zumindest sind die Brasilianer laut, das haben sie inzwischen bewiesen (lacht).


Fühlen Sie persönlich sich eigentlich mehr als Deutsche oder doch als Brasilianerin?
Brandao:
Mein Herz und mein Temperament sind sehr brasilianisch. Doch mein Geist und meine Gedanken sehr deutsch. Gerade was die Arbeit angeht, habe ich absolut nichts Brasilianisches an mir.

Und wem werden Sie die Daumen halten, falls Deutschland gegen Brasilien spielt?
Brandao:
Ich hoffe, dann kann ich meine Gesichtszüge kontrollieren. Gönnen tue ich es natürlich beiden. Ich werde auf beiden Seiten jubeln und vor allem traurig sein, wenn sie rausfliegen. Es ist eben schwer, wenn man zwei Heimatländer hat, da fühlt man sich hin und her gerissen. Doch wenn alle Stricke reißen, halte ich ganz einfach zu den Schweizern. Die haben nämlich super­hübsche Spieler. Das hat mir mein Panini-Album verraten (lacht).

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