Ferien! Was nun?

Schulschluss

Ferien! Was nun?

Am kommenden Freitag, 28. Juni, läuten in Wien, Niederösterreich und Burgenland zum letzten Mal für neun Wochen die Schulglocken. Eine Woche später starten in den restlichen Bundesländern die großen Sommerferien. Während die Kids der schulfreien Zeit entgegenfiebern, raufen sich schon so manche Eltern die Haare. Immerhin sind neun Wochen eine lange Zeit, in der es gilt, den Kindern Urlaub, Erholung, aber auch Aktivitäten und Abwechslung zu bieten. Eine Herausforderung, vor allem für Familien, in denen sowohl Mutter, als auch Vater Vollzeit berufstätig sind. „Man möchte den Kindern natürlich etwas bieten und Zeit mit ihnen verbringen“, weiß Bettina Herold, Büroangestellte und Mutter von drei Kindern. „Aber mehr als drei Wochen Urlaub sind in meinem Job nicht drin.“ Weshalb die 41-Jährige, so wie die meisten Mütter, auf ein ausgeklügeltes Management, in das Verwandte und Freunde als Kinderbetreuer integriert sind, zurückgreifen müssen. MADONNA hat inspirierende Tipps und Tricks von erfahrenen Eltern zur sinnvollen Gestaltung der Schulferien für Sie zusammengefasst.


Gestalten Sie den Urlaub Ihrer Kinder aktiv!
Kinder möchten in der Freizeit aktiv sein.  Nutzen Sie diesen Umstand und animieren Sie die Kinder dazu, bei diversen betreuten Aktivitäten mitzumachen, anstatt zu Hause vor dem Computer oder dem Fernseher zu sitzen. Von Ausflügen über Museumsbesuche bis hin zu Workshops – erkundigen Sie sich über die Angebote in Ihrer Umgebung (z. B. www.ferienspiele.at, www.wienxtra.at) und fixieren Sie gleich mit Ihren Kindern Termine!
 


Urlaub mit anderen Kids.
Reiten, Segeln, Tennis, Sprachen... Die Ferien bieten die Möglichkeit, spielerisch und völlig ohne Schulstress zu lernen. Unzählige Feriencamps (z. B. www.feriencamps.at, www.ferien4kids.at, www.camps.at) verkürzen die Sommerferien auf sinnvolle Art. Achten Sie jedoch darauf, dass Ihre Kinder alt genug und auch bereit dazu sind, mehrere Tage oder Wochen ohne ihre Eltern und ohne Heimweh zu verbringen! Sollte es für Buchungen bereits zu spät sein: die nächsten Ferien kommen bestimmt!  

Nutzen Sie den Patchwork-Vorteil.
Gerade in den Ferien kann es von Vorteil sein, eine Patchwork-Familie zu haben.  Vereinbaren Sie mit Ihrem Ex-Mann fixe Zeiten, in denen er mit den Kindern etwas unternimmt oder mit ihnen auf Urlaub fährt. Zwei Wochen mit Mama, zwei mit Papa – und schon ist ein toller Ferienmonat um!

RTL-Supernanny und Autorin Katharina Saalfrank 1/5
Wir stehen kurz vor den Ferien – wie sollte diese Zeit von Familien genutzt werden? 
katharina saalfrank: Grundsätzlich steht die Schule sehr im Mittelpunkt des Lebens von Familien und es ist gut, wenn die Ferienzeit auch zu einer Zeit des unbelasteten Miteinanders werden kann. Zeit, wo man Erinnerungen schafft, wo Familien etwas gemeinsam machen und ihre Beziehungen zueinander stärken können.  

Sind neun Wochen Ferien zu lange?
Saalfrank:
Eine Bewertung wie „zu lange“ oder „zu kurz“ steht ja immer im Verhältnis zu etwas! Grundsätzlich sind Pausen wichtig, um Kraft zu schöpfen, durchzuatmen und wieder neu anzusetzen. Für berufstätige Eltern sind diese Zeiten wichtig, aber auch für Kinder. Sie verbringen immer mehr Zeit in öffentlichen Einrichtungen. Einerseits ist es gut, dass wir diese Möglichkeiten zur Betreuung geschaffen haben. Andererseits steht aus meiner Sicht der Beziehungsaspekt bei der Betreuung nicht genügend im Vordergrund. Ob Kita oder Schule, Kinder brauchen sichere, stabile Beziehungen, um sich gut zu entwickeln und wenn in den Einrichtungen zu wenig Zeit und zu wenig gut ausgebildetes Fachpersonal zur Verfügung steht, kann das fatale Folgen für Kinder haben.

Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass so viele Kinder unter Lernschwächen leiden?
Saalfrank:
Ich bin mir gar nicht sicher, dass so viele Kinder unter einer „Lernschwäche“ leiden. Wir Erwachsene nehmen das erst mal so wahr! Dabei haben wir dazu beigetragen, dass sich dieses Bild so ergibt, denn wir haben zahlreiche Messinstrumente, Tabellen, Kurven und Beobachtungsbögen eingeführt. Dadurch hat sich unser Blick auf das, was „normal“ und entwicklungsgerecht sein soll, automatisch enorm verengt. So sind wir auf der Suche nach Schablonen- und Musterkindern, anstatt die Entwicklungsvielfalt und individuellen Potenziale von Menschen zu sehen. Es hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass jedes Kind sich auf die gleiche Weise und im gleichen Tempo entwickeln soll. So gibt es für alles heutzutage eben sehr schnell die Nachhilfe, wenn das Kind nicht unsere Ansprüche erfüllt.

In Ihrem Buch fordern Sie von Eltern BEziehung statt ERziehung. Was sind die häufigsten Fehler von Eltern?
Saalfrank:
Ich werde das oft gefragt und störe mich an der Frage nach dem Defizitären. Außerdem wird Erziehung immer von Adjektiven wie „falsch“ und „richtig“, „gut“ oder „schlecht“ begleitet. Das kommt aus diesem Modell heraus, wo suggeriert wird, dass es ein „richtig“ und ein „falsch“ gibt. In der Beziehung zu unseren Kindern gibt es das nicht – wir machen Erfahrungen, die uns prägen und dazu führen, dass wir beim nächsten Mal genau das Gleiche wieder tun oder es auch anders probieren. Hier ist der Weg das Ziel. Oft merken Eltern nicht, dass sie nicht die Botschaft an die Kinder senden, die sie eigentlich senden wollen. Für Kinder ist entscheidend, was bei ihnen zwischen den Zeilen ankommt und nicht, was Eltern senden wollten.

In welchen Situationen sind Sie als vierfache Mutter „verzweifelt“?
Saalfrank:
Verzweifelt bin ich nicht. Manchmal merke ich, dass ich etwas nicht gut gemacht habe. Dann spreche ich mit meiner Familie und versuche, es das nächste Mal anders zu machen. Das ist das Schöne an Beziehung. Man darf es noch mal anders probieren und kann aus einer scheinbar „schlechten“ Erfahrung eine gute machen.
 


Zeit für ein schönes Miteinander.
Aktivitäten sind wichtig für Kinder, aber auch gewisse Ruhephasen sollten eingeplant werden. „Es sollte von Eltern nicht vergessen werden, dass die Ferienzeit auch zu einer Zeit des unbelasteten Miteinanders werden kann. Zeit, wo man Erinnerungen schafft, wo Familien etwas gemeinsam machen und ihre Beziehungen zueinander stärken können!“, erklärt Diplom-Pädagogin und RTL-„Supernanny“ Katharina Saalfrank (siehe Kasten links).   Verbringen Sie also auch abseits gemeinsamer Reisen Zeit mit Ihren Kindern. Manche Arbeitgeber gewähren in den Ferien auch flexiblere Arbeitszeiten oder Teleworking.  


Der Herbst kommt bestimmt.
Neun Wochen Ferien sind lange – und lassen so manchen Schulstoff leicht vergessen. Beginnen Sie gegen Ende des Sommers, mit Ihren Kindern ein wenig zu üben, sodass sie sich auf den Schulstart einstellen können. Viele Kinder müssen in den Ferien ohnehin Nachhilfeunterricht in Anspruch nehmen. Vergessen Sie dabei jedoch nicht, Ihren Kindern ungezwungene Freizeit einzuräumen – immerhin sollten die Sommerferien doch die schönste Zeit im Jahr sein!   

Diashow Ferien! Was nun?

Ferien! Was nun?

Action! Die MADONNA-Artdirektorin hat für ihre Tochter Sina (10) ein einwöchiges Segelcamp und für ihren Sohn Jannis (7)ein Tenniscamp in Wien gebucht. „Schließlich wollen Kinder in diesem Alter in den Ferien Action. Mir ist wichtig, dass sie gut betreut werden“, so die Karriere-Mum, die sich im Sommer deshalb drei Wochen Urlaub nimmt. „Danach fahren sie zu ihren Großeltern nach Deutschland.“ Was Edda Lackinger zudem wichtig ist: „Dass die Kinder zwischendurch auch ein bisschen üben für die Schule, sonst sind sie im Herbst völlig draußen. Denn neun Wochen sind schon sehr lange!“

Ferien! Was nun?

Ferien als Auszeit. „Zum Glück ist meine Tochter eine Vorzugsschülerin, deshalb kann sie in den Ferien richtig relaxen“, erzählt Sieglinde Mitter stolz. Die meiste Zeit verbringt der hübsche Teenager zu Hause im Garten mit Pool. „Da hat Anna mit ihren Freundinnen Spaß. Die letzte Ferienwoche fahren wir dann nach Rom“, so die 46-jährige Bankangestellte, die zugibt: „Neun Wochen sind schon lange. Als meine Tochter noch klein war, haben mein Mann und ich abwechselnd Urlaub genommen, damit wir circa fünf Wochen abdecken konnten. Die restliche Zeit hat uns die Oma geholfen.“

Ferien! Was nun?

Dank Teleworkings flexibel. „Für berufstätige Mütter wie mich ist es schwierig, die lange Ferienzeit zu überbrücken“, erklärt die zweifache Mutter (Gioia, 7, Dario, 10). Die Tirolerin war mit ihrer Familie früher alljährlich in Italien. „Inzwischen sind die Hotels dort nicht mehr kindergerecht. Sie dürfen dort nicht planschen oder spielen – da wird ihnen natürlich schnell langweilig.“ Weshalb die Familie heuer auf einen Spontan-Aktivurlaub in Velden setzt. „Meine Tochter fährt weiters eine Woche auf ein Reitcamp, eventuell auch mit ihrem Bruder auf ein Tenniscamp. Die restliche Zeit gehen die beiden ins Strandbad bei uns in Baden“, so die Angestellte bei der Firma Frequentis, die das Glück hat, flexible Arbeitszeiten zu haben. „Zusätzlich kann ich jederzeit von zu Hause teleworken. Das gibt mir noch mehr Freiraum und Flexibilität, um die Sommerbetreuung meiner Kinder zu organisieren. Anders wäre das nicht machbar.“

Ferien! Was nun?

Ferienmanagement Für die dreifache Mutter (Sophie, 8, Kristina, 16, Nicolas, 19) erfordern die neun Wochen Schulferien ein ausgeklügeltes Urlaubsmanagement. „Unsere Jüngste kann mit ihrer Oma nach Griechenland fahren – wir kommen dann nach. Eine weitere Woche fährt sie mit ihrem Papa weg. Die restliche Zeit lösen wir mit Oma und großer Schwester als Babysitter“, erklärt die Büroangestellte. „Als die Kinder noch kleiner waren, waren die Ferien noch schwieriger zu managen.“ Dennoch hält Bettina Herold die Ferien für eine wichtige Zeit für die Kids zum Relaxen.

Ferien! Was nun?

Sommerlektüre für Eltern: „Du bist ok, so wie du bist Das Ende der Erziehung“ von Katharina Saalfrank (Kiepenheuer & Witsch,
19,60 Euro).

1 / 5

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden