Domina aus Leidenschaft

36-jährige Wienerin Vanessa Newton ist:

Domina aus Leidenschaft

Grausame Wahrheit. Vanessa Newton demütigt und schlägt Männer – aus Lust. Interview mit einer Vollblut-Domina.

Ja!“, schnaubt sie ins Telefon. Ihre Stimme klingt laut, kompromisslos, bestimmt. Eine „Berufskrankheit“, könnte man sagen, denn Vanessa Newton (36) ist Domina.  „Aus Leidenschaft“, wie sie selbst sagt. Dass sie viele Jahre lang viel Geld mit ihrer Obsession, Männer zu demütigen und zu schlagen, verdiente, sei ein angenehmer Nebeneffekt, so die Wienerin, die in ihrer soeben erschienen Autobiografie Schlimmer geht’s immer grausame Einblicke in die Welt der Schmerzenslust gewährt. Im MADONNA-Interview spricht die Lacklady über ihr brutales Erfolgsgeheimnis, ihr Klientel aus besten Kreisen und über Liebesbeziehungen, in denen sie auch mal Watschen austeilt...

In Ihrem Buch erzählen Sie, dass Sie bereits mit 14 Jahren als Fetischmodell arbeiteten – wie kam es dazu?
Vanessa Newton:
Ich komme aus einem eher konservativen Elternhaus. Bis zu meinem 13. Lebensjahr war ich absolut schüchtern. Ich weiß nicht, wie es genau kam, aber von einen Tag auf den anderen war plötzlich alles anders. Ich liebte sexy Outfits und merkte, dass ich anders bin als die anderen – wobei ich dachte, die anderen sind komisch und ich bin normal. (lacht)

Waren Sie sich damals Ihrer dominanten Seite bewusst und wussten Sie, was das heißt?
Newton:
Das wusste ich schon mit 14, weil ich einige Freunde und Bekannte in diesem Umfeld hatte. Mir war nur nicht klar, dass ich diese Seite eines Tages total ausleben würde.

Wie ergibt es sich denn, dass man Domina wird?  
Newton:
Als ich 16 war und wieder einmal in einem sexy Outfit unterwegs war, sprach mich ein Mann auf der Straße an und sagte, dass er gerne mein Sklave sein würde.

Und Sie haben Ja gesagt?
Newton:
Naja, ich dachte natürlich, der spinnt. Aber verrückt war ich ja auch schon immer, also haben wir uns regelmäßig getroffen und er hat mir sehr viel beigebracht...

20 Jahre später sind Sie Österreichs bekannteste Domina. Wie viele Männer haben Sie bis dato „gezüchtigt“?
Newton:
Schon mehrere Hundert – viele davon privat, andere im Rahmen meiner späteren Arbeit als Domina.

Wie „normal“ oder „abnormal“ können wir uns Ihre Sklaven vorstellen?
Newton:
Meine Kunden sind meistens diejenigen, von denen man es sich nicht denken würde. Der klassische Kunde arbeitet in einer gehobenen Position, meist als Manager. Er hat im Job viel Macht und auch das nötige Kleingeld dazu, schließlich ist so eine Stunde mit 200 Euro aufwärts nicht gerade billig.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie Ihren Job aus Leidenschaft gemacht haben – wieso haben Sie damit aufgehört?  
Newton:
Mein Lokal hat den neuen Gesetzen nicht mehr entsprochen, deshalb habe ich beschlossen, es zu schließen. Um dennoch als Domina weiterhin arbeiten zu können bräuchte ich die grüne Karte, die Prostituierte benötigen. Das will ich aber nicht, denn ich sehe mich selbst nicht als solche. Schließlich biete ich auch keinen Sex an. Ich züchtige Männer – das ist etwas sehr Lustvolles, aber nichts Körperliches.  
Haben Sie jemals in einer Beziehung gelebt?
Newton:
Ja, ich hatte eine zwei- und eine dreijährige Beziehung, während der Zeit, in der ich als Domina gearbeitet haben. Im Endeffekt sind beide Beziehungen daran gescheitert, dass die Männer ein großes Problem damit hatten, was ich außerhalb der Partnerschaft tat.

Ihre Partner waren also nicht masochistisch veranlagt?
Newton:
Nein, überhaupt nicht und so einen Partner würde ich auch nicht wollen. Das will ich mit ihm gar nicht ausleben. Mit einem Fremden kann ich mich austoben. Vor meinem Partner würde ich jeglichen Respekt verlieren.

Würden Sie es akzeptieren, wenn Ihr Partner fremdginge?
Newton:
Niemals. Er dürfte eine Sklavin züchtigen – aber ohne Sex.

Haben Sie den Spieß schon einmal umgedreht und ausprobiert, wie es ist Sklave zu sein?
Newton:
Ja, aber das hat mir überhaupt nicht gefallen!

Wie definieren Sie Ihr Erfolgsgeheimnis als Domina?
Newton:
Bei mir kann man sich darauf verlassen, dass nichts passieren wird, was der Sklave nicht will. Gemeinsam kann man ja Grenzen überschreiten, aber wenn einer von beiden Angst bekommt, muss Schluss sein.

Kamen Sie einmal in eine Situation, in der für Sie die Grenze erreicht war?
Newton:
Ja, das ist tatsächlich schon vorgekommen. Einmal wollte ein Kunde von mir, dass ich ihn dafür bestrafe, „dass er meine Tochter vergewaltigt hat“ – so seine Fantasie. Da war bei mir dann Schluss! Sobald es mit Kindern und Tieren zu tun hat, ziehe ich die Grenze.

In welchen Lebenssituationen sind Sie devot?
Newton:
Nie!

Schlagen Sie in Beziehungen auch mal zu?
Newton:
Wenn mich etwas wirklich wütend macht, kann es schon sein, dass eine Watsche fliegt.

Die sitzt dann wohl...
Newton:
Davon können Sie ausgehen. (lacht)


„Ungeschminkt. Konsequent. Grausam.“ Vanessa Newtons Autobiografie „Schlimmer geht’s immer“ ist im Freya Verlag (um 14,90 Euro) erschienen.