Die neue Lust der Frau

Vermessung der Leidenschaft

Die neue Lust der Frau

Was wollen Frauen beim Sex? Sind sie aufgeklärt? Sprechen sie offen über ihre Wünsche und Begehren? Oder träumen sie ganz prüde von der großen Liebe? Ergebnisse einer Langzeitstudie des Instituts für Sexualforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigen: 44 Prozent der befragten Frauen gaben zum Beispiel an, schon einmal mit ihrem Partner Pornos geschaut zu haben; Mitte der 90er waren es knapp 30 Prozent. Der Anteil der Frauen, die schon einmal Erfahrung mit Fesselspielen gemacht haben, hat sich sogar verdoppelt: von 18 auf 36 Prozent. 38 Prozent der befragten Frauen benutzen Vibratoren, vor 16 Jahren waren es nur elf Prozent. Doch bei aller Offenheit für sexuelle Experimente gilt Fremdgehen als absolutes No-Go. Während Anfang der Achtzigerjahre 34 Prozent angaben, ihren Partner schon einmal betrogen zu haben, sind es heute lediglich acht Prozent.
Prinzipien der Lust. Frauen sind sich also sehr wohl dessen bewusst, was sie wollen und wie sie mit sich selbst ins Reine kommen. Für die, die es vielleicht noch nicht so genau wissen, hält Sexpertin Emily Nagoski in ihrem Buch "Komm, wie du willst" ein paar spannende Richtlinien parat:

Neugier ist der Katze Freud
Etwa 15 Prozent der Frauen empfinden spontanes Verlangen – sie wollen Sex aus heiterem Himmel. Dreißig Prozent erleben Verlangen als responsiv – sie wollen nur Sex, wenn schon etwas ziemlich Erotisches passiert. Der Rest, also etwa die Hälfte der Frauen, erlebt es je nach Kontext als eine Kombination von beidem. Sex ist kein Trieb wie Hunger – er funktioniert nach dem Prinzip der „Anreizmotivation“ wie Neugier. Also … bleiben Sie neugierig.   

Es gibt keine Universalregel für Erotik
Es gibt keine angeborenen, sexuell relevanten Reize. Unsere persönlichen Gaspedale und Bremsen lernen durch Erfahrung, wann sie reagieren müssen. Und dieser Lernprozess ist bei Männern und Frauen unterschiedlich.

Der Kontext ist wichtig
Für die meisten Menschen sieht die Formel für den besten Sex folgendermaßen aus: wenig Stress + ein hoher Grad an Zuneigung + explizite Erotik. Doch wie ihr Gehirn Empfindungen wahrnimmt, ist kontextabhängig – erklärbar zum Beispiel über das Kitzeln: Wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin Sie kitzelt und Sie wütend sind, ist es nur nervig. Wenn Sie aber angeturnt sind, kann es Spaß machen. Gleiche Empfindung, anderer Kontext – also andere Wahrnehmung.

Akzeptanz für ihre Orgasmen

Ein Orgasmus ist keinesfalls: eine genitale Reaktion, „Gipfel der Lust“ und er ist auch nicht in eine Hierarchie einzuordnen. Ein Orgasmus ist die Lösung sexueller Spannung – und das kann auf viele verschiedene Arten passieren. Die Reaktion selbst geht im Gehirn vonstatten. Ziel sollte sein, sich in der Lust fallen zu lassen, auch wenn es nicht immer ganz leicht ist.

"oversexed and underfucked"
Man sagt, die Säulen einer guten Beziehung sind: emotionale Nähe, Sex, Unabhängigkeit und Gemeinsamkeiten. Diese vier Punkte sollten sich, um Stabilität zu garantieren, natürlich in Balance halten. Fest steht aber auch, dass die Häufigkeit des sexuellen Verlangens mit der Dauer des Zusammenseins diametral abnimmt. Am Anfang einer Beziehung ist Sex drei- bis fünfmal die Woche üblich, manchmal täglich. Das verringert sich spätestens ab dem fünften Jahr des Zusammenseins im Schnitt auf zwei- bis viermal pro Monat, bei manchen auch auf einmal im Vierteljahr. Die Häufigkeit ist natürlich kein Garant für eine gute Beziehung – guter Sex entsteht, wenn beide Partner bereit sind, sich ohne Vorbedingungen aufeinander einzulassen.

 

BUCHTIPP
Komm, wie du willst. Das Buch liefert neue und verblüffende Antworten auf die Frage, die uns alle umtreibt: Wie lernen wir, unseren Körper zu verstehen. Autorin Emily Nagoski hält am Smith College Vorlesungen zum Thema Gesundheit und Sexualität und beantwortet auf ihrem Blog www.thedirtynormal.com Fragen zum Thema sexuelles Wohlbefinden.

Das Buch ist im Droemer Knaur Verlag erschienen und um 19,99 Euro erhältlich.
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