Die Grünen-Chefin im MADONNA-Talk

Eva Glawischnig

Die Grünen-Chefin im MADONNA-Talk

Ein ganzes Jahr lang musste Eva Glawischnig (47) ihn bearbeiten. Fast genau so lang hat dann der Wahlkampf gedauert, doch jetzt ist Alexander Van der Bellen Bundespräsident. Kaum jemand hat so mitgefiebert und -gelitten wie die Grünen-Chefin, die „Sascha“ zu seiner Kandidatur überredet hat. Im MADONNA-Talk verrät sie, wie sie das turbulente Jahr erlebt hat und was 2017 ansteht. 
 
Ihr Jahr 2016 und das der Grünen kann man wohl getrost als Achterbahnfahrt bezeichnen … 
Eva Glawischnig: Es war schon ein bisschen eine Hochschaubahn: der Präsidentschaftswahlkampf mit der knapp gewonnenen Stichwahl und die Freude darüber. Dann der Schock über die Aufhebung, nächste Runde Wahlkampf, Kleberaffäre, Verschiebung. Und schließlich das Happy End mit dem großartigen Wahlsieg von Van der Bellen. Das alles vor dem Hintergrund von teilweise erschreckenden weltpolitischen Ereignissen: Brexit, die andauernden Kämpfe in Syrien und zuletzt noch das Attentat in Berlin. Eine große Enttäuschung war natürlich der Wahlausgang in den USA. Es wäre ein so schönes Signal für die Welt gewesen, wenn sie erstmals eine Präsidentin gewählt hätten, ein Signal an alle Mädchen: Ihr könnt alles werden, was ihr wollt. Leider wurde nichts daraus.

Wo hat der Wahlkampf aus Ihrer Sicht den Tiefpunkt erreicht?
Glawischnig: Alexander Van der Bellen hat sich derart vielen Bösartigkeiten und Verleumdungen aussetzen müssen. Das Schlimmste war sicher das letzte TV-Duell, in dem Sascha gezählte 24-mal Lüge an den Kopf geworfen wurde, er sich Spion und Kommunist schimpfen lassen musste. Vor allem die Angriffe auf seinen verstorbenen Vater waren unerträglich.
 
Hatten Sie ob dieser Schlammschlacht manchmal ein schlechtes Gewissen, dass Sie ihn zur Kandidatur überredet haben?
Glawischnig: Mein Respekt für ihn und sein Team ist Woche für Woche gewachsen. Ich ziehe den Hut vor so viel Ausdauer und Einsatzfreude.

Wird sein Wahlsieg Auswirkungen auf die Grünen haben?
Glawischnig: Das ist eine historische Zäsur. Ich hab unzählige Anrufe aus ganz Europa erhalten, dass das eine bemerkenswerte Entscheidung hier in Österreich war – nicht dem neuen Populismus zu folgen, sondern einen anderen Weg einzuschlagen. Das ist auch für uns Grüne ermutigend. Wir waren ja Teil einer äußerst erfolgreichen Kampagnen-Bewegung, die bis in die letzte Gemeinde hinein gewirkt hat. Die Motivation und der Schwung nach vorne sind jedenfalls sehr groß. Volle Kraft voraus, ist, glaube ich, das Motto, das wir für 2017 ausgeben. 
 
Jetzt waren Sie durch den Wahlkampf fast ein Jahr lang gezwungenermaßen „ruhig gestellt“. Was haben Sie da nicht gesagt, was Sie jetzt wieder sagen können?
Glawischnig: Es ist, glaube ich, selbstverständlich, dass man in einem Jahr mit einer großen Wahlkampagne, wo alle mitarbeiten, nicht noch eine große Parteikampagne startet. Andererseits habe ich mich zuletzt zurückhalten müssen. Das ist mir nicht ganz leicht gefallen, das sage ich in aller Ehrlichkeit. 

Nämlich wann?  
Glawischnig: Das war einerseits die Annäherung von SPÖ-Kanzler Kern an die FPÖ. Da hätte ich mit Sicherheit schärfer reagiert und kritisiert, aber aus Respekt vor ganz vielen FunktionärInnen der SPÖ, die Van der Bellen unterstützt haben, habe ich das nicht gemacht. Die zweite Situation, wo es mir schwergefallen ist, betraf Außenminister Kurz. Er hat in all den Fragen, die im Wahlkampf aufgetreten sind, in denen es um die europapolitische Rolle Österreichs geht, aus meiner Sicht keine Haltung gezeigt. Da wurden nationalistische Konzepte unterstützt und meiner Ansicht nach nicht die Rolle eingenommen, die ein starkes Österreich in einem starken Europa einnehmen sollte. Da wird sich jetzt die Gangart massiv verschärfen. Das ist meine Ansage. Speziell vom Außenminister fordern wir einen anderen Kurs.  

Also eine Kampfansage an Kurz und Kern vor der nächsten Wahl. Wird es denn nächstes Jahr eine geben, glauben Sie?  
Glawischnig: Es geht nicht um parteipolitische Profilierung, sondern darum, Lösungen zu finden. Wenn sie das nicht lernen, sind Neuwahlen ohnehin unvermeidlich. 
 
Haben Sie schon Vorsätze für das neue Jahr gefasst?  
Glawischnig: Den Schwung und die Motivation von den vielen Menschen, die mit uns die Wahlkampagne mitgetragen haben mitnehmen. Ich wünsche mir zudem, einen respektvoller Ton in der Politik.
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