Die Ballmacher im Talk

Runder Tisch

Die Ballmacher im Talk

 Zum Auftakt der Ballsaison bat MADONNA die Parkett-Profis Desirée Treichl, Gery Keszler und das Event-Ehepaar Helletzgruber zum Talk über Tradition, Tanz und Taktgefühl.

Von Bällen, Wiener Walzer, Dresscode und der ganz großen Inszenierung können sie nicht genug bekommen. Life-Ball-Mastermind Gery Keszler (49) ist das ganze Jahr über damit beschäftigt, Geld und gute Leute für sein Mega-Event aufzustellen, Desirée Treichl-Stürgkh (49) ist ebenfalls schon seit Wochen im Opernballfieber. Seit fünf Jahren bereits veranstalten Nicolaus (36) und Bernadette (31) Helletzgruber den angesagten Wiener Techno Ball (18. 1. in der Pratersauna), jährlicher Treffpunkt der urbanen, hippen Clubszene.

Talk
MADONNA bat die unterschiedlichen Ballmacher zum runden Tisch über Tradition, Tanz und Taktgefühl. Sie erklären, warum das „Gewalze“ angesagt wie nie ist und wie der Techno Ball die Szene aufmischt. Außerdem verrät die Opernball-Lady, dass sie beim Life Ball ihren Mann „lieben gelernt hat“.

Was macht die Faszination Ball für Sie aus?
Desirée Treichl-Stürgkh:
Die Tradition. Dieses Vertraute. Die Debütanten. Das gesellschaftliche Zusammenkommen. Der Dresscode. Ich glaube, all das macht die Faszination aus. Dass da die Leute zusammenkommen, um sich zu treffen, um Spaß zu haben, um zu feiern – in diesem speziellen, traditionellen Rahmen. Mein absoluter Gänsehautmoment ist immer die Eröffnung!

Gery Keszler:
Das Fest erhebt den Menschen aus dem Alltag. Und die Rituale eines Balls und das anschließende ausgelassene Feiern sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Allein schon die Vorbereitung auf einen Ball – beim Life Ball dauert das bei manchen Leuten ja Wochen – macht schon eine Spannung aus. Ich möchte aber nochmals betonen, dass der Life Ball ein karitativer Ball ist. Mittel zum Zweck, um Geld für die Aidshilfe zu sammlen.

Nicolaus Helletzgruber:
Meine Frau und ich sind beide große Ballfans, haben auf diversen Bällen debütiert und die ganze Balltradition mitbekommen. Dieses Erlebnis Ball wollten wir gern für eine neue Zielgruppe öffnen. Bei uns ist es so, dass der Dresscode gilt, der auf allen Bällen erlaubt ist: Man kann im Fantasiekostüm kommen wie auf dem Life Ball, in großer Robe wie am Opernball oder auch in Tracht. Bei uns trifft die Balltradition auf urbane Clubszene.

Bernadette Helletzgruber: Wir sprechen aber auch Leute an, die sonst nicht auf Bälle gehen, weil sie sich vielleicht nicht trauen oder auch nicht die entsprechende Erziehung genossen haben. Etwa das voll tätowierte Mädchen mit dem traumhaften Abendkleid, das sich auf einem traditionellen Ball sonst vielleicht fehl am Platz fühlen würde.

Stichwort Erziehung: Welche gesellschaftliche Rolle spielen Bälle heute noch? Früher diente der Opernball ja dazu, die Debütanten in die Gesellschaft standesgemäß einzuführen…
Treichl-Stürgkh:
Das ist jetzt noch immer so. Wobei man ja sagen muss, dass die Jugendlichen schon Teil der Gesellschaft sind und dass sich beim Opernball die Schichten heute durchmischen. Das gefällt mir! Es entstehen dort Freundschaften, Paare verlieben sich.

Sie haben Ihren Mann ja auf dem Life Ball kennengelernt...
Treichl-Stürgkh:
Ich habe ihn dort nicht kennen, sondern lieben gelernt (lacht). Aber es ist mir wichtig zu sagen, dass beim Opernball nicht nur die oberen Zehntausend tanzen und debütieren.

Keszler: Die Debütanten sind auch deshalb so wichtig, weil man in ihren Augen die ungeheure Freude, die Spannung des Balls sieht. Bei uns schauen ja bis zum Lidstrich alle gleich aus. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist wunderschön.

Wie hat sich die gesellschaftliche Funktion des Balls in den letzten Jahren verändert?
Keszler:
Das Fest reflektiert die Gesellschaft der jeweiligen Zeit. Wenn man an den Opernball denkt: Am Anfang war es eine Redoute und man durfte nicht tanzen, heute ist es ein rauschendes Fest. Mittlerweile gibt es eine weite Palette von dem, was einen Ball ausmachen kann, wenn man nur an den Philharmoniker, den Steirerball und viele andere denkt. Doch nirgends auf der Welt gelingt es, das Ganze so zu feiern wie bei uns. Das liegt am kulturellen Background. Schließlich ist ja das Wichtigste an einem Ball immer noch der Wiener Walzer. Das ist über Jahrhunderte in unserer Tradition verankert, und wenn man daraus schöpft, ist das eine Inspirationsquelle für neue Ballformen wie den Techno Ball.

N. Helletzgruber: Der Techno Ball ist ja tatsächlich aus unserer Liebe zu traditionellen Bällen entstanden, und wir haben uns sehr davon inspirieren lassen. Es läuft auch ab wie einer, weil es für die Gäste ein besonderer Abend ist. Sie kaufen sich lange im Voraus Tickets und stylen sich stundenlang. Wenn wir dann einmal – was ja langfristig unser Ziel ist – in eine entsprechend große Location umziehen können, wollen wir auf jeden Fall auch eine würdige Eröffnung inszenieren. Wir sind stolz, ein Teil der modernen Wiener Ballkultur sein zu können und sind uns der Verantwortung bewusst, Tradition an die Jugend weiterzutragen.

Treichl-Stürgkh:
Für mich ist das absolut Schönste bei jedem Ball das Zusammenkommen der Menschen. Leute, die sich vorher nicht kannten, verbrüdern sich, sind nett zueinander, lachen miteinander. Jeder hat einfach unglaublich gute Laune, die Männer tragen alle das Gleiche und fühlen sich toll darin, und die Frauen sind alle wunderschön in ihren Kleidern. Es schauen eben alle für einen Abend irgendwie zueinander passend aus.
N. Helletzgruber: Eine Kostümierung, wenn man so will.
Keszler: Genau! Für mich geht es bei einem Ball darum, aus der Norm zu springen und in eine Rolle hineinzuschlüpfen, die eine Steigerung darstellt. Das klingt besonders logisch für den Life Ball, aber ich finde, das gilt für jeden Ball.  

Gibt es bestimmte Dos and Don’ts auf Bällen?
Keszler:
Selbstverständlich! Nicht einmal auf dem Life Ball ist alles erlaubt! Es ist ein Fest der Solidarität und Toleranz. Für mich wäre eine abfällige Bemerkung, egal ob sie auf sexuelle Orientierung, Religion oder Herkunft bezogen ist, ein Grund, jemanden sofort hinauszuwerfen. Es gibt eben kein Fleckchen auf dieser Welt – weder im Alltag, noch auf einem Fest – wo wir keinen Regeln unterliegen.
B. Helletzgruber: Überall da, wo viele Menschen miteinander feiern wollen, ist es wichtig, respektvoll miteinander umzugehen.

Und was sollte man auf dem Opernball auf keinen Fall tun?
Treichl-Stürgkh:
Sich betrinken (lacht). Ernsthaft, ganz wichtig ist uns der Dresscode. Darauf bestehen wir wirklich und es gibt jedes Jahr Probleme am Eingang, weil einige immer noch nicht verstehen, was ein Frack oder ein bodenlanges Abendkleid ist. Das VIP- Personal der Wiener Staatsoper achtet besonders darauf.  
Keszler: Das verstehe ich voll und ganz. Sobald man auf einem Ball ist, wo es keinen Frackzwang gibt, spürt man ganz einfach den Unterschied.
Ich muss dir jetzt aber auch einmal ein Lob aussprechen, Desi: Du hast es geschafft, dass eine junge Generation wieder Bock auf den Opernball hat.
N. Helletzgruber: Man merkt den Unterschied tatsächlich. Der Opernball wurde ein bisschen verjüngt, moderner, ja stylischer.
Treichl-Stürgkh: Danke, darauf bin ich auch wirklich sehr stolz. Denn es ist wichtig, dass diese Tradition von einer neuen Generation weitergetragen wird.