Der große Online Dating-Guide

Liebe per Mausklick

Der große Online Dating-Guide

Wie blöd, der sieht eher klein aus. Ich hatte mir geschworen, dass nur noch große Männer ins Haus kommen. Und auf dem Foto,... naja.“ Ines (32) bekam – sie weiß das Datum noch ganz genau und auch, dass es abends war – vor sieben Monaten einen Datingvorschlag übers Internet. Sie war schon seit einigen Wochen auf dem Dating-Portal angemeldet, hatte bis spät abends die Lage sondiert, die Profile der Neuankömmlinge geprüft. Mike war ihr nicht wirklich ins Auge gesprungen, dafür Ines Mike. „Ihr Foto und vor allem ihr Nickname – Berlinerpflanze – hat mich neugierig gemacht. Ich wollte wissen, ob sie wirklich eine Berlinerin ist.“ Ja, sie war aus Berlin, kam für den Job nach Wien und ließ sich von einer Arbeitskollegin breitschlagen, sich auf Love.at anzumelden. Mike ist ein großer Fan der deutschen Hauptstadt, reist öfters geschäftlich hin, liebt die Lokale. Da war Sympathie und schließlich ein gemeinsamer Termin für einen Kaffee am Nachmittag. „Wie unangenehm das war“, sagt Ines. „Die Ungewissheit, das Kribbeln, wie beginnt man das Gespräch? Wie sieht er in natura aus? Wie groß ist er wirklich? Ich habe am Weg zum Café nur die ganze Zeit gedacht, lass ihn nicht klein sein. Und er war gar nicht klein – ganz im Gegenteil…“

1,1 Millionen Menschen in Österreich sind Single. 700.000 davon haben sich schon einmal auf einer Onlinepartnersuche angemeldet oder loggen sich regelmäßig ein. „Vermutlich jedes achte bis zehnte Paar in Europa“, so Magdalena Fränzl, Geschäftsführerin von Love.at, „hat sich übers Internet kennengelernt. In den USA, so aktuelle Zahlen, ist bereits jede zweite Beziehung über das Netz entstanden.“ Das Geschäft mit der Online-Liebe boomt. Neben klassischen Online-Partnerbörsen und Facebook geht man seit kurzem auch auf neuen Apps, wie Tinder (Anm.: Englisch für Anzünder) & Co., auf die Suche nach dem schnellen oder doch längerfristigen Glück. Doch die Verunsicherung wächst mit dem breiter werdenden Angebot. Welche Plattformen sind seriös? Wer sucht wen und vor allem wo? Wie findet man das richtige Portal für seine Ansprüche und Bedürfnisse? Und am wichtigsten: Wie schützt man sich, seine Seele und seine Geldbörse vor amourösen Witzbolden, Hochstaplern, Internetbetrügern & Co.? Wir fragten bei Social-Media-Experten Philipp Ploner nach, wie Flirten 2.0. am besten gelingt.  

Woran merkt man, dass ein Dating-Portal seriös ist?
Tipp:
Nur seriöse Portale, so  Ploner, halten sich auf Dauer am Markt. Je mehr Mitglieder eine Single-Seite hat, desto besser ist sie zu bewerten. Die großen Portale, wie Elite-Partner oder Love.at, genießen zu Recht Vertrauen. Abseits der klassischen Portale hat sich Facebook als seriöser Kuppler etabliert. Viele lernen sich flüchtig auf einer Party kennen, finden sich am nächsten Tag auf Fb wieder und beginnen zu chatten. Ein weiteres Plus: Über das Profil erhält man gleich Infos zu Interessen, etc.  

Das Geschäft mit der Liebe im Netz boomt. Wie schützt man sich vor Betrügern und Hochstaplern?  
Tipp:
Unbedingt darauf achten, ob Profile gefälscht sein könnten. Wenn am ersten Tag schon sehr viele Nachrichten eintreffen, sollte man ebenfalls auf der Hut sein. Wer auf der Suche nach dem richtigen Portal ist, sollte auch auf den Datenschutz und die Zielgruppe der Seite achten – das Kleingedruckte lesen. Am besten mit einer Gratismitgliedschaft ausprobieren.

Single-Börsen im Experten-Check 1/5
1. Love.at
Zielgruppe: Seriöse Singles
(bei ElitePartner z. B. Akademiker)
Altersklasse: 30 bis 55 Jahre
Mindestalter 18/20 Jahre.  
Interesse: von Flirt bis Beziehung
Infos: Klassische Singleportale sind zumeist Matchmaking-Partnersuche-Datenbanken. Mitgliedschaft ab etwa 29,90 Euro/Monat.
2. Facebook
Zielgruppe: alle
Altersklasse: 18 bis 55 Jahre
interesse: vom Flirt bis zur Beziehung
Infos: Erst nach der angenommenen Freundschaftsanfrage eine Nachricht schreiben. Davor landet die Nachricht im „Sonstiges“- Ordner und der Auserwählte erfährt meist nichts davon! Gratis.
3. Tinder
Zielgruppe: Spontane Menschen
Altersklasse: 18 bis 35
interesse: von Flirt bis Beziehung
Infos: Nutzern werden andere Nutzer in der Umgebung angezeigt. Voraussetzung ist ein Fb-Account. Man muss sich gegenseitig gefallen, erst dann öffnet sich ein Chat. Tinder fokussiert auf das Positive, chatten geht nur, wenn es beide wollen. Gratis.

4. Lovoo

Zielgruppe: Akademiker
Altersklasse: 30–55 Jahre, Mindestalter 18
interesse: Flirts, Dates, Sex
Infos: Lovoo ist vom Prinzip Tinder sehr ähnlich. Während Tinder aus den USA stammt, wurde Lovoo in Deutschland entwickelt und ist unabhängig von Fb. Gratis.
5.Fixzsam
Zielgruppe: coole Wiener Singles  
Altersklasse: ab 20
interesse: Flirts, Beziehung
Infos: Die Blogger Maximilian und Catherine nennen sich Schmusevermittlung und haben es sich auf fixzsam.at zur Aufgabe gemacht, mit liebevoll erstellten Profilen Wiener zu
verkuppeln. Gratis.


Bei der Männersuche – worauf sollte man achten?
Tipp: 
Für erfolgreiches Online-Dating muss man wissen, wonach man sucht: Soll es eine unverbindliche Affäre sein? Oder sucht man den Partner fürs Leben? Wie alt soll er sein? Jeder neigt bei den eigenen Profilangaben zu etwas Schönmalerei, das sollte man nicht vergessen. Das schützt vor Enttäuschungen. Doch letztendlich ist es, wie wenn man jemanden an der Bar kennen lernt. Man muss auf sein Gefühl vertrauen.  

Gibt es einen Online-Knigge, Verhaltensregeln?
Tipp:
Beim virtuellen Flirten im Netz gilt dasselbe wie im realen Leben: Man sollte nicht auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Lieber auf einige wenige Kandidaten konzentrieren. Beim eigenen Profil sollte man sich natürlich so aufregend wie möglich präsentieren, aber dabei ehrlich bleiben und nicht überheblich wirken. Beim Chatten und Nachrichtenschreiben am besten kurzhalten, keine Monologe formulieren und stattdessen ehrliches Interesse zeigen – nachfragen. Tipp: Kurze, knackige und kreative Nachrichten schreiben und sein Gegenüber nicht überfordern. Merkt man nach einiger Zeit, dass man an einem Flirt kein weiteres Interesse hat, sollte man höflich absagen.

Wer schreibt zuerst?
Tipp:
Dafür gibt es keine Regeln. Das hängt auch damit zusammen, dass ja bei allen Beteiligten ein Interesse da ist, jemanden kennenzulernen. Gerade bei der App Tinder müssen ja beide Seiten mit einem „Ja“ – sprich einem Herz – Interesse bekunden, sonst wird man gar nicht erst miteinander connectet. Profilbilder, die nicht ansprechen, werden übrigens einfach nach links ge­swipt (Anm.: gewischt), tauchen nie wieder auf und niemand erfährt von der Absage. Wenn beide jedoch ihr O.K. geben, öffnet sich ein Chat. Man sollte dann keine wahllosen Standardnachrichten verschicken, das gilt als unhöflich.

Tipps fürs Profil?
Tipp:
Ein nettes Foto und ein paar ansprechende Zeilen kosten Zeit, aber der Aufwand lohnt sich. Man soll seine Stärken in den Vordergrund stellen, sich dabei aber selbst treu bleiben.
 
Dos & Dont’s beim Flirt?
Tipp:
Gute Manieren beweisen, z. B., wenn man kein Interesse hat, höflich aus der Konversation aussteigen. Ein absolutes No-Go: seinen Account weiter frequentieren, wenn man bereits einen Partner gefunden hat.

Was können die neuen Apps wie Tinder oder Lovoo?
Tipp:
Neben Tinder und Lovoo gibt es mit Hinge, Badoo und Mbrace auch noch einige weitere Apps, die gerade gehypt werden. Das Grundprinzip ist ähnlich: Man entscheidet anhand eines Profilfotos, ob man in Kontakt kommen möchte. Gefällt man sich gegenseitig, kann man sich Nachrichten schreiben.  Bei Tinder braucht man zudem einen Facebook-Account. Denn nur wenn die Profile Gemeinsamkeiten aufweisen, kann man sich schreiben. Lovoo und Badoo funktionieren vollkommen unabhängig von anderen sozialen Netzwerken. Genauso Mbrace, das jedoch mittels sogenannter „Challenge“ eine interessante Zusatzfunktion bietet. Das funktioniert folgendermaßen: Bevor man jemandem schreiben kann, muss man ihn etwa vorab zum Lachen bringen. Um bei Hinge in Kontakt zu kommen, braucht man nicht nur einen Facebook-Account, sondern man muss darüber hinaus gemeinsame Fb-Freunde haben. Alle Apps richten sich an eine junge, dynamische und globale Zielgruppe. Es geht um den schnellen, unkomplizierten Flirt. Eine solche App zu verwenden, ist sicher die richtige Möglichkeit, um mit Menschen schnell ins Gespräch oder ins Bett zu kommen.

Wenn man nach Liebe und Beziehung sucht – welche Apps/Portale sollte man lieber auslassen?  
Tipp:
Natürlich sind die trendigen Apps eher auf Flirt und Fun aus, während man auf gesetzten Online-Portalen eher auf längerfristige Partnersuche geht. Aber es haben sich auch bereits viele Paare über Apps gefunden. Das weiß man nie, schließlich ist Internet-Dating so vielschichtig wie seine Nutzer. Und es geht ja um die Liebe.

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