Das Regelwerk für VIP-Nannys

Royale Kindermädchen

Das Regelwerk für VIP-Nannys

Sie sollen gebildet sein, gepflegt, aber nicht attraktiv und vor allem Kinder lieben: Die Ansprüche an VIP-Nannys sind hoch.

"To pull a Crawfie“, ist bis heute der Ausdruck, der jedem Kindermädchen eine Gänsehaut über den Körper jagen sollte. Marion Crawford († 78) – von der britischen Familie liebevoll „Crawfie“ genannt – wurde mit 22 Jahren als Nanny für die heutige Königin von England, Queen Elizabeth II (92) und deren Schwester Margaret († 71), eingestellt. Sie durfte im Nottingham Cottage wohnen, in dem später das frisch verheiratete Paar William und Kate residierte. Sie erzog die royalen Schwestern in allen Lebenslagen; mit ihr erlebte Queen Elizabeth ihre erste und einzige Fahrt mit der Londoner U-Bahn. 17 Jahre lang war Nanny „Crawfie“  untrennbar mit den britischen Royals verbunden, bis ein Buch ihr Leben zerstörte: In „The Little Princess“ schrieb die Nanny 1950 gemeinsam mit einem Ghostwriter über ihre Jahre als Kindermädchen und Privatlehrerin der späteren Queen. Ein absoluter Vertrauensbruch nicht nur gegen jegliche Verschwiegenheitsklausel, die das Kindermädchen vor Antritt ihrer Tätigkeit unterschrieben hat, sondern auch gegen alles, was eine VIP-Nanny verkörpern sollte: nämlich vor allem Loyalität und Diskretion. Queen Mum verbannte Crawfie vom Hof und kein Mitglied der Königsfamilie sprach je wieder ein Wort mit ihr. „Eine Crawfie abziehen“ ist bis heute das bösartige Synonym dafür, mit einem Naheverhältnis zur britischen Königsfamilie Geld zu machen.  

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Im März 1932 ging die royale Nanny ­Marion „Crawfie“ Crawford mit Queen Elizabeth und ihrer Schwester Margaret (im Kinderwagen) im Park spazieren.

Immer dabei
Die royalen Sprösslinge einer Nanny anzuvertrauen, hat eine lange Tradition in Großbritannien, von Mabel Anderson und Helen Lightbody, die laut britischen Adelsexperten fast exklusiv für Prinz Charles’ Erziehung zuständig waren, bis zu dem Kindermädchen Olga Powell, die gemeinsam mit Prinzessin Diana († 36) und deren Söhnen William (35) und Harry (33) durch den österreichischen Winter kutschierte. Als William und Ehefrau Herzogin Kate (36) schließlich selbst mit Spross Nummer drei, Prinz Louis von Cambridge, am 23. April das Krankenhaus verließen, war auch eine ganz besondere Frau hautnah beim royalen Geschehen dabei: Die gebürtige Spanierin Maria Teresa Turrion Borallo, die sich als Nanny seit Jahren auch um Prinz George (4) und Prinzessin Charlotte (3), die Geschwister des jüngsten Sprösslings, kümmert.

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Lady Diana hatte etwa beim Urlaub in Österreich mit den jungen Prinzen William und Harry einen Bodyguard und die Nanny Olga Powell im Schlitten mit dabei.

Fähigkeiten
Die ganz private Mary Poppins kommt für Kate und William zwar ohne Regenschirm, dafür mit einer Vielzahl anderer Qualifikationen. Maria Borallo besitzt als Absolventin des renommierten Norland College nämlich nicht etwa Magie, sondern vielmehr eine harte dreijährige Ausbildung und Expertise als Profi-Nanny. „Unsere Mädchen sind quasi der Rolls-Royce unter den Nannys“, verrät Claire Burgess, ehemalige Schülerin des Instituts der Gala. Die rund 20 Absolventen der Schule werden vor allem wegen ihres guten Rufs in Sachen Verschwiegenheit von der englischen Upper-Class, Stars und VIPs weltweit begehrt. Vom wahren Begehren sind die Norland-Nannys aber ganz weit entfernt: Gepflegtes Auftreten ist erwünscht, aber kein attraktives. Deswegen trägt auch Maria fast an jedem Arbeitstag eine braune Uniform, die sie als Absolventin der 125 Jahre alten Schule kennzeichnet. Keinerlei Ausschnitt und niemals hohe Schuhe oder Make-up. Dafür kann Maria eine Grippe vom Noro-Virus unterscheiden, perfekt wickeln, füttern, waschen, ins Bett bringen und neben der maximalen Diskretion vielleicht am wichtigsten: perfekt kochen! Was Maria im royalen Haushalt einzig niemals machen wird, ist, zu putzen. Das symbolisiert eine mitgebrachte silberne Haarbürste im Nanny-Zimmer.


William und Kate sind auch nach vier Jahren weiterhin so begeistert von Marias Fähigkeiten, dass schon vor der Geburt von Baby Nummer drei, Louis, klar war, dass es keine zweite Nanny für die Thronfolger-Familie geben wird. Maria wird auch das dritte Kind schon schaukeln.