Das Drama um Katzi

OP und Neustart

Das Drama um Katzi

Spricht man Anastasia „Katzi“ Sokol (23) auf ihre Nachfolgerin an Richard Lugners (80) Seite – sprich auf Kolibri – an, hört man große Erleichterung in ihrer Stimme. „Ich bin froh“, sagt sie, „nicht mehr in der Öffentlichkeit stehen zu müssen.“ Im selben Atemzug fragt sie, ob sie Fotos ihrer neuen Wohnung schicken soll. Sie sei stolz darauf und alle sollen sehen, was sie hat. So ambivalent wie Katzis Verhältnis zur Öffentlichkeit ist, so ambivalent ist auch jenes zu ihrem Körper.

Neue Wohnung bei Lugner
Nach Anorexie und Bulimie kippte Katzi in die Fresssucht. Von null auf hundert, von 35 auf knapp 60 Kilo (s. Fotos). Zu viel für den jungen Körper, zu viel für das Verhältnis zu Baumeister Lugner. Zuerst trennten sie sich – „in Freundschaft“ (mit großzügiger finanzieller Unterstützung). Wenige Tage später landete sie mit einem Darmverschluss im Krankenhaus. Nach einer OP und drei Wochen Spitalsaufenthalt startet Anastasia diese Woche in ein neues Leben mit neuer Wohnung und altem Job beim Baumeister. Richard, so sagt sie, sei ihre Stütze, von ihrer Mutter (siehe Interview mit Svetlana Rockenbauer rechts) fühle sie sich verlassen. Das Gespräch.
 

Sie waren mehrere Wochen im Krankenhaus. Was ist genau passiert?
Anastasia Sokol:
Begonnen hat alles mit einer harmlosen Mandeloperation, da haben die Ärzte Alarm geschlagen. Ich hatte einen Darmverschluss. Sie mussten einen Teil des Darmes entfernen und einen künstlichen Darm einsetzen. Ich wurde mit einer Sonde ernährt.

Wer kümmert sich um Sie?
Sokol:
Meine Mutter habe ich seit drei Wochen nicht gesehen. Sie hat mich nicht im Krankenhaus besucht und nun habe ich sie gebeten, mich wenigstens abzuholen. Ich wollte den Richard nämlich nicht schon wieder um etwas bitten, er hat schon so viel für mich getan. Er hat sich, während ich im Krankenhaus gelegen bin, um meine Wohnung gekümmert und alles geregelt.

Sie sind weiterhin Freunde?
Sokol:
Ja, ich wüsste nicht, was ich ohne ihn tun sollte. Er ist wirklich derjenige, der sich am meisten um mich kümmert.

Sie sind aus der Lugner-Villa ausgezogen. Wo leben Sie nun?
Sokol:
Wir haben drei Monate nach einer passenden Wohnung gesucht. Leider war dem Baumeister aber nichts recht (lacht). Am Ende habe ich ihm die Entscheidung überlassen und gesagt: „Ich ziehe in jede Bleibe ein, die du mir aussuchst.“ Das hat er dann auch gemacht, sie komplett hergerichtet, Möbel ausgesucht. Von den Fenstern meiner Wohnung aus sehe ich in sein Büro.

Nach wie vor große Nähe…
Sokol:
Er hat einen Schlüssel und kann vorbeikommen, wann immer er möchte.
Diese Wohnung ist also sein persönliches Geschenk für Ihren Neustart?
Sokol: Wir haben uns als Freunde getrennt und er hat sich wirklich anständig verhalten. Da hat er meine Erwartungen echt übertroffen.

Lugner hat bereits eine neue Begleitung. Haben Sie einen neuen Mann?
Sokol:
Nicht wirklich. Ich habe einige kennengelernt und es waren auch nette dabei. Ich hatte mich sogar schon ein bisschen verliebt, glaube aber, dass das gerade ein falscher Zeitpunkt ist. Ich muss zuerst gesund werden. Auch meine Zähne muss ich richten lassen, die sind durch die Bulimie zerstört worden.

Wie konnte es überhaupt zu einem Darmverschluss kommen?
Sokol:
Ich habe viele Tabletten geschluckt, die den Darm auf Dauer lahmlegen, u. a. viel Abführmittel. Dann habe ich ganz plötzlich begonnen wieder normal zu essen und der Darm hat es einfach nicht verkraftet, wieder von null auf hundert arbeiten zu müssen.  

Wie geht es Ihnen jetzt?
Sokol:
Ich muss oft ins Krankenhaus, wo ich Infusionen bekomme. Es wird lange dauern, bis ich wieder gesund bin.

Haben Sie Ihr Gewichtsproblem heute im Griff?
Sokol
: Diese Auf-und-Abs wird es künftig sowieso nicht mehr geben, weil ich ab nun – weil mir so viel Darm fehlt – sowieso ein Leben lang strenge Diät halten muss, kein Brot, Nudeln und Co. essen darf. Damit ist mein Gewichtsproblem für immer gelöst, auch wenn das natürlich keine schöne Lösung ist. Aber meine Essstörung werde ich nie wirklich in den Griff bekommen. Damit werde ich immer leben müssen.

13.jpg © Andreas Tischler

Frau Rockenbauer, Ihrer Tochter geht es gesundheitlich sehr schlecht. Wie würden Sie Ihr derzeitiges Mutter-Tochter-Verhältnis beschreiben?
Svetlana Rockenbauer:
Meine Tochter und ich haben guten Kontakt – wir hören uns täglich mehrmals. Ich wundere mich darüber, was sie manchmal in Interviews sagt!  

Im MADONNA-Interview sagt Anastasia, dass Sie sie drei Wochen lang nicht einmal im Krankenhaus besucht haben...
Rockenbauer:
Das ist eine Lüge. Aber wissen Sie, meine Tochter ist sehr krank. Ich akzeptiere inzwischen, dass sie alles so macht, wie sie es möchte. Sie ist eine erwachsene Frau, die ihr Leben allein führen muss. Aber natürlich stehe ich zu ihr und helfe ihr, so gut es geht. Ich liebe sie, aber ich kann nicht nachvollziehen, was sie aus ihrem Leben gemacht hat.

Ihre Tochter sagt, dass Richard Lugner derjenige ist, der sich am meisten um sie kümmert.
Rockenbauer:
Ja, sie hat auch eine ganz schöne Wohnung von ihm bekommen. Das Problem ist nur, dass sie nicht allein leben möchte. Sie wollte bei mir einziehen, aber ich habe ihr gesagt, dass das nicht geht. Wir haben einen völlig anderen Lebensrhythmus: ich beginne um 7 Uhr zu arbeiten, Anastasia schläft lange und ist die halbe Nacht wach.

Glauben Sie, dass Ihre Tochter jemals gesund wird?
Rockenbauer
: Ihre Krankheit bleibt für mich unbegreiflich. Aber ich versuche, positiv zu denken. Oft redet sie so vernünftig über ihre Pläne – aber sie setzt diese nie um. Sie ist kein Luder, aber manchmal ist das so dumm, was sie macht. Das tut mir so leid.

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