Das A von ABBA ist zurück

Agnetha Fältskog im Interview

Das A von ABBA ist zurück

Sie war das A bei ABBA – der blonde Hingucker der schwedischen Erfolgsband. Nach der Auflösung des Quartetts im Jahr 1982 und einigen Soloerfolgen zog sich Agnetha Fältskog mit ihren zwei Kindern in die Abgeschiedenheit eines Bauernguts auf die Insel Helgö westlich von Stockholm zurück. Nur noch selten bekam man sie zu Gesicht, was ihr eine geradezu mystische Aura verlieh. Nun, neun Jahre nach ihrem letzten Coversong-Album „My Colouring Book“, meldet sich die Sängerin mit Original-Liedern zurück. Agnethas neues Werk heißt „A“ und wurde von Jörgen Elofsson produziert, der bereits mit Britney Spears zusammenarbeitete. Wir trafen die heute 63-Jährige im Stockholmer Grand Hôtel zum ganz persönlichen  Interview über ihr Comeback.

Die Presse hat Sie gern als die Greta Garbo des Pop bezeichnet, weil Sie sich so selten in der Öffentlichkeit zeigen. Sind Sie menschenscheu?
Agnetha Fältskog:
Nein, das ist Quatsch. Ich wurde als mysteriös abgestempelt, dabei bin ich eigentlich nur ein naturverbundener Mensch. Ich lebe zurückgezogen mit meinen zwei Hunden auf meinem Bauernhof, nebenan wohnt meine Tochter Linda mit meinen Enkeln. Ich führe ein ganz normales Leben.

Wie kommt es dann, dass Sie nun wieder angreifen wollen, was die Pop-Charts betrifft?
FÄltskog:
Nun, ich dachte lange, das Coveralbum „My Colouring Book“, das ich 2004 veröffentlicht habe, würde mein letztes Album sein. Aber trotzdem war ich immer offen für Angebote. Durch eine Freundin kam der Kontakt zum Produzenten Jörgen Elofsson zustande. Jörgen kam vorbei, spielte mir drei Songs vor, die er für mich geschrieben hatte, und ich konnte nicht mehr Nein sagen. Sie waren von so zeitloser Qualität.

Aber Bedenken, nach der langen Zeit zurückzukommen, gab es bei Ihnen keine?
FÄltskog:
Nur im Bezug auf meine Stimme! Ich wusste nicht, ob sie nach all den Jahren angerostet klingen würde. Ich sagte zu Jörgen: „Wenn sie alt klingt, dann tue ich mir das nicht an.“

Die CD ist toll gelungen – bei dem Song „I was a Flower...“ kamen mir die Tränen. Wie biografisch ist der Text, wenn Sie singen, dass Sie mal eine Blume waren, jung und unschuldig, deren Farben verblassten, weil jemand Sie im Stich ließ?
FÄltskog:
Ich habe beim Singen des Liedes sehr viel über den Prozess des Alterns nachgedacht. Du wirst älter und bist enttäuscht von der Liebe. Mir hat es die Liebe zumindest immer schwergemacht. Aber so ist es doch für die meisten Menschen, nicht wahr? Es ist sehr kompliziert mit Beziehungen. Die Liebe kommt und geht.

In meiner Vorstellung singen Sie den Song für Ihren Ex-Mann, ABBA-Songwriter Björn Ulvaeus, denn er ließ sie mit den Kindern auf gewisse Weise im Stich. Können Sie diese Interpretation nachvollziehen?
FÄltskog:
Ja, das kann ich. Er war ein großer Teil meines Lebens. Wir haben zwei Kinder zusammen. Das wird sich nie ändern, das Gefühl ist da. Es ist ein bisschen so wie bei „The Winner Takes It All“, das er geschrieben hatte. Als ich den Song damals sang, waren wir frisch getrennt. Aber das neue Lied muss nicht zwingend das meinen. Sie merken, ich versuche, meine Distanz dazu zu bewahren! (lacht)

Haben Sie sich denn jemals wie eine Blume gefühlt, deren Farbe verblasst?
FÄltskog:
Oh ja, das habe ich. Ich hatte einen absoluten Tiefpunkt noch bevor ich 50 wurde. Meine Mutter und mein Vater starben, das war 1994 und 1996. (Agnethas Mutter beging Selbstmord, Anm. d. Red.) Sie zu verlieren, war die härteste Zeit meines Lebens. Ich fühlte mich schrecklich. Außerdem hatte ich die Scheidung von meinem zweiten Mann zu verarbeiten. Es hat Jahre gedauert, bis ich ansatzweise wieder Licht am Ende des Tunnels sah.

Inwiefern hat dieser Tiefpunkt Ihr Leben beeinflusst?
FÄltskog:
Ich vermisse meine Eltern heute noch jeden Tag. Weil wir uns so nahe standen und mir Familie immer alles bedeutete. Ich erinnere mich, als damals mein 50. Geburtstag bevorstand. Der war mir ein Graus! Ich dachte nur: Oh Gott, 50 Jahre! Ist das wirklich wahr? Wie kann das sein! Es ist alles so schnell gegangen! Es gab einige verlorene Jahre in meinem Leben.

Wie sehen Sie das heute aus der Perspektive einer 63-Jährigen?
FÄltskog:
Altern ist nicht so schlimm, wie es mit 50 war! Auf gewisse Weise gewöhnt man sich an das Älterwerden und arrangiert sich damit.

Sie waren das Gesicht von ABBA. Hat das damals auch für Probleme innerhalb der Band gesorgt?
FÄltskog:
Es wurde immer wieder berichtet, dass es Eifersüchteleien in der Band gegeben hat. Es stimmt, die hat es gegeben! Aber wenn Frida und ich Rivalität untereinander fühlten, war das nur gut für die Bühne. Denn es bedeutete, dass wir unser Bestes gaben.

Als „Mamma Mia!“ 2008 in Stockholm Premiere feierte, haben sich ABBA zum ersten Mal seit 22 Jahren wieder zu viert in der Öffentlichkeit gezeigt. Ein komisches Gefühl?
FÄltskog:
Nein, es fühlte sich gut an. Wir alle haben einen wichtigen Zeitabschnitt in unserem Leben geteilt, wir vier haben das alles gemeinsam erreicht. Das ist ein Gefühl, das dich niemals verlässt. Es verbindet ein Leben lang. Ich denke, jeder von uns ist auch sehr stolz auf das Erreichte. Wir haben Musikgeschichte geschrieben. Aber wir sind heute erwachsene Leute, und das Leben geht weiter. Wir trauern der Zeit auch nicht hinterher.

Sie schlagen eine ABBA-Reunion also aus?
FÄltskog:
Natürlich, der haben wir immer widerstanden! Warum sollten wir uns das antun? Ich kann keinen sinnvollen Grund dafür sehen!

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