Corinna Milborn im Madonna-Talk

Über ihren Baumgartner-Konter

Corinna Milborn im Madonna-Talk

Rund um die Osterfeiertage schlug das Sujet des Wäscheherstellers Palmers (siehe ganz links) im Internet hohe Wellen. Die "Osterhöschen" wurden vielfältig kommentiert, auch TV-Moderatorin Corinna Milborn (44) interpretierte auf ihrer privaten Facebook-Seite das Foto-Umfeld als "Menschenhändler-Milieu". All-Flieger Felix Baumgartner (48) wiederum fand die "Mädels" auf dem Plakat "weltklasse", bot sich an, auch gern "dazwischenzuspringen" und erklärte seinen knapp 1,4 Millionen Abonnenten, dass Milborns Kritik aus Äußerlichkeiten resultiere: "… bei der Figur ja kein Wunder!".     

Schachmatt. Ein Tiefschlag, den die 44-Jährige nicht auf sich sitzen ließ. Die Journalistin lud Baumgartner kurzerhand in ihre Sendung "Pro und Contra" ein, um über sein Frauenbild und dessen Auswirkungen zu diskutieren. "Sie sind ja schon aus dem All gesprungen, Sie sind also sicher nicht zu feig dafür – oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen!"

Baumgartner reagierte tatsächlich nach einer knapp fünftägigen Bedenkzeit und schlug für den Diskurs ein "Auswärtsspiel" auf Servus TV vor. Warum Corinna Milborn die Konfrontation nicht scheut, was sie anderen Frauen in ähn­lichen Fällen rät und was sie ihren Töchtern auf den Lebensweg mitgeben will, ­lesen Sie hier.
 
Wie war Ihre erste Reaktion auf Felix Baumgartners Posting?
Corinna Milborn:
Ich habe es bei einer Freundin gesehen und erst mal gelacht. Dann erhielt ich aber so viele Interviewanfragen, dass ich feststellen musste, dies nicht einfach so stehen lassen zu können.  

Haben Sie sich gewundert, warum Sie dabei persönlich angegriffen werden?
Milborn:
So etwas ist mir eigentlich egal, aber dann habe ich gemerkt, dass sich die Postings stark verbreiten. Es vermittelt ­allen Frauen, wo ihr Platz ist. Dass sie vor allem schön zu sein haben. Und wenn sie das nicht sind, wird ihnen das Recht abgesprochen, öffentlich zu sprechen. Wenn sie es aber sind, dann wird es ihnen erst recht abgesprochen, denn dann sind sie zu blond oder zu hübsch dafür. Das heißt, es geht grundsätzlich darum, Frauen die Stimme zu nehmen, indem man sie persönlich beleidigt. Ich wollte nicht, dass sich andere aus Angst vor so weitreichender Aufmerksamkeit nun in ihrer Meinung zurückhalten.  

Hatten Sie nicht die Befürchtung, ihm mit Ihrer Antwort eine Plattform zu bieten?
Milborn:
In diesem Fall ist das Argument hinfällig, da Felix Baumgartner mit 1,4 Millionen Fans ohnehin die Plattform hat, die genügend Menschen erreicht.  Dementsprechend habe ich selbige Plattform auch für meine Antwort genutzt – nur habe ich im Gegensatz zu ihm keine öffentliche Seite. Umso spannender, dass mein Posting dann noch so viel häufiger geteilt wurde.  

Was raten Sie anderen Frauen, die im Alltag oder im Netz mit sexistischen Bemerkungen konfrontiert sind?
Milborn:
In erster Linie ist es meiner Meinung nach wichtig, zu erkennen, welche Struktur dahintersteckt, und es vor allem nicht persönlich auf sich zu beziehen. Ich kenne Felix Baumgartner nicht und er mich nicht. Er hat auch kein Interesse daran, wie ich aussehe. So etwas muss man sich dann vor Augen halten – und reagieren, wenn man genug Zeit hat und sich ­dafür gerade auch gut genug fühlt.

Milborn © Oliver Topf
TV-Journalistin Corinna Milborn (li.) sprach mit MADONNA-Redakteruin Julia Lewandowski.

Es ist also wichtig, abzuschätzen?
Milborn:
Ja! Ich habe lange gekellnert, und wenn man da auf jeden blöden Spruch reagieren würde, käme man nicht mehr zum Arbeiten. Aber man sollte schon das Selbstbewusstsein und Wissen haben,  dass man was kann und dass man sich nicht duckt. Das ist das Wichtige! Also entweder nicht darauf einsteigen oder kontern. Aber auf keinen Fall darf man sich in so einer Situation selbst infrage stellen. Denn das ist ein Machtspiel von Männern, die ein Weltbild von der untergeordneten Frau haben. Und die wahn­sinnig gereizt reagieren, wenn man sie infrage stellt, und mit persönlichen Beleidigungen zurückschlagen wollen. Das entspricht nicht unserer Welt, dementsprechend kann man ruhig scharf reagieren.  

Sind Sie Feministin?
Milborn:
Ja, natürlich. Feminismus bedeutet, dafür einzustehen, dass Frauen die gleichen Rechte und Chancen haben wie Männer. Ich weiß gar nicht, wie man sich nicht als Feministin bezeichnen kann.

Wie hat Ihre Familie auf die Causa reagiert?
Milborn:
Meine 17-jährige Tochter wollte eine böse Antwort schreiben, worauf ich noch meinte, dass das nichts bringe. Sie sagte aber, dass man mit solchen Leuten diskutieren müsse. Und da konnte ich ihr nur recht geben. Denn es geht auch darum, für die nächste Generation eine Welt zu schaffen, in der so etwas nicht hingenommen wird. Insofern lag es in meiner Verantwortung, zu reagieren.

Sie sind Mutter zweier Töchter – was möchten Sie ihnen vermitteln?  
Milborn:
Selbst- und Eigenständigkeit war mir immer besonders wichtig. Klar, bei der Dreijährigen ist es mit diesen Attributen noch nicht so weit, aber Luca (Anm.: 17 Jahre alt) ist schon total selbstbestimmt. Sie hat ihre eigenen Meinungen und streitet Sachen bis ins Letzte durch. Ich hoffe, dass das auch so ist, weil ich sie dazu erzogen habe – vor allem aber ist sie von sich aus so. Sie ist großartig.   

Was ist das Prägendste, wenn Sie an Ihre eigene Mutter denken?  
Milborn:
Dass meine Mutter mich eben dies gelehrt hat – Stärke und Selbstbewusstsein. Sie hat mir immer gesagt, dass ich alles machen kann, was ich will, und ist auch immer hinter mir gestanden. Ich merke, dass ich durch diese Haltung und ihre Liebe und Fürsorge ein unerschütterliches Fundament für mich mitnehmen konnte. Dafür bin ich ihr wahnsinnig dankbar.

CORINNA MILBORN

Karriere. Die 44-jährige  Politikwissenschaftlerin arbeitet seit 2003 im österreichischen Journalismus und ist seit 2014 die Informationsdirektorin der Sendergruppe Prosieben, Sat1, Puls4. Anfang April wurde sie außerdem zur Geschäftsleiterin befördert.

Privat. Die gebürtige Innsbruckerin hat zwei Töchter – die 17-jährige Luca und die dreieinhalbjährige Lilo. Milborn ist glücklich mit dem Tiroler Filmemacher Emanuel Danesch liiert.

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