Sommertalk mit Beate Meinl-Reisinger

"Bildung ist mein Herzens- Thema"

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Sommergespräch. Beate Meinl-Reisinger (37), Spitzenkandidatin der Neos, kämpft für mehr Chancengerechtigkeit. Und möchte dafür im österreichischen Polit-Apparat aufräumen. Der Talk.

Wenn es am  11. Oktober zur Wien-Wahl geht, möchten die Neos nichts unversucht gelassen haben, um ihr Wahlziel von sieben Prozent zu erreichen. Sie kämpfen um die Aufmerksamkeit der Wähler, wenn nötig auch mit populistisch angehauchten Sprüchen und Kampagnen. „G’scheite Kinder statt g’stopfte Politiker“ weckt Emotionen und soll den „roten Filz“ und die verstaubten Mechanismen der Politik anprangern.    
Interview. MADONNA sprach mit der 37-jährigen Spitzenkandidatin der Neos, Beate Meinl-Reisinger (37, Mutter zweier Kinder) über den pinken Wahlkampf, ihren Anta­gonisten HC Strache und dar­über, warum Bildung der wichtigste Ansatz für eine gerechtere Gesellschaft ist.  

Wie läuft der Wahlkampf für die Neos?

Beate Meinl-Reisinger: Sehr gut, es „wuselt“ in der Neosphäre. Wir sind glücklich, Woche für Woche immer mehr Volontäre dazuzubekommen.


In dieser Woche haben Sie Ihren Sechs-Punkte-Bildungsplan vorgestellt.
Meinl-Reisinger:  Bildung ist mein Herzensthema und auch der Grund, warum ich überhaupt aktiv geworden bin. Es ist ein Zukunftsthema, bei dem wir uns noch lange nicht an dem Punkt befinden, wo wir sein sollten. Der Frust ist groß, weil lange nichts weitergegangen ist. Und Fazit ist, dass diese ganze Problematik nur zu Lasten der Schüler geht, die Jahr für Jahr die Schulen verlassen und nicht einmal die schulischen Grundkompetenzen beherrschen.


Was sagen Sie zu dem Personenwechsel in der Arbeitsgruppe „Bildungsreform“?
Meinl-Reisinger:
Das ist lediglich ein „Hütchen-wechsle-dich-Spiel“. Ich denke, dass es den Eltern, Schülern oder Lehrern herzlich egal ist, wer in dieser Arbeitsgruppe sitzt. Vorrangig ist, dass wir zu Reformen kommen.


Erklären Sie kurz die sechs Punkte Ihres Bildungsplans.
Meinl-Reisinger:
Bildung soll von Anfang an ein Thema sein. Hier geht es um Kinderkrippen und Kindergärten. Und das nicht als Betreuungs-, sondern als Bildungseinrichtungen. Des Weiteren wünschen wir uns eine mündige, autonome Schule. Wir brauchen eine Vielfalt an Schulen, und die ist nur gewährleistet, wenn es eine Umstellung in der Schulfinanzierung gibt. Hier lautet das Stichwort: Freie Schulwahl ohne Schulgeld. Die Finanzierung soll weg von der Institution, hin zum Kind. Es braucht generell einfach mehr Geld für die Bildung. Und dieses Geld haben wir ja auch ausgehoben. 120 Millionen sind es, die in unserem aufgeblähten Polit-Apparat stecken. Es ist das teuerste politische System in Europa. Und wenn man diese Summe für die Bildung einsetzen würde, könnte jeder der 100.000 Schüler mit 1.000 Euro unterstützt werden. Ich will, dass jedes Kind eine Chance auf die beste Bildung bekommt. Denn in Wien gilt derzeit der Spruch: Sag mir, woher du kommst, und ich sage dir, was aus dir wird. Das ist weder fair noch gerecht.


Wie positionieren Sie sich in der Identität der Neos?
Meinl-Reisinger:
Ich bin keine Neoliberale. Meine Idee ist, dass Menschen die Mög­lichkeit geboten werden soll, etwas aus sich zu machen. ­Keiner kommt auf die Welt und sagt: „Ich will nichts machen.“ Ich rede aber nicht davon, dass das eine besondere Leistung sein muss, ein hohes Einkommen oder soziales Prestige. ­Jeder hat etwas in sich und möchte sich entfalten. Um das möglich zu machen, brauche ich Chancengerechtigkeit – und der Schlüssel dazu ist ­Bildung.   


Bei der Bildung beginnt und ­endet alles.
Meinl-Reisinger:
Ja, wir sind in einer digitalen  Zukunft angekommen, die Jobs verändern sich. Ich höre bei 1.-Mai-Reden, dass Roboter uns die Jobs wegnehmen, es herrscht eine große Angst. Dann bilden wir die jungen Menschen doch genau in diese Richtung aus. Wir gehen mit analogen Schritten in die digitale Zukunft – das geht sich nicht aus.


Für welche Werte stehen Sie und die Neos?
Meinl-Reisinger:
Wir haben sehr starke Kernwerte, beginnend mit einem Menschenbild, das uns sehr stark von anderen Parteien und insbesondere von der FPÖ unterscheidet. Jeder Mensch ist frei und gleich an Würde geboren – so steht es in der Menschenrechtskonvention und so gehen wir auch auf die Menschen zu. Wir würden niemals eine Politik auf dem Rücken gewisser Menschen- gruppen austragen. Wichtig ist auch die Freiheit. Dazu wurde ich sehr stark vom Mauerfall beeinflusst – es hat mich stark geprägt, als ich meine Mama weinend vor dem Fernseher gesehen habe. Die Nachhaltigkeit ist auch ein wichtiger Punkt für uns. Wir fühlen uns nicht nur als Sprachrohr der Jungen, sondern auch den ­kommenden Generationen verpflichtet. Und das in mehr als ökologischer Hinsicht. Da geht es um eine Reform sozialer Systeme. Wenn ich immer nur auf den nächsten Wahl­erfolg schaue und deshalb ­keine Reformen angehe, dann ist das keine nachhaltige ­Politik.


Ihre neue Plakatkampagne zeigt Heinz-Christian Strache, und Sie haben in einer Pressekonferenz auch die Frage gestellt, ob „er denn wirklich der Mann ist, der die Sprache der Bürger spricht“. Haben Sie nicht die Befürchtung, ihm dadurch eine weitere Plattform zu geben und damit die eigenen Inhalte in den Hintergrund zu rücken?  
Meinl-Reisinger:
Erstens: Wir werben sehr wohl mit eigenen Inhalten. Wie zum Beispiel bei „G’scheite Kinder statt g’stopfte Politiker“. Zweitens braucht es ja nicht uns dafür,  um Strache zum Thema zu machen. Hier muss man verstehen, wo ich herkomme. Ich bin groß geworden, als Haider an die Macht kam. Meine erste Erinnerung an die Wiener Politik war: „Wien darf nicht Chicago werden“.  Das war 1991. Die ­Sujets wiederholen sich. Und Lösungen werden keine geboten. Es gibt in der Bevölkerung einen großen Wunsch nach Veränderung. Auch nach Protest. Ich verstehe es. Wir sind auch wütend. Auf Politik, die nur mit sich selbst beschäftigt ist und die wie in einem Kastensystem ihre eigenen Leute versorgt. Es gibt zwei Parteien, die für Veränderung stehen – die FPÖ und wir. Und ich will nicht, dass Strache Bürgermeister wird. Ich möchte ein weltoffenes Wien, wo Menschen sich gerne ansiedeln,
um ihre Unternehmen zu ­gründen.


Was wissen eigentlich Ihre Kids  (Anm. der Redaktion: Beate Meinl-Reisinger ist Mutter zweier Mädchen, Alter: sechs und drei) über den Job der ­Mama?
Meinl-Reisinger:
Die Größere kann es erzählen, aber ich weiß nicht genau, ob sie es wirklich versteht. Die beiden sehen natürlich, dass ich gerade sehr beschäftigt bin. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn die beiden später mal sagen würden, „cool, dass du das gemacht hast, Mama. Cool, dass du aktiv warst und nicht nur von der Couch aus geschimpft hast.“

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