Allegra Curtis: Mein Leben auf Mallorca

Private Einblicke

Allegra Curtis: Mein Leben auf Mallorca

Bevor Allegra ihre Wahlheimat Spanien gegen den australischen Dschungel eintauschte, öffnete sie die Türen zu ihrem Haus und gab im Interview private Einblicke.

Was Allegra Curtis (46) im wahren Leben so liebt, ist ihr derzeit in der großen Dschungel-Show verwehrt: Luxus, Sicherheit und gemeinsame Abende mit Sohn Raphael (9). Die Schauspielerin/Maskenbildnerin/Buchautorin haust momentan nämlich auf einer Pritsche im australischen Urwald. Raphael macht es sich derweil am roten Sofa – gemeinsam mit seiner geliebten Oma, TV-Superstar Christine Kaufmann – bequem und verfolgt Tag für Tag das Treiben seiner Mutter und diverser deutscher B/C-Promis im RTL-Dschungelcamp.

MADONNA durfte Allegra Curtis vor ihrem Abflug nach Australien in ihrer Villa auf Mallorca besuchen. Im persönlichen Interview spricht die Single-Mum über ihren berühmten Vater Tony Curtis († 29. 9. 2010) und die Beziehung zu ihrer nicht minder berühmten Mutter Christine. Sie erzählt, wie sie lebt und wa­rum Mallorca ihre neue Heimat wurde.
 


Warum haben Sie sich nach vielen Jahren in Amerika ausgerechnet für Mallorca als Wohnsitz entschieden?
Allegra Curtis:
Das war eine spontane Entscheidung. Ich habe mit meinem Sohn in Miami gelebt – eine der gefährlichsten Städte der USA. Ich habe dort viele Dinge erlebt, die Gefahren für mein Kind gesehen. Letztendlich habe ich beschlossen, nach Mallorca zu kommen, auch weil meine Großmutter 40 Jahre hier lebte. Nach der Scheidung meiner Eltern (Anm.: Tony Curtis und Christine Kaufmann) schickte uns meine Mutter oft zu unserer Großmutter auf Urlaub, wenn sie am Theater spielte und sich nicht um meine Schwester (Anm.: Alexandra Curtis, 48) und mich kümmern konnte. Wir kamen oft hierher, und wenn ich danach zurück nach Amerika flog, blieben mir die Erinnerungen an diese Insel. Außerdem: Ich wollte zwar näher bei meiner Mutter sein, aber nicht in Deutschland.

Warum nicht Deutschland?
Curtis:
Ich mag das Meer und die Berge und wollte es so warm wie möglich haben.

Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
Curtis:
Ich bin Amerikanerin. Ich habe oft Heimweh und versuche, jedes Jahr hinzufliegen. Allerdings mag ich auch das Gefühl, Europäerin zu sein beziehungsweise diesen Teil von mir zu leben, denn meine Mutter ist Europäerin.

Wie gefällt es Ihrem Sohn?
Curtis:
Europa hat mehr Möglichkeiten und mehr Kultur, und ich denke, dass ich so auch eine Menge für meinen Sohn tue. Er spricht jetzt drei Sprachen. Mallorca ist außerdem ruhig, manchmal sogar langweilig, aber es ist auch ein Ort, an dem man sich nicht so viele Sorgen machen muss.

Sie haben lange Zeit Ihres Lebens in den USA bei Ihrem Vater Tony Curtis verbracht. Erzählen Sie etwas über Ihr Leben dort und das Verhältnis zu Ihrem Vater …
Curtis:
Ich war zwei, als sich meine Eltern scheiden ließen. Erst lebte ich bei meiner Mutter und sah meinen Vater nur in den Ferien. Ich empfand es immer als extrem schwierig, meinen Vater zu verlassen.

Lebten Sie mit Ihrer Mutter in Deutschland oder in den USA?
Curtis:
Zwischen zwei und sechs Jahren habe ich mit meiner Mutter in Deutschland gelebt. Ich war zu klein, um viel zu begreifen, aber ich erinnere mich an die Urlaube auf Mallorca. Ich erinnere mich bis heute, dass es sehr dramatisch für mich war, von meinem Vater getrennt zu werden, weil er und ich eine sehr spezielle Bindung hatten. Er sagte mir immer, dass ich von all seinen Kindern (Anm.: Er hat fünf Kinder aus drei Beziehungen) am meisten wie er sei.

Aber Ihr Vater bekam dann das Sorgerecht …
Curtis:
Ja, ich war sechs, meine Schwester acht. Entweder kam meine Mutter nach Kalifornien oder wir flogen zu ihr nach Deutschland. Ich fand es sehr schwer, von ihr getrennt zu sein. Aber mein Vater konnte uns finanziell ein besseres Leben bieten. Er hat mich nicht nur bedingungslos geliebt, er hat auch dafür gesorgt, dass ich die besten Schulen besuchte, in den schönsten Häusern wohnte und dass wir sicher waren. Er versuchte auf seine Art, ein guter Vater für uns zu sein. Er liebte uns auf eine verrückte Weise, aber er war ein freier Geist, und deshalb mochte ich seine Art, uns zu lieben. Ich dachte nie, dass etwas seltsam wäre oder beurteilt werden müsste, ich fand es lustig.

Sind Sie auch mit diesem freien Geist aufgewachsen? Würden Sie sagen, dass Sie viel mit Ihrem Vater gemeinsam haben?
Curtis:
Ja, ich würde sagen, ich habe einen sehr zynischen und spontanen Humor. Ich habe ein freundliches, liebendes Wesen wie er. Und ich kann ziemlich sauer werden, wenn man mich zu sehr reizt.

Würden Sie sich als Diva bezeichnen?
Curtis:
Ich glaube, jede Frau hat etwas von einer Diva in sich. Gerade wenn man so aufgewachsen ist wie ich, kann man nichts dagegen tun, aber ich würde sagen, ich bin zu 80 Prozent auf dem Boden geblieben. Mein Vater sagte immer zu uns: „Wisst ihr, egal wie ich euch aufgezogen habe, mit Geld und den Dingen, die ihr in eurer Welt habt, und den Leuten, die ihr getroffen habt – ihr seid nie besser als jemand anderer. Bleibt immer auf demselben Level, behandelt alle gleich, und haltet euch nie für jemand Besseren.“ Er war immer sehr freundlich und verständnisvoll. Er liebte es, die Menschen zum Lachen zu bringen. Ich bin nicht so, ich bin zurückhaltend und ein wenig unsicher.

Ihr Vater war nicht unsicher?
Curtis:
Nein, er sah immer in den Spiegel und sagte zu mir: „Sehe ich nicht wahnsinnig gut aus?“ Und ich sagte: „Ja, Daddy, du bist wunderschön.“ Er liebte das Leben, er liebte sich selbst. Ich habe sehr unterschiedliche Seiten von ihm gesehen. Er war, wie ich auch, sehr emotional. Und manchmal glaube ich, dass die Grausamkeit der Welt oder Ablehnung – Dinge, die wir alle kennen – problematisch für ihn waren. Wohl auch, weil er als sehr armer jüdischer Junge in der Bronx aufgewachsen ist. Er lebte praktisch in einem jüdischen Ghetto ohne Geld, und ich denke, das gab ihm den Ansporn, mehr werden zu wollen. Er wollte immer ein Star sein, schon als er 19 war und zur Navy gehen sollte. Er wollte auf Bildern sein, weil er unglaublich gut aussehend war. Sie steckten ihn in ein Studio, brachten ihm bei, richtig zu sprechen, zu fechten. Sie machten aus ihm einen Gentleman, sodass er eine Mischung aus einem perfekten Gentleman und einem wirklich zähen Bronx-Kind wurde. Ich kenne das von mir, wenn mich jemand aufzieht, dann sage ich: „Lass mich nicht die Bronx rauslassen.“ Ich habe das in mir, alle meine Geschwister sind so.

Stehen Sie in engem Kontakt mit Ihren Geschwistern?
Curtis:
Wir waren sechs Geschwister, ein Bruder ist gestorben. Jetzt sind wir fünf: ein Bruder und vier Mädels. Ich habe zu allen eine gute Beziehung, ich liebe sie alle gleich, aber diejenige, von der ich mich am meisten verstanden fühle, ist meine ältere Schwester Kelly. Sie war wie eine zweite Mutter.

Eine der bekanntesten Personen aus Ihrer Familie ist Ihre Schwester Jamie Lee Curtis. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihr?
Curtis:
Wir haben Kontakt, sie schickt jedes Jahr fantastische Weihnachtsgeschenke. Sie ist eine extrem beschäftigte Person. Sie ist jemand, den ich kenne, und wir lieben einander, aber wir stehen uns nicht so nahe.

Themenwechsel. Warum haben Sie sich entschieden, am „Dschungelcamp“ teilzunehmen?
Curtis:
Ich habe in meinem Leben so viel ausprobiert und so viel erlebt. Es ist eine neue Herausforderung.

So etwas haben Sie aber wahrscheinlich noch nicht erlebt?
Curtis:
Nein, aber das ist eine Seite von mir, die ich gerne mag, dass ich mutig bin und keine Angst habe. Ich finde nicht, dass ich zu gut für etwas bin, das ist bei mir das Bodenständige. Ich beurteile mich selbst nicht, und ich urteile nicht über andere, jeder hat seinen Grund, da hinzugehen. Ich mache es aber nur für mich, nicht um anderen etwas zu beweisen.

Und was ist mit so Prüfungen, wie Kakerlaken essen oder irgendwelche Geschlechtsteile von Tieren?
Curtis:
Für mich mit einem jüdischen Vater, der aber nicht den jüdischen Speisegesetzen gemäß lebte, würde ich sagen: Das ist nicht koscher. Aber wenn das ein Teil meiner Herausforderung ist, mache ich das für mein Team.

Sind Sie eine Teamplayerin?
Curtis:
Ja, zu 100 Prozent. Ich glaube, wenn man kein Teamplayer ist, kommt man nicht sehr weit im Leben.

Ihre Mutter Christine kümmert sich derweil um ihren Sohn Raphael. Wie ist das Verhältnis zu Ihrer Mutter?
Curtis:
Sie ist neben meinem Sohn die wichtigste Person in meinem Leben. Wir hatten nach der Geburt meines Sohnes eine kleine Krise, weil man als neue Mutter denkt, man weiß alles besser als die eigene Mutter …

Haben Sie sich gegenüber Ihrer Mutter durchgesetzt und Ihren Sohn so erzogen, wie Sie es für richtig hielten, oder haben Sie auf Ihre Mutter gehört?
Curtis:
Nicht wirklich. Ich bin nicht bei meiner Mutter aufgewachsen und hatte deshalb keine Erfahrungen, was Erziehung angeht. Ich musste mit meinen wenigen Kenntnissen das machen, was ich für das Beste hielt. Aber dafür ist mein Kind wunderbar gelungen. Aber um noch einmal auf die Beziehung zu meiner Mutter zurückzukommen: Wir lieben uns sehr. Sie ist vielleicht nicht so emotional wie mein Vater, sondern eher deutsch, also ein bisschen streng, aber sie ruft mich ständig an und kümmert sich um mich, wenn es mir nicht gut geht. Es ist eine ganz normale Mutter-Tochter-Beziehung.

Was bedeutet für Sie Glück?
Curtis:
Ich glaube, Glück heißt, mit sich selbst in Frieden zu leben, mit Leuten zusammen zu sein, die man liebt und die einen auch lieben und denen man vertrauen kann.

Haben Sie den Tod Ihres Vaters überwunden?
Curtis:
Nicht ganz. Es ist jetzt zwei Jahre her. Nach seinem Tod kam ich nach Mallorca zurück und habe mich für ein paar Monate in mein Haus zurückgezogen. Diese Person, die du über alles geliebt hast, ist einfach weg. Zudem sind noch verschiedene Sachen passiert (Anm. d. Red.: Erbstreit), durch die die Trauer bei mir rauskam, und woraufhin ich lange Zeit sehr traurig war. Es gibt Zeiten, in denen es mir gut geht, und es gibt Zeiten, in denen ich wochenlang denke, dass irgendwas mit mir nicht stimmt, aber jetzt kann ich wirklich erkennen, dass ich noch trauere. Er fehlt mir. Ich wünschte, er hätte noch ein paar Jahre gelebt. Er hätte so viel Spaß gehabt. Am Anfang, als es mir wegen seines Todes nicht gut ging, war er die erste Person, die ich gerne angerufen hätte, aber ich konnte nicht mehr. Seit etwa sechs Monaten geht es mir langsam besser …