Was macht eigentlich… Kathrin Nachbaur?

Ehemalige Team-Stronach-Chefin

Was macht eigentlich… Kathrin Nachbaur?

Zusammen mit Frank Stronach wollte sie einst viel in Österreich bewegen, doch Kathrin Nachbaur (39) hatte es nicht leicht: weder als Klubobfrau des Team Stronach, noch als sie dieses verließ und 2015 samt Mandat in den ÖVP-Klub wechselte (und so wohl die Haftung für Parteidarlehen verhinderte). Dass sie dennoch parteilos blieb, dürfte sie letztlich den Job als Politikerin gekostet haben. ­Dafür fand Nachbaur ihr Glück im Privaten: mit Lebensgefährte Christian Jauk (52), CEO der Grawe-Bankengruppe und Sturm-Graz-Präsident, mit dem sie inzwischen zwei Söhne (Sebastian, 3, und Ferdinand, 17 Monate) hat.


Obst, Gemüse & Medien statt Politik. Aber auch beruflich hat sich viel getan im Leben von Kathrin Nachbaur, die wir nicht grundlos in der beeindruckenden Glashauslandschaft des Bio-Obst- und Gemüseherstellers Frutura im steirischen Bierbaum treffen. Denn Nachbaur ist jetzt „quasi Bäuerin“, lacht sie fröhlich und erzählt, was es damit auf sich hat.    

Man hat Sie im letzten Jahr recht selten in der Öffentlichkeit gesehen. Was hat sich in dieser Zeit in Ihrem Leben getan?
Kathrin Nachbaur:
Ich war zunächst als Parteifreie im Klub der ÖVP. Natürlich ist es ein großer Unterschied, ob man sich als Klubobfrau äußert, oder als eine von 50 Abgeordneten. Weil das für mich als leidenschaftlich politischer Mensch irgendwie unbefriedigend war, habe ich die Wirtschaftsplattform Wirtschaftswunder.at gestartet, als kleine Medienunternehmerin sozusagen. Dafür habe ich viele Unternehmen im ganzen Land interviewt und gefragt, wie es ihnen geht, ob sie wertgeschätzt werden – und was wir in der Politik tun müssen, damit sie gerne weiterhin in Österreich als Unternehmer tätig sind und viele Arbeitsplätze schaffen. Es haben sich interessanterweise die Geschichten rund ums Arbeitsinspektorat gehäuft. Die Unternehmer erleben hier ja teils Abenteuerliches! Wenn es für die Betroffenen nicht so ärgerlich wäre, wäre es ja wirklich kabarettreif. Ein TV Sender hatte sogar meine Geschichten in der Show. Aber gerade, als ich im Parlament als Bürokratieabbausprecherin so richtig in Fahrt kam, kam es zur Neuwahl – und ich bin gleich am Beginn der Strecke stecken geblieben …


Was Ihr Aus in der Politik bedeutete …
Nachbaur:
Ich bin auf der Ersatzbank. Ich bin bei der Wahl als parteifreie Einzelkämpferin auf der Liste Kurz in der Steiermark angetreten. Es gab viele Unterstützer, vor allem Unternehmer, auch aus der Industrie – aber für ein Mandat hat es leider nicht gereicht. Eigentlich war es anders vereinbart, weshalb ich meinen Vorzugsstimmenwahlkampf ziemlich spät begonnen habe. Internationale Erfahrung ist aber scheinbar nicht so wertvoll, wie Parteizugehörigkeit. Ich weiß es bis heute nicht. Immerhin bin ich am nächstnachrückenden Platz.  


Dennoch ist jetzt mal Schluss mit der Politik – und wir haben uns hier für Ihr neues Projekt bei der riesigen Gemüseplantage von Frutura getroffen. Wie kam’s dazu?
Nachbaur:
Im Zuge meiner Interviews für Wirtschaftswunder.at habe ich auch Manfred Hohensinner kennengelernt, ein unglaublich toller Unternehmer hier in der Steiermark, der es trotz vieler bürokratischer und vor allem politischer Hindernisse geschafft hat, von einem kleinen Bergbauern zu Österreichs größtem Obst- und Gemüseproduzenten und -händler zu werden. Seine Firma Frutura beschäftigt heute rund 500 Mitarbeiter und hat einen Umsatz von circa 300 Millionen Euro. Das viel Wichtigere ist aber, dass Manfred Gewächshäuser gebaut hat, in denen er das Thermalwasser der Region so nutzt, dass hier ganzjährig die herrlichsten Tomaten, Gurken und Paprika wachsen können. So müssen wir weniger importieren, haben heimische Produkte und Arbeitsplätze. Diese Geschichte hat mich unglaublich beeindruckt. Er wiederum war davon begeistert, dass es endlich einmal einen Bundespolitiker gibt, der sich in positiver Art und Weise für sein Unternehmen interessiert hat.


Und so kam es zu einer Zusammenarbeit?
Nachbaur
: Manfred hat mich im Wahlkampf unterstützt und mir etwas später von einem neuen spannenden Projekt, für das er mich gewinnen wollte. Das Projekt heißt „Ich+“. Wir wollen die Menschen einladen und motivieren, sich gesund zu ernähren, sich gesund zu bewegen. Ein Stück Lebensphilosophie. Wir beliefern nun Betriebe, Büros und Unternehmen mit Obst- und Gemüsekisterl, die sie ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Eine Ernährungsumstellung kann das Leben derart positiv verändern, darum geht es uns jetzt: Die Menschen zu einem gesunden positiven Lebensstil zu inspirieren.

Aber inhaltlich ist das auch eine ganz schöne Umstellung für Sie selbst …
Nachbaur:
Ja, aber das ist für mich auch insofern ein wunderschönes Projekt, weil es um Nachhaltigkeit und um Gesundheit geht – und vor allem um die nächsten Generationen. Ich habe ja meine zwei Kinder, meine zwei Buben, die für mich das größte Glück auf der Welt sind und einfach alles bedeuten. Dazu passt das Projekt „Ich+“ perfekt und ich bin dankbar, dass ich helfen kann, das auf die Beine zu stellen.

Sie sagen über sich selbst, dass Sie jetzt „Bäuerin“ sind …
Nachbaur:
Das war natürlich eine leicht humorvoll überspitzte Formulierung. In erster Linie bin ich Mutter, dann kleine Medienunternehmerin und jetzt auch sehr im Thema Ernährung und Bewegung engagiert. Diese Aufgabe ist etwas richtig Bodenständiges – das ist schon ein ganz ein anderes Leben als in der Politik. Es geht um etwas Erdiges und etwas Ehrliches. (lacht) Und man hat hier mit bodenständigen Menschen zu tun und nicht mit Leuten aus der „hohen Politik“ in Wien oder Brüssel, wo oft so weltfremde Entscheidungen getroffen werden von Menschen, die noch nie einen normalen Job hatten.


Wären Sie Parteimitglied der ÖVP geworden, hätten Sie wohl weiterhin Politik machen können. Warum haben Sie sich dagegen entschieden?  
Nachbaur:
Ich will unabhängig sein. Ich will das vertreten, woran ich wirklich glaube. Ich hab kein Problem, mich in einer Gemeinschaft einzuordnen, aber ich will unabhängig und frei sein.


Haben Sie aus Ihrer Zeit beim Team Stronach und dieser gewissen „Abhängigkeit“ von Frank Stronach gelernt?
Nachbaur:
Es ist normal, wenn man einen Chef hat, dass der das Sagen hat, das ist logisch – das ist ja auch in der Privatwirtschaft so. Ich habe 13 Jahre lang in einem internationalen Konzern in der Privatwirtschaft gearbeitet und kenne das. Es sind eher andere festgefahrene Strukturen, in die ich mich nicht einbinden wollte.


Haben Sie Kontakt mit Frank Stronach?
Nachbaur:
Nein.


Er hat es Ihnen damals übel genommen, dass Sie in den Parlamentsklub der ÖVP wechselten. Haben Sie sich je ausgesprochen? Immerhin verbindet sie eine jahrelange Freundschaft …
Nachbaur:
Ich möchte die Zeit überhaupt nicht missen. Ich habe sehr viel gelernt und viel mitgenommen – ich habe auch viel gegeben, viel Herzblut hineingesteckt. Es hat halt leider nicht so funktioniert, weder so wie ich mir das vorgestellt hatte, noch wie er sich das vorgestellt hatte … Mein Abgang hatte gute Gründe, aber ich möchte lieber von der Gegenwart und der Zukunft sprechen.


Sie sind inzwischen zweifache Mutter – inwiefern hat diese Rolle Ihr Leben verändert?
Nachbaur:
Ausschließlich zum Besseren. Es ist einfach herrlich, wenn man Kinder hat, wenn einen diese Augen in der Früh anstrahlen, erwartungsvoll, was der Tag bringt und wenn sie dann am Abend erschöpft neben dir in ihr Bettchen einsinken und von Erlebnissen träumen und zehren. Wie wir es heute hatten mit der Fahrt mit dem Traktor. Gerade als Mutter bin ich froh, dass ich in so wichtige Bereiche hinein durfte wie in die Politik, um hier etwas zu gestalten für die nächste Generation. Und jetzt eben mit dem neuen Projekt … das passt perfekt.


Sie leben nun mit Ihrem Lebensgefährten Christian Jauk und Ihren Kindern in Graz – vermissen Sie Wien manchmal?
Nachbaur:
Ich bin immer noch regelmäßig in Wien und liebe diese Stadt. Aber ich liebe noch mehr die Steiermark und Zeit am Land zu verbringen, ist vor allem für die Kinder schön. Ich mag die Mischung zwischen urbanem Leben und dem Leben am Land – und das ist in Österreich wunderbar möglich.


Ihr Lebensgefährte ist nicht nur CEO der Grawe-Bankengruppe, sondern auch Präsident des Fußballvereins Sturm Graz. Sind Sie zum Fußballfan geworden?
Nachbaur:
Fußballinteressiert war ich immer schon, aber natürlich hat mich Christian richtig mitgerissen. Sturm ist mehr als nur Fußball, das ist eine Lebensphilosophie und das emotionale Highlight in der Steiermark. (lacht) Fußball füllt neben den Kindern auch sehr viel unserer wertvollen Freizeit – es ist also ein Glück, dass ich eine Begeisterung dafür habe.


Zurück zur Politik: Wäre es für Sie denkbar, eines Tages wieder als Politikerin zu arbeiten oder möchten Sie das gar nicht mehr?
Nachbaur:
Sag niemals nie. (schmunzelt)

Wäre ein Ministerposten immer noch ein großer Traum von Ihnen? À la Elisabeth Köstinger, die ja auch jung und bald Mama ist …
Nachbaur:
Für mich wäre das jetzt mit meinen zwei kleinen Buben ausgeschlossen, aber das soll jede Frau und Familie für sich selbst entscheiden. Ich möchte meine Buben solange sie klein sind selbst betreuen, denn diese Zeit vergeht ohnehin so schnell. Die ersten Jahre sind laut Wissenschaft die prägendsten und diese Zeit möchte ich ihnen und mir jedenfalls schenken.

Ihre Regierungs-Bilanz aus der Ferne?
Nachbaur:
Mir gefällt der neue Stil und mir gefällt das schwarz-blaue Regierungsprogramm außerordentlich gut. Es findet sich ja vieles wieder, zu dem wir damals mit dem Team Stronach den Ankick gegeben haben, vor allem im Wirtschaftsprogramm sehe ich viele Parallelen. Deshalb bin ich dann ja letztlich auch unter der Flagge Team Kurz gelaufen. Doch die bewusste Entscheidung, nicht Mitglied zu werden, bereue ich zumindest bis heute nicht.

 

Zur Person
Karriere. Die gebürtige Grazerin arbeitete viele Jahre für Frank Stronach bei Magna ­International, baute mit ihm das Team ­Stronach auf, dessen Klubobfrau sie von 2012 bis 2015 war. Nach internen Querelen wechselte Kathrin Nachbaur in den ÖVP-Parlamentsklub, fungierte jedoch ohne Parteimitgliedschaft als NR-Abgeordnete. Nach den NR-Wahlen schied sie am 7. 11.2017 aus.
Privat ist die 39-Jährige seit mehreren Jahren mit Sturm-Graz-Präsident Christian Jauk (52) liiert. Sie haben zwei Söhne.
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