Sonja Kirchberger zieht in MADONNA blank

Das große Interview

Sonja Kirchberger zieht in MADONNA blank

Lange Zeit nervte es sie. „Heute bin ich stolz darauf“, sagt Sonja Kirchberger (53) und meint damit den Titel „Venusfalle“, den sie seit dem 1988 erschienenen legendären Erotikstreifen von Regisseur Robert van Ackeren nie mehr losbekam. Das Erfolgsgeheimnis ihres unvergess­lichen Auftritts als laszive Coco beschreibt die zweifache Mutter (Lee Oscar, 19, und Janina, 31) heute so: „Ich hatte gerade eine Trennung hinter mir, fühlte mich in meinem Körper gar nicht wohl – genau diese Unsicherheit erkannte Robert als das, was den Film erotisch, aber nicht Porno machte.“ Unsicherheit? Wir fragen nach – schließlich wurde Kirchberger damit zur Traumfrau Tausender Männer, die bis heute von ihr schwärmen. „Klar war damals alles etwas straffer – aber heute fühle ich mich weit wohler und sinnlicher.“  

Venusfalle im Öl. Woran das liegt, erzählt die gebürtige Wienerin, die seit vielen Jahren auf Mallorca lebt, im großen MADONNA-Interview anlässlich der Präsentation ihres neuesten Herzensprojekts: Sonja, die neben der Schauspielerei zusammen mit ihrem 14 Jahre jüngeren Freund Daniel das entzückende Restaurant „Can Punta“ im Hafen von Molinar führt, produziert jetzt Olivenöl. „Kirchberger cien por ciento“ (100 Prozent Kirchberger) steht auf der eleganten Flasche, von der es zunächst nur 800 gibt. Eine öffnete die „Venusfalle“ dennoch für uns – und goss sie beim sinnlichen Fotoshooting ganz einfach über ihren Traumbody. Das Interview.

Sonja Kirchberger © Kernmayer

Sie haben gerade Ihr eigenes Olivenöl auf den Markt gebracht. Was verbinden Sie persönlich mit Olivenöl?
Sonja Kirchberger:
Eigentlich meine Kindheit: Momente, in denen wir in Italien auf Urlaub waren und ich so verzweifelt war, weil ich das nicht essen wollte, was meine Eltern für uns bestellt haben. Ich erinnere mich, dass ich nur Olivenöl mit Brot gegessen habe und bis heute liebe ich das. Ich gehöre zu einer Generation – oder vielleicht ging es anderen Kindern anders –, die nicht selber bestellen durften, was sie wollten. Ich verbinde aber mit Ölen generell auch, dass sie etwas Reichhaltiges, Nahrhaftes sind, das gesund und schön macht. Ich glaube, dass unser Körper Fette braucht – natürlich gesunde, das ist immer das Missverständnis …


Sie sagen, Sie mussten essen, was Ihre Eltern wollten. Ein Grund dafür, dass Sie schließlich Ihr eigenes Lokal und das Essen zu Ihrer Passion gemacht haben? Weil Sie sich die Lust am guten Geschmack selbst erarbeitet haben?
Kirchberger:
Ich glaube, die Wahrheit liegt in der Mitte. Meine Mutter hat uns – ich kann sagen – vegan – das Wort gab es damals noch nicht einmal – also fleischlos, ohne Milchprodukte und ohne Zucker erzogen. Das hatte damals zum Resultat, dass ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe, weil ich das als Defizit empfand. Dabei war meine Mutter durchaus ihrer Zeit voraus: Sie hatte ein Feld gepachtet, um ihr eigenes Gemüse anzubauen, hatte Seifenlauge angelegt, damit sie keine aggressiven Waschmittel verwenden musste … was sie und uns damals natürlich zu Sonderlingen machte. Das hat mich dazu gebracht, mir schon ganz früh den Kopf zu zerbrechen, wie es anders auch gehen könnte. Dass man sich gesund ernährt, aber nicht auf alles verzichten muss. Und so habe ich alles ausprobiert und das Kochen wurde zu meiner Passion.

Cien por ciento – 100 Prozent – steht dafür, dass Kirchbergers Olivenöl nicht nur 100 % bio ist, sondern auch von ihr selbst in harter Arbeit produziert wird. Zwei Jahre hat es gedauert, bis sie alle Zertifikate hatte, 800 Flaschen sind am Markt.  Bei Top-Koch Marco Simonis (marco-simonis.com) ist es ab sofort erhältlich.
Sonja Kirchberger © Kernmayer

Mit Ihrem Lokal haben Sie sich einen Traum erfüllt. Warum hören Sie dennoch nicht mit der Schauspielerei auf?
Kirchberger:
Oh, nein! Ich drehe noch immer so wahnsinnig gerne! Das habe ich in den fünf Jahren gemerkt, in denen ich weniger vor der Kamera stand. Und was mir noch mehr fehlt, ist die Bühne. Da habe ich auch wieder Pläne, wieder mehr zu machen. Ein Leben ohne das Schauspiel kann ich mir gar nicht vorstellen. Aber ich muss zugeben, dass ich mir den Spagat zwischen Restaurant und Schauspielerei einfacher vorgestellt habe. Das habe ich  wirklich unterschätzt.


Letztlich geht es bei der Schauspielerei darum, ein Publikum zu haben … brauchen Sie das?
Kirchberger:
Es gibt zwei Gründe für mich: Jeder Schauspieler wird gerne gesehen, sonst würden wir ja zuhause im dunklen Kämmerchen spielen. Aber es geht auch darum, dass ich durch meinen Beruf das Glück habe, in andere Charaktere, mit fremden Namen und in deren Schicksal, eintauchen zu dürfen. Je tiefer ich eintauche, desto mehr gehe ich auf eine Reise, die sehr erfolgreich sein kann oder auch nicht angenommen wird. Aber diese Reise ist toll, weil wenn man sich ohne Netz und ohne doppelten Boden darauf einlassen darf.


Aber Sie lieben doch auch das Risiko …
kirchberger:
Ja, man muss auch immer wieder aufstehen. Versuch und Versagen machen den Erfolg – aber was bedeutet Erfolg? Primär geht es darum, dass man auf sein Herz hört. Wir alle müssen Geld verdienen, auf der anderen Seite ist Geld aber eine Wertschätzung, ein Tauschmittel, und wenn man die Werte hinter Geld erkennt, gute Schulausbildung für Kinder, Teilen mit Freude, … dann ist Geld als Tauschmittel etwas Wunderbares. Ich muss und verdiene auch gerne mein Geld. Ich bin auch immer, was das betrifft, einen sehr unbequemen Weg gegangen, weil ich immer wieder alles auf eine Farbe gesetzt habe, ob es mein Umzug nach Mallorca war oder die Eröffnung meines Lokals. Mein  Olivenöl ist ein Herzensprojekt. Das darf man nicht wegen des Geldes machen. Immer wieder etwas Neues zu probieren, beinhaltet natürlich auch, dass man immer wieder mal stürzt und vielleicht auch mit blutiger Nase aufsteht, aber ich glaube, die Komfortzone ist nicht mein Wohlfühlbereich.

Welchen Luxus leisten Sie sich?
Kirchberger:
Also, wenn ich wirklich über meine persönlichen Verhältnisse lebe, dann ist das in Sachen Restaurants und Weine. Ich habe ein schönes Zuhause, aber alles in einem Rahmen, der mir niemals Angst einjagen muss. Aber wenn es darum geht, gut essen zu gehen, lebe ich definitiv über meine Verhältnisse (lacht).

In diesem Jahr feiert die „Venusfalle“ 30-Jahr-Jubiläum. Würden Sie sich ab und zu gerne in diese Zeit zurückbeamen?
Kirchberger:
Nein und ja. Nein, weil das heißen würde, mich in meine Unsicherheiten zurückzubeamen, in mein Gefallen-Wollen, in meinen Anspruch an mich selbst, der zu unerreichbar war. Das war so eine perfide Mischung aus nie mit sich selbst zufrieden zu sein, sich nicht auf die Schulter klopfen zu können und zu sagen:  „Das war gut.“ Aber zum Glück entwickelt man sich weiter – deswegen glaube ich, die schönste Reise im Leben eines Menschen ist die Reise zu sich selbst. Wir alle sind die Summe von Schule, Erziehung, Religion, Gesellschaft, erster Liebe, erstem Liebeskummer, Freunde, die es gut meinen, und gedachte Freude, die es weniger gut gemeint haben, aber wer bin ich wirklich? Zwischen 20 und 30 geht man davon aus, das zu 100 Prozent zu wissen. Mit 30 bröckelt die Fassade dann und man denkt: „Moment, ich rede noch immer irgendwelche Glaubenssätze nach, an die ich gar nicht mehr glaube.“ Und dann kommt eine Reise, die ungemütlich ist, aber ich habe ja mit dem Unbequemen kein Problem. Ich merke jetzt mit 53, dass viele Menschen noch Angst haben vor der Reise zu sich selbst. Ich habe die Reise begonnen, bin aber auch noch nicht angekommen, ich glaube, dass ich nie ganz ankommen werde, weil ich immer wieder etwas Neues in mir entdecke. Aber ich bin dort angekommen, wo ich diese Frau, diesen Körper, in dem sie steckt, auch wenn er nicht mehr so aussieht wie vor 30 Jahren, sehr, sehr mag. Was das Schönste und gar nicht das Irritierendste daran ist, dass ich ihn so viel mehr mag als vor 30 Jahren. Ich mag diesen wunderbaren Satz aus dem Film „Klassentreffen“, den ich gerade gedreht habe: Die einzige Alternative zum langen Leben ist das Älterwerden.  Es ist ein Geschenk, älter zu werden. Und ich will wirklich alt werden. Ich möchte gut aussehen, weil ich ein eitler Mensch bin, aber ich möchte nicht in der falschen Liga spielen. Es geht mir nicht darum, dass ich jünger aussehe, überhaupt nicht. Ich möchte gut und frisch aussehen, ich möchte, dass meine Seele, mein sonniges Gemüt anzusehen ist, das ist mir ganz wichtig.


Macht das eine Frau sinnlich?
Kirchberger:
Definitiv. Eine sinnliche Frau ist natürlich eine gepflegte Frau, das ist aber auch eine Frau mit Humor und ­darüber hinaus eine Frau, die über sich selbst lachen kann. Biestigkeit macht wirklich hässlich, auch wenn man linear von außen perfekt sein sollte. Den Stolz einer Frau, die in Richtung Herbst geht, aber diese Vielfalt der Blätter zeigt, finde ich großartig. Und alles ist  möglich: Ich bin mit einem jüngeren Mann zusammen und bin seit sechs Jahren immer die Älteste im Freundeskreis (lacht), aber das macht doch nichts! Man muss das auch aussprechen dürfen, Scherze darüber machen dürfen. Alles andere wäre verlogen.

Brauchen Sie dennoch ab und zu Bestätigung von Ihrem Freund, dass er Sie schön findet?
Kirchberger:
Sicher, aber ich brauche viel mehr sein und unser gemeinsames Lachen morgens. Ich mag mich so, wie ich bin. Wenn ich mich nicht mag, hat es nichts mit meinem Spiegelbild zu tun, sondern mit ganz anderen Dingen, wo ich mir vielleicht mehr erwartet hätte von mir.

Gab es denn Zeiten, in denen Sie jünger aussehen wollten?
Kirchberger:
Jünger nein, aber anders. Ich war ja Tänzerin und habe aufgehört, als ich mit meiner Tochter schwanger war. Ich war dann in einem Körper, den jeder gut fand, außer ich, weil ich habe mich eigentlich nach einem kleinen, androgynen Körper gesehnt. Mein Spiegelbild hat anders geantwortet und da war ich sehr unzufrieden. Deswegen habe ich dazu geneigt, immer Jeans und T-Shirts zu klein zu kaufen, es war immer alles zu klein – aber sich selbst nicht anzunehmen ist ja auch ein Gefühl von „sich klein fühlen“.

Hat das auch zu Problemen in Ihren Beziehungen geführt?
Kirchberger:
Ich habe immer offen über das geredet, was ich an mir nicht mag. Ich habe dabei auch immer gewusst, ich rede da jetzt nur von Äußerlichkeiten. Und obwohl ich nie die ganze Konzentration auf das Äußerliche gelegt habe, war es trotzdem immer sehr schön für mich, begehrt zu werden. Ich finde es toll, begehrt zu werden. Eine Frau muss begehrt werden und man muss dieses Begehrtwerden pflegen, auch ein Mann will begehrt werden. Und wenn man nicht mehr in der Lage ist, das aufrechtzuerhalten, ist das meistens der Anfang vom Ende. Zumindest für mich. Es gibt ja so viele Beziehungs­formen. Aber ich möchte bis zu meinem letzten Tag begehrt werden und zwar von meinem Mann.

Und wie muss er Ihnen zeigen, dass er Sie begehrt?
Kirchberger:
Es gibt ein ganz einfaches Rezept. Ich habe meinem Liebsten schon in den ersten Phasen gesagt: „Vergiss nie, wie du mich jetzt anschaust. Diesen liebevollen Blick will ich immer von dir haben.“ Ich behaupte ja, hätten wir alle ein Ablaufdatum für unsere Beziehung in der Hand, würden wir uns viel stärker anstrengen und die gemeinsame Zeit mehr schätzen. Ich habe das Gefühl, dass wir uns jeden Tag aufs Neue füreinander entscheiden. Somit ist die Freiheit der Entscheidung ­jeden Tag noch einmal da. Ich glaube, das hilft sehr, damit man nicht in diesen Beziehungstrott reinfällt – der ist tödlich. Und Männer jagen so gerne, dann sollen sie die eigene Frau jagen! Das ist ein guter Mann.

Was macht einen „guten Mann“ für Sie noch aus?
Kirchberger:
Dass er anpacken kann. Mein Mann fährt Traktor – ich glaube, er könnte ein ganzes Haus bauen. Das finde ich fantastisch. Das macht, finde ich, unfassbar männlich. Ein Mann, der gepflegt ist, aber auch anpacken kann. Ich finde Männer nicht sinnlich, die sagen: „Ich kann nicht einmal einen Nagel in die Wand schlagen.“

Kirchberger © Kernmayer

Und darf er Gefallen an anderen Frauen ­finden?
Kirchberger:
Ein Mann, der blitzartig erblindet gegenüber anderen Frauen, nur weil er jetzt in einer Beziehung ist, dem glaube ich erst einmal schon nicht. Sogar ich als Frau liebe schöne Frauen. Ich würde mich so ärgern, wenn ich einen Mann hätte, der die Schönheit der Frauen nicht mehr sieht. Das ist unsinnlich. Ein Mann muss Frauen lieben. Damit respektiert er sie, zwischen Mann und Frau muss es auch zischen, da muss es einen guten Dialog geben, einen Witz, das ist auch für die eigene Beziehung wichtig. Wenn mein Mann nett zu meinen Freundinnen ist, wenn er die toll findet, gibt er mir wieder Anlass, mich neu in ihn zu verlieben.

Sind Sie gar nie eifersüchtig?
Kirchberger:
Nein. Menschen missverstehen das aber. Man hat eine Verabredung und an die hält man sich. Das entwickelt sich in den ersten Wochen und Monaten, meistens sogar eine nonverbale Verabredung. Ich würde mich auch weigern, mich dazu hinreißen zu lassen, meinen Mann an diese Verabredung zu erinnern. Wenn man die Balance nicht mehr halten kann, gibt es drei Möglichkeiten: Annehmen, verändern oder gehen. Wenn die ersten beiden nicht funktionieren, dann muss man gehen und Trennungen gehören zum Leben. Ich finde Trennungen nicht dramatisch. Ich finde nur die Art und Weise, wie sich Menschen trennen, kann entwürdigend sein. Es gibt eines, das du dem Menschen nie nehmen darfst – und das ist die Würde.

Sie sagen, Sie lieben Frauen, finden Sie auch sehr sexy – haben Sie sich je von einer Frau sexuell angezogen gefühlt?
Kirchberger:
Nein. Frauen sind sinnlich, sexy, erotisch, so unfassbar farbenfroh, interessant. Eine schöne Frau verschönert auch mir den Tag. Und was ist schön? Eine Frau, die gerne Frau ist, eine Frau, die über sich lachen kann, eine Frau, die sich selbst sexy findet, eine Frau, die mit anderen Frauen kein Problem hat. Aber körperlich war das nie eine Option für mich.

Sie sind leidenschaftliche Mutter. Ihre Kinder sind erwachsen, aus dem Haus. Vermissen Sie sie?
Kirchberger:
Unfassbar. Es war sehr schwer für mich, loszulassen – ich war ja ab meinem 20. Lebensjahr Mutter. Und wenn es der liebe Gott gewollt hätte für mich, hätte ich jedes Jahr ein Kind bekommen. Aber es hat nicht sein sollen. Dieses Chaos, lautes Kindergeschrei im Haus … ich finde kinderreiche Familien ganz toll. Es gibt keine schönere Unordnung als die eines kinderreichen Haushalts.

Sind Kinder für Daniel ein Thema? Sie könnten ja vielleicht eines adoptieren …
Kirchberger:
Nein, das ist gar kein Thema für uns. Das hat sich gut gefügt, weil Daniel das überhaupt nicht in seinem Lebensplan hat, auch nie hatte. Ich würde schon ein Kind adoptieren – ich würde diesen Schritt nie gehen, wenn er das nicht möchte.  Das würde unsere Beziehung belasten. Ich habe Kinder – und wir eine traumhafte Beziehung, die genau so gut ist, wie sie ist.

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