So gelingt die Beziehung

Paartherapeuten verraten:

So gelingt die Beziehung

Parship, Elite und Tinder boomen – dennoch gibt es so viele Singles und Mingles, wie nie zuvor. Es scheint, als wäre das Modell „bis dass der Tod euch scheidet“ in diesem Jahrtausend endgültig und großartig gescheitert. 
 
Zwei, die dennoch an stabile Beziehungen und an die Liebe fürs Leben glauben, sind die Paartherapeuten Stefanie Körber und Stefan Pott, die im Palais Pallavicini in Wien eine gemeinsame Paar- und Beziehungsberatung führen. Das Ehepaar macht im neuen Buch „Liebesgeflüster“ (erschienen im Ueberreuter-Verlag um 19,99 Euro) Mut, sich auf eine liebevolle Beziehung einzulassen, analysiert „Geber- und Nehmerherzen“ und entlarvt anhand konkreter Beispiele Scheinwelten von vorgeblich perfekten Paaren. 
 
Herr Pott, woran lässt sich, Ihrer Erfahrung nach, am ehesten deuten, dass die Beziehung eigentlich vor dem Aus steht? 
Stefan Pott: Das Kennzeichen, dass eine Beziehung wirklich vorüber ist, ist das gänzliche Fehlen von Gemeinsamkeiten. Nicht nur der äußerlichen Gemeinsamkeiten, sondern auch der inneren Gemeinsamkeiten. Dann hilft auch Reden nicht mehr. Wenn sich Paare nur noch anschweigen oder Nichtigkeiten erzählen, dann ist das die Vorhut des nicht mehr Teilens. 

Sie sprechen da wahrscheinlich jene Ehepaare an, die einander in Restaurants gegenüber­sitzen und nicht mehr wissen, was sie miteinander sprechen sollen … 
Pott: Noch schlimmer: Sie schauen beide in ihr Handy!

Wie alarmierend ist denn ein Seitensprung? 
Pott: Ultra-alarmierend natürlich. Aber ich würde sagen, zu einem Großteil ist es auch ein Hilferuf und ein Alarmschrei. Ganz oft ist es eine Art sich Luft zu verschaffen, weil man beim Partner mit seinem Interesse nicht mehr landen kann. Es ist oft so: Ich will eigentlich mit dir reden, du kümmerst dich aber nicht – dann geh ich halt fremd! 
 
Kann ein Seitensprung auch heilend sein?
Pott: Ja, aber nicht oft. Wenn jemand vom anderen beispielsweise seelisch unterdrückt wird, keine Anerkennung bekommt, kann ein Seitensprung ein Funken zur Wertschätzung sein, der Gold wert ist. Ein Seitensprung ist dann wie ein 
Defibrillator, der aber natürlich die Frage noch nicht klärt, wie es jetzt eigentlich weitergehen soll.
 
Was macht eine funktionierende Beziehung aus?
Pott: Dass man Herzsachen austauscht, herzlich miteinander umgeht. Ein Paar, dass seine Ängste bespricht, seine Träume, sich aufmerksam auf der Herzebene berührt, das kommt oft mit wenigen Worten aus. Das ist eine gute Beziehung und die hält auch.   
Gibt es auch eine funktionierende Beziehung ohne Sex?
Pott: Sie können funktionieren. Aber das ist so, als hätte man ein Arbeitsverhältnis, in dem man funktioniert. Man macht Dienst nach Vorschrift. Aber eigentlich sollte man seinen Job ja lieben. Und in der Liebe ist es genauso. Es ist ein Unterschied, ob Sie in den Job reingehen, um ein Gehalt zu bekommen oder weil Ihnen nichts Besseres einfällt, oder ob Sie Ihren Job mit Leidenschaft und gerne tun. So ist das auch mit einer Beziehung. In einer funktionierenden Partnerschaft haben Sie natürlich auch Sex. Eine Beziehung ohne Sex ist Alarmzeichen Nr. eins.  
 
Frauen zwischen 60 und 65 trennen sich sehr häufig, entnehme ich Ihrem Buch.
Pott: Ja, man hat noch 20 Jahre vor sich. Die Kinder sind aus dem Haus. Und jetzt sagen viele Frauen: Das werde ich mir mit diesem Menschen nicht mehr antun, ich werde noch mal lieben. Die Männer sind in der Pension ja auch wirklich furchtbar. Wenn Männer ihren Beruf verlieren, bleibt für viele nicht mehr viel übrig. Diese Generation hat ihre Kinder vernachlässigt, ihre Frau für selbstverständlich genommen, keine Freunde außer Geschäftsfreunde. Wenn dann der Beruf wegfällt, sind das unbedeutende, von niemandem wirklich vermisste … 
 
… Zombies!?!
Pott: Das sind jetzt ihre Worte (lacht). Das sieht man dann auch in den Urlauben, am Kreuzfahrtsschiff. Viele ganz Arme, dick Werdende, Unattraktive, der sexuelle Teil fällt auch weg. Was soll eine jung gebliebene, mit den Kindern ein sympathisches Verhältnis pflegende, 65-jährige Frau mit einem Dicken, der immer noch von der Firma erzählt, wie vom Krieg … Der langweilig ist, der sich nicht gebildet hat, der keine soziale Kompetenz hat und im Bett nichts mehr hermacht, was soll die? Da gibt es ein großes Gefühl von: Das ist mir nicht genug. Und die Männer kriegen die Rechnung präsentiert!   

Was sind denn die kritischen Phasen einer Beziehung?
Pott: Wenn das erste Kind kommt, mit dem Kind kommt die Erinnerung an die eigene Kindheit wieder. Sie werden auf eine gewisse Art auch wieder Kind. Und das verändert ein Liebespaar vollständig. Oder wenn die Kinder aus dem Hause gehen, da haben sich dann alle funktionale Themen erledigt. Oder wenn Frauen oder Männer mehr wollen, sich nicht verstanden fühlen.
 
Ist man als Single glücklicher?
Pott: Nein. Hinter den Single-Karrieren verbirgt sich tatsächlich ein tiefer ungebrochener und immer wiederkehrender Beziehungswunsch. 
 
Was halten Sie von Parship, Elite, Tinder & Co.?
Pott: Das sind Kontaktchancen, die wir uneingeschränkt empfehlen. Ganz wunderbar, auch für ältere Generationen. Auch hier ein gepflegtes ­Publikum. Alles, wo die Liebe 
wartet, ist gut!
 
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BUCH © VERLAG
Liebes Erklärung. Von den Paar-­Therapeuten Stefanie Körber und Stefan Pott, im Ueberreuter Verlag um 19,99 Euro.
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