Margarete Schramböck im MADONNA-Talk

"Frauen Mut machen"

Margarete Schramböck im MADONNA-Talk

Schwer fiel Margarete Schramböck (47) der Umstieg in die Politik nicht: „Es ist nicht so viel anders“ als ihr letzter Job, verrät sie im MADONNA-Talk. Tatsächlich hat Schramböck eine beeindruckende Vergangenheit als Managerin hinter sich – ihr Lebenslauf liest sich wie ein Who’s who der Top-Unternehmen der IT- und Telekom-Branche: Alcatel, NextiraOne.

Schließlich wird sie noch A1-Chefin, ehe Sebastian Kurz (VP) sie als Wirtschafts- und Digitalministerin in die Regierung holt. Als solche hat die sympathische und stets gut gelaunte Neo-Politikerin große Pläne: Österreich soll Vorreiter in Sachen Digitalisierung werden und Frauen sollen dabei eine wichtige Rolle spielen.

Wie läuft der Wechsel von der Privatwirtschaft aufs politische Parkett bislang?

Margarete Schramböck: Ich freue mich sehr, dass ich gefragt worden bin, und habe es auch sehr schnell für mich entschieden. Der Wechsel in die Politik deshalb, weil es so ein besonderes Team ist, eines, das ganz neu zusammengesetzt ist – mit vielen Fachexperten. Das war für mich ein wichtiger Grund. Meine Hauptmotivation ist es, etwas für Österreich voranzubringen. Dazu möchte ich meine 22 Jahre Berufserfahrung in der IT und Telekombranche einfließen lassen.

Das heißt, der Kanzler musste nicht lange Überzeugungsarbeit leisten?
Schramböck:
Nein, es ist sehr schnell gegangen. In dem Moment, als er mich angerufen hat, habe ich gleich Ja gesagt.

Nun ist die türkis-blaue Regierung begleitet von viel Kritik ins Amt gestartet. Hatten Sie in Ihrem Umfeld wegen der Regierungsbeteiligung der FPÖ mit Kritik zu kämpfen?
Schramböck
: Nein, gar nicht.

Wie halten Sie es mit der FPÖ?
Schramböck:
Ich habe die Regierungskollegen bei der Regierungsklausur kennengelernt, dort sind wir gemeinsam in den Arbeitsmodus gekommen. In meinem Bereich ist das Infrastrukturministerium besonders wichtig – gemeinsam werden wir viele Themen vorantreiben. Ich habe eine Querschnittsfunktion, denn Digitalisierung und Wirtschaftsstandort – das betrifft ja alle Lebensbereiche. Ich erlebe die FPÖ da als sehr konstruktiv.

Was können Sie aus Ihrer Vergangenheit als Managerin in den Polit-Job mitnehmen?
Schramböck:
Es ist nicht so viel anders. Ich verstehe mich als Dienstleister, und Aufgabe meines Ministeriums ist es, das Leben so leicht wie möglich zu gestalten. Da haben wir zwei Zielgruppen: die Bürger, denen wir durch die Digitalisierung das Leben erleichtern wollen, und natürlich die Unternehmen, die wir durch die Stärkung des Wirtschaftsstandorts weiterbringen wollen. Diese zwei Themen hängen so stark zusammen, weil Digitalisierung einer der wichtigsten Faktoren für Wirtschaftswachstum ist und damit Arbeitsplätze und Wohlstand bringt. 

Wie stellen Sie sich das digitale Österreich im Jahr 2022, wenn die Legislaturperiode vorbei ist, denn vor?
Schramböck:
Wir müssen den Plan umsetzen, Österreich an die digitale Spitze zu bringen. Da sind wir in manchen Bereichen gut unterwegs, aber in vielen braucht es noch große Neuerungen. Wir wollen zum Beispiel mit oesterreich.gv.at eine Plattform schaffen, die es Bürgern ermöglichen soll, ganz einfach die zehn wichtigsten Amtswege zu erledigen – vom Wohnzimmer aus. Wenn etwa ein Baby auf die Welt kommt, hat man als junge Familie andere Dinge zu tun, als auf irgendein Amt zu rennen. Übersiedlungen sind eine weitere Lebenssituation, die immer öfter vorkommt und wo man das brauchen kann. Was mir ebenfalls ein Anliegen ist: Ausweise, etwa der Führerschein, sollen auf dem Handy digital verfügbar sein, wenn der Einzelne das nutzen will. 

Überschneidungspunkte hat Ihr Ressort ja auch mit dem Bildungsministerium. Wie früh soll Digitalisierung in Schulen starten?
Schramböck:
Wir haben die Verantwortung, mit der digitalen Bildung sehr früh und sehr intensiv zu starten. Da habe ich mit meinem Kollegen Heinz Faßmann (Bildungsminister, Anm.) schon erste Gespräche geführt, dazu werden wir zusammen einen Plan ausarbeiten. Besonders wichtig ist mir auch das Thema „Duale Ausbildung“ als Kombination aus Praxis und Lehre. Ich habe mir in den letzten Wochen bereits die Berufsbilder angeschaut, die wir stärker mit digitalen Inhalten anreichern werden – zum Teil werden  auch neue geschaffen, wie etwa der E-Commerce-Kaufmann oder der Glasverfahrenstechniker. Fachkräfte im Bereich IT, Telekommunikation und Digitalisierung sind ein wichtiger Punkt für mich – und: Es ist ganz entscheidend, dass wir mehr Frauen dafür gewinnen.

Wie wollen Sie das machen?
Schramböck:
Ich werde mir anschauen, welche Maßnahmen sinnvoll sind, um mehr Frauen in die sogenannten MINT-Fächer zu bringen. Schon jetzt gibt es viele gemeinsame Aktionen mit Wirtschaft und Kammern. Warum ist das so wichtig? Es gibt dort ganz tolle Karrierechancen für Frauen. Ich selbst habe einmal eine Mitarbeiterin, die bei uns im Unternehmen im Innendienst war, sehr stark motiviert, in den technischen Vertrieb zu wechseln. Sie hat das im Alter von 40 Jahren noch gemacht und war extrem erfolgreich – am Ende war sie dann Großkundenmanagerin für ganz große Unternehmen. 

Warum sind Frauen so unterrepräsentiert in diesen Bereichen?
Schramböck:
Ein Thema ist sicher, dass wir digitale Bildung mit Spaß verbinden müssen. In der Branche einen Job zu haben, bedeutet ja nicht, dass ich still im Kämmerlein sitze und programmiere. Ich glaube, dieses Bild muss man verändern – vielleicht kann ich da selbst Vorbild sein: Ich war auf der Wirtschaftsuni, als ein technisches Unternehmen wollte, dass ich zu ihnen komme. Da hätte ich mich von selbst wahrscheinlich nie beworben. Aber die waren sehr hartnäckig und so habe ich in diesem Umfeld begonnen. Das war von Anfang an spannend, denn die Branche bewegt sich so schnell.  

Wie stehen Sie zur Frauenquote?
Schramböck:
Ich finde die Frauenquote in den Aufsichtsräten gut, bei den größeren Unternehmen. In den Vorstandsetagen sehe ich das ein bisschen anders.

Warum?
Schramböck:
Ich glaube, wichtig ist die Diversität. Unternehmen sind dann erfolgreich, wenn sie in Führungsgremien die Gesellschaftsstruktur widerspiegeln. Da geht es nicht nur um Ausgewogenheit zwischen Frauen und Männern, sondern auch um jung und alt oder national und international sowie um verschiedene Skills. Die Verantwortung, Frauen zu fördern, beginnt hier sowieso auch auf Ebene der Abteilungsleiter. Ich hatte mal eine Controllerin mit einem zweijährigen Kind. Ich habe sie gefragt, ob sie CFO werden möchte. Ihre erste Reaktion: „Kann ich das schaffen mit dem Kind?“ Ich habe ihr gesagt: „Du wirst dir das einteilen. Wenn du das machen möchtest, dann kannst du das machen.“ Sie hat es gemacht und sie hat es großartig mit ihrer Familie organisiert. Unsere Aufgabe ist es, diese Chancen zu geben, Voraussetzungen zu schaffen und früh zu fördern.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben und wie schalten Sie ab?
Schramböck:
Privat bin ich ganz locker drauf und freu’ mich des Lebens (lacht). Ich „gartle“ gerne, im Sommer verbringe ich jede freie Minute im Garten. Überhaupt bin ich gerne in der freien Natur. Aber ich lade auch Freunde zu mir ein. Und früher habe ich viel gemalt, auch wenn ich jetzt zu wenig Zeit dafür habe. Ein paar Bilder von mir stehen aber noch zu Hause. Also ja, im Wald und im Garten zu sein, das ist so meins. Da kann ich gut abschalten. Und ich schlafe außerdem gut (lacht).

Haben Sie tatsächlich einen Heiratsantrag bekommen, weil eine Zeitung geschrieben hat, Sie seien verheiratet?
Schramböck:
Ja, das war eine lustige Geschichte. Ich war damals noch bei A1 und habe ein Interview gegeben. Und weil ich zu meinem Verlobten damals schon oft „mein Mann“ gesagt habe, stand das dann auch so in der Zeitung. So haben wir begonnen, über dieses Thema zu sprechen – einige Monate später hat er mich dann gefragt, ob wir heiraten wollen.

Also war der Irrtum Stein des Anstoßes?
Schramböck:
Ja, genau. Wir haben darüber gescherzt und es ist mehr daraus geworden. Meine Nichte hat nachgefragt, ob ich denn schon heimlich geheiratet und sie nicht eingeladen hätte. Das ist natürlich nicht so, sie kriegt selbstverständlich eine Einladung (lacht). Voraussichtlich wird in den nächsten 12 Monaten geheiratet.

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