31. März 2017 12:05
Waxing-Kontroverse
Katia Wagner: „Ich habe nichts zu verlieren“
Der Konflikt zwischen Beauty-Bar-Betreiberin Katia Wagner und dem Arbeitsinspektorat lässt die Wogen hochgehen. Zwischen Behörden-Schikane und politischem Zuspruch. Wir trafen die 29-Jährige zum MADONNA-Talk.
Katia Wagner: „Ich habe nichts zu verlieren“
© TZOe Artner

Dass es in puncto Selbstständigkeit nicht nur darum geht, ob die Gründerin genügend Arbeitsmotivation oder Geschäftssinn mitbringt, beweist die aktuelle Posse rund um ­Katia Wagner, Inhaberin eines Beauty-Salons in der Wiener Innenstadt. Alles begann damit, dass das Arbeitsinspektorat die „Beauty Bar“, genauer gesagt deren Waxing-Kabinen, mangels Sichtverbindungen ins Freie bekrittelte und in der Folge Auflagen verhängte. Wagner machte ihrem Ärger über dieses recht fragwürdige Vorgehen auf Facebook öffentlich, drei Monate später präsentiert sich die Causa als Stellvertreterkrieg zwischen Arbeiterkammer und Unternehmertum. Denn die AK behauptete im Gegenzug, dass es über Wagner etliche Beschwerden seitens ihrer Mitarbeiter gegeben hätte. Auf Nachfrage bei der Arbeiterkammer erhielten wir jedoch keine Antwort zu diesen Anschuldigungen.

Talk. Wir trafen die 29-Jährige zum Gespräch über Bürokratie-Wahnsinn, unternehmensbedingte Ressentiments und politische Unterstützung. Wie es für Wagner weitergeht und was sie mit ihrem ­öffentlichen Kampf bewirken will, lesen Sie hier.

Was ist der Status quo für Sie aktuell?

Katia Wagner:Status quo ist, dass wir so die Auflagen nicht erfüllen können, allein aus baulichen Gründen nicht. Ich bin hier Mieterin, dementsprechend kann ich nicht einfach so durchbrechen und Türen und Fenster einbauen. Ich kann mir also aussuchen, ob ich Probleme mit der Vermieterin bekomme oder mich mit dem Arbeitsinspektorat rumschlage. Es bleibt also dabei, dass es uns wohl im Juli, mit Ablauf der Frist, hier so nicht mehr geben wird. Ich werde mich auch aus dem Unternehmen zurück­ziehen.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie aktuell zur Galionsfigur eines Stellvertreterkrieges zwischen Unternehmertum und Arbeitsinspektorat bzw. der Arbeitnehmer geraten sind?

Wagner: Es ist mir wichtig zu sagen, dass ich das nicht sein möchte. Es gibt nicht den Unternehmer und den Arbeitnehmer. Es gibt nicht den, der auf dem Geldsack sitzt und die Leute in seiner Fabrik ausbeutet. Wir ziehen alle am selben Strang. Mein Unternehmen würde es ohne Mitarbeiter nicht geben. Es gibt eben Kosmetikstudios, die kein Fenster in der Waxing-Kabine haben. Ein Arbeitnehmer braucht keine Sichtverbindung ins Freie, damit er sich orientieren kann, ein Arbeitnehmer braucht ­einen pünktlichen Lohn, von dem er leben kann, und er braucht Freizeit und die Stunden, in denen er entspannen kann.

Sie waren Teil eines Gipfelgesprächs zwischen Wirtschaftsminister Mitterlehner und Sozialminister Stöger, bei dem es um arbeitsrechtliche Reformen ging. Denken Sie, dass sich Ihre Situation noch wenden kann?

Wagner: Wenn ich ehrlich bin, nein. Ich habe in den letzten Monaten sehr viel über Politik, Medien und PR gelernt, und letztlich muss ich sagen, dass ich sehr enttäuscht bin. Es geht zu sehr um Machterhalt, Klassenkämpfe und Populismus. Aber ich habe nun auch  nichts mehr zu verlieren. Ich  habe es mir jetzt zur Aufgabe gemacht, Sorge dafür zu tragen, dass die Stimme der Unternehmer nach außen getragen und gehört wird.

Wenn Sie zurückblicken, würden Sie sich mit dem heutigen Wissen noch einmal selbstständig machen?

Wagner: Nie im Leben. Ich würde es derzeit auch nie­mandem empfehlen, vor allem nicht in Österreich. Das Unternehmertum wird in diversen politischen Kampagnen immer sehr schön dargestellt. Ich habe diesen Schritt mit 25 Jahren gewagt, um mir was für später aufzubauen, ich wollte etwas machen, das mir liegt und das ich kann. Und ich wollte tatsächlich Arbeitsplätze, vor allem für Frauen schaffen. Also habe ich ein großes Risiko auf mich genommen und mit 25 sehr viel investiert. Ich habe vier Jahre lang sieben Tage die Woche, 14 Stunden lang gearbeitet und keinesfalls mehr verdient als meine Mitarbeiter.

Viele glauben, dass man als Chef schnell reich wird.

Wagner: Eben, aber ich habe teilweise zwei Jobs gemacht, damit ich meine Arbeitnehmer bezahlen kann. Und das Schlimme für mich war, dass man sich bemüht, sich abrackert und an die eigenen Grenzen geht, bis jemand in den ­Laden spaziert und mir erklärt, was ich nicht alles falsch mache. Ich will lediglich, dass man Lösungen findet, die für alle gut sind. Aber wenn jemand, der schon beim Reinkommen sagt, dass er sich nicht mit Kosmetik auskennt und noch nie bei einer Kosmetikerin war und mir dann anschafft, dass ich bitte Fenster in meine Waxing-Kabinen bauen soll, dann reicht es einem als Unternehmer auch irgendwann.

Was ist die Perspektive für Ihre Mitarbeiterinnen?

Wagner: Sie sind ja die eigentlich Leidtragenden. Es sind  auch sehr viele Tränen geflossen. Wir werden versuchen, ­einige in die anderen von mir geführten Betriebe zu setzen, aber machen wir uns nichts vor, es wird nicht genügend Plätze für jede von ihnen geben. 

Sie wurden auch mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die ganze Causa nur ein PR-Coup sei.

Wagner: Das lässt sich hinterfragen, denn wo ist die PR, wenn ich zusperren muss? Außerdem kommt jetzt kein neuer Kunde, weil er meine Geschichte aus den Medien kennt. In Zahlen schlägt sich das jedenfalls nicht nieder.