Eiskalte Bekenntnisse

Neue Buch über Doppelmörderin

Eiskalte Bekenntnisse

"Ich glaube weder an die ewige Liebe noch an die Ehe als Institution. Ich will ihn aus anderen als romantischen Gründen heiraten. Jetzt können sie uns mit der Begründung, wir hätten negativen Einfluss aufeinander, voneinander fernhalten. Sind wir verheiratet, haben wir Rechte. Ich will ihm schreiben dürfen. Geschenke mit ihm austauschen dürfen. Ihn manchmal sehen dürfen. An einem Besuchertisch, an dem wir einander an den Händen halten. Hier in Asten oder bei ihm in Garsten. Ich denke nicht darüber nach, ob unsere Beziehung eine Zukunft hätte. Ich weiß ja nicht einmal, ob ich selbst eine Zukunft habe. Ich lebe heute. Ich liebe jetzt.“ Diese Worte stammen von Estibaliz Carranza, der Doppelmörderin, auch bekannt als „Eislady“. Niedergeschrieben wurden ihre Bekenntnisse von Autor Bernhard Salomon im kürzlich erschienenen Tatsachenroman „Zelle 14“.  Mehr als hundert Gespräche hat er in den vergangenen vier Jahren mit Carranza geführt, bei Besuchen in der Justizanstalt Schwarzau und im forensischen Zentrum Asten in Oberösterreich, wo die nun 40-Jährige seit Anfang 2017 untergebracht ist.  
 
Verliebt
Erstmals thematisiert die Frau mit mexikanischen und spanischen Wurzeln neben etlichen anderen Bekenntnissen auch die Liebesbeziehung zu einem Mithäftling, die in Asten begann. Zu dem um sieben Jahre jüngeren Martin L., über den Haftstrafen wegen Mordversuchs und Brandstiftung verhängt worden sind, sagt die 40-Jährige: „Er und ich. Wir sind aus der gleichen Welt. Ein Mann von draußen könnte nie mit mir teilen, was wir zu teilen beginnen.“ Im Jänner 2018 verlobten sich Esti und Martin, tauschten schwarze Ringe aus. Im März fanden Justizwachebeamte bei ihm Liebesbriefe. Die Affäre flog auf, nun wollen beide um ihre Rechte kämpfen. Rückblick: Im April 2008 erschoss Carranza ihren Ex-Mann, im November 2010 ihren damaligen Lebensgefährten. Die Leichen zerstückelte und betonierte sie im Keller unter ihrem Eis-Salon in Wien-Meidling ein. Erst Mitte 2011 wurde die als seelisch krank geltende Täterin festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Als sie in U-Haft kam, war sie von ihrem neuen Freund im dritten Monat schwanger. Jänner 2012 brachte sie einen Buben zur Welt, einen Monat später heiratete sie den Vater ihres Kindes. Die Ehe ist mittlerweile gescheitert, ihr Sohn wächst bei ihren Eltern in Barcelona auf.  
 
Ihrer Wirkung bewusst. Aus Sicht der Justiz hätte das Buch niemals geschrieben werden dürfen. Salomon hatte zwar die Berechtigung Carranza zu besuchen, über sie zu schreiben war jedoch nicht ausgemacht. So habe er auch niemals das gesamte Manuskript ins Gefängnis mitnehmen können. Aus diesem Grund wird es schwierig nachzuprüfen, ob die „Eislady“ alles wirklich so zu Protokoll gegeben hat.  Dementsprechend beschreibt der Autor sein Werk als Tatsachenroman. Carranza hingegen wurden zur Strafe für die Veröffentlichung ihre Möglichkeiten, Besuch zu empfangen, stark eingeschränkt. Damit wird sie wahrscheinlich auch umgehen können. Immerhin legt sie als diagnostizierte Narzisstin großen Wert auf ihre Außenwirkung. Carranza im Buch: „Eigne ich mich noch für die Titelseiten der Zeitungen und Magazine?“ 
 
 „Zelle 14“ © Edition a
 „Zelle 14“ ist erschienen bei Edition a, erhältlich um 22 Euro. 
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