22. März 2013 14:24
Pamela Obermaier im Interview
Eine Treuetesterin packt aus
Das Geschäft mit der Untreue. Für ihr Buch „Seitensprung“ recherchierte Pamela Obermaier undercover als Treuetesterin. Im Interview verrät sie, warum Männer fremdgehen und wie man sie am besten ertappt.
Eine Treuetesterin packt aus
© Gerry Frank

Das Bauchgefühl hat es Maria Shriver wohl schon sehr lange gesagt. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat sich die vierfache Mutter laut Insidern schließlich an einen Privatdetektiv gewandt. Der Beweis, dass Ehemann Arnold Schwarzenegger nicht immer treu war (in dem Fall in Form eines Teenagerbuben), war wichtig, um den Schlussstrich zu ziehen und ein neues Leben  zu beginnen.  

Undercover-Lockvogel

Wenn das Bauchgefühl die Alarmglocken schrillen lässt, setzen immer mehr Frauen und Männer auf professionelle Hilfe – in Form eines Detektivs, oder noch besser: in Form eines Treuetesters. Flirtfreudige Lockvögel werden im Restaurant, im Fitnesscenter, auf Face­book & Co. darauf angesetzt, den Liebsten oder die Liebste auf Herz und Nieren zu testen. Spannend, besonders wenn man hinter die Kulissen blicken darf. Journalistin Pamela Obermaier wurde für ihr Buch Seitensprung für einige Wochen zur Treuetesterin. Warum Männer so oft fremdgehen, wie man sie dabei erwischt und was sie in ihrem Job alles erlebt hat, erzählt die 35-jährige Singlefrau im Interview.  

Sie sind in die Rolle einer Treuetesterin geschlüpft. Ein Job mit Spaßfaktor?
Pamela Obermaier: Ganz im Gegenteil. Es ist ein ungutes Gefühl, zu wissen, dass man vielleicht gleich jemanden bloßstellt, die Partnerin verletzt wird und eine Beziehung in die Brüche gehen kann. Ich hoffte immer: „Spring nicht an!“
Sprangen denn viele an?
Obermaier:
Leider. Ein Mann hat, gleich nachdem wir ins Gespräch gekommen sind, angefangen davon zu reden, dass er seit 16 Jahren verheiratet ist und immer treu war. Da habe ich schon aufgeatmet und mir gedacht, das war es. Ich habe einen enttäuschten Seufzer losgelassen und gemeint, wie schade das wäre. Schon hatte ich schon seine Hand an meiner Hüfte...

Wie läuft so ein Treuetest ab?
Obermaier:
Es gibt ganz viele Möglichkeiten, angefangen von einem Telefongespräch, ­E-Mail, Chat bis hin zum persönlichen Kontakt. Die meisten Treuetesterinnen treffen sich vorab mit den KundInnen. Passt das Optische, berät man gemeinsam die Vorgehensweise. Man bespricht, wo und wie man am besten und am unauffälligsten in Kontakt kommt. Oft wird das Fitnesscenter gewählt, beim Hantelheben kommt man leicht ins Gespräch.

Wie geht das „Opfer“ dann ins Netz?
Obermaier:
Es kommt darauf an, wie weit der Auftraggeber, die Auftraggeberin gehen möchte. Manchen reicht es, wenn sie hören, dass er angebissen hat. Dann gibt es welche, die es schwarz auf weiß haben wollen – die eine E-Mail oder die SMS lesen oder es live sehen wollen. Da gibt es Partner, die im Wagen warten und dann überglücklich ins Lokal stürmen, wenn bestanden wurde. Davon können aber Treuetester nur abraten, weil dieser Test ja bereits ein großer Vertrauensbruch ist.

An welchen Indizien könnte man erkennen, dass der Partner vielleicht fremdgeht?
Obermaier:
Da haben wir eine richtig schöne Liste im Buch. Natürlich darf man diese nicht zu platt deuten, denn wenn der Partner sich ewig hat gehen lassen und plötzlich anfängt, ins Fitnessstudio und zum Friseur zu gehen, sich schick zu machen, neues Parfum kauft, ist das nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass er jetzt fremdgeht. Vielleicht will er etwas für sich tun oder die Partnerschaft. Aber wenn mehrere Dinge zusammenkommen, er ständig sein Handy bewacht, damit auch auf die Toilette und ins Bad geht, dann können schon mal die Alarmglocken läuten. Ein weiteres Indiz: wenn er, ohne eine Beförderung bekommen zu haben, ständig Überstunden schiebt.

Sie beschäftigen sich in Ihrem Buch auch mit der Frage, warum Monogamie so schwer durchzuhalten ist?
Obermaier:
Ich glaube, der Anspruch an die eine wahre Liebe bis ans Lebensende ist sehr hoch und schwer zu erfüllen. Der Mensch entwickelt und verändert sich und das nicht immer in dieselbe Richtung. Er ist ein neugieriges Wesen – Nähe und Lust widersprechen einander manchmal. Je besser man sich kennt, desto stärker wird die Nähe, aber die Lust geht dadurch flöten. Und dann bildet man sich ein, dass es mit dem Fremden spannender ist.

Was ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie persönlich aus diesem Experiment gezogen haben?
Obermaier:
Dass man differenzieren muss. Jemand, der bisher immer treu war, muss das noch lange nicht für immer bleiben. Und jemand, der sehr oft untreu war, ist auch nicht dazu verdonnert, ein ewiger Fremdgeher zu sein. Das ist erstens lebensphasenabhängig und zweitens beziehungsabhängig. Es war für mich wichtig, im Buch zu transportieren, dass nicht alle Männer fremdgehen.

Sie sind derzeit Single. Besitzen Sie noch den Glauben an die Monogamie?
Obermaier:
Ja, doch. Zumindest an die, die eine Weile anhält. Ich habe trotz der Geschichten, die ich gehört und erlebt habe, den Glauben, dass man den Menschen einen Vorschuss an Vertrauen geben muss und viele den auch verdient haben.

Autorin Pamela Obermaier arbeitete u. a. für die Wiener Agentur Xtrace (www.xtrace.at). Die Lockvögel bieten folgende Möglichkeiten an: Flirt per SMS oder E-Mail – Kosten ab 40 Euro. Per Internet-Chat – Kosten ab 140 Euro. Persönlich mit Lockvogel (ein Date) ab 320 Euro. Reine Observation kostet zwischen
70 und 90 Euro pro Stunde.


Fescher Lockvogel. Für ihre Buchrecherche wurde Pamela Obermaier zur Treuetesterin. Neu im Handel: „Seitensprung“ von P. Obermaier und Gabriele Hasmann (19,95 Euro, Goldegg).