Eine Hautärztin spricht Klartext

Was Sie schon immer wissen wollten

Eine Hautärztin spricht Klartext

Sie verrät, wie wir uns fühlen, unser Alter und ob wir gesund sind: Mit einer Fläche von eineinhalb bis zwei Quadratmetern ist die Haut nicht nur das größte Organ unseres Körpers, sondern auch ein Spiegel seiner Seele.

Offen und ehrlich
Kein Wunder, dass sich mit unserem wichtigsten Schutzschild gute Geschäfte machen lassen: Wer hat sich nicht schon einmal innovative Pflege aufschwatzen lassen? Oder hat in teure Cremes und Beauty-Treatments investiert – und war dann vom Ergebnis enttäuscht? „Jede Haut reagiert anders. Ein guter Hautarzt muss sehr individuell auf seine Patienten eingehen“, sagt die Wiener Dermatologin Dr. Sabine Schwarz. Die 51-Jährige managt eine Patchwork-Familie mit vier Kindern und leitet das „Hautzentrum“ in Wien Meidling. Das Besondere: Hier gibt’s den Muttermal-Check ebenso wie die aktuellsten schönheitsmedizinischen Treatments. Wir baten die Dermatologin zum ehrlichen Gesundheits-Talk:

Mit welchen Anliegen kommen PatientInnen in Ihre Praxis?
Sabine Schwarz:
An erster Stelle rangieren Hauterkrankungen wie Akne, Probleme mit allergischer oder sehr empfindlicher Haut oder Neurodermitis. Und natürlich Muttermalkontrolle. Gleich danach kommt der Schönheitsschwerpunkt.

Apropos: Was hilft nun wirklich gegen Falten?
Schwarz:
Zunächst ist die richtige Pflege entscheidend. Also: Was ich mache ich morgens, mittags und am Abend mit meiner Haut?

Mittags?
Schwarz:
Ja, wenn jemand sehr trockene Haut hat, ist es durchaus ratsam, alle paar Stunden Feuchtigkeitscreme aufzutragen, speziell um die Augenpartie. Zunächst macht der Dermatologe immer eine Hautanalyse, anhand derer die optimale Pflege zusammengestellt wird. Pflege muss typengerecht sein: Die beste, teuerste Creme beim falschen Hauttyp nützt nichts. Das Gleiche gilt für Treatments: Ich werde PatientInnen mit trockener Haut sicher nicht zu einem Fruchtsäure-Peeling raten. Ebenso wenig wird man einem Akne-Patienten ölige Cremes verordnen.

Dass gründliche Reinigung abends wichtig ist, ist klar. Aber muss ich Reinigungs­lotions wirklich auch morgens verwenden?
Schwarz:
Nein. In der Nacht schwitzt die Haut zwar, aber den Schweißfilm wäscht auch Wasser bestens weg. Die Haut zu überpflegen, ist einer der häufigsten Fehler.

Sind teure Cremes wirklich besser als günstige?
Schwarz:
Nein. Bei teuren Cremes zahlt man auch für Verpackung oder Marketing mit. Ich bin eine Freundin von Apothekenkosmetik: Man weiß, was drin ist, es gibt Studien dahinter und die Preise passen auch.

Was können Hormonsalben?
Schwarz:
Hormone sind Medikamentenwirkstoffe und nur über den Arzt zu beziehen. Das bekannteste weibliche Hormon mit der größten Wirkung ist Östrogen. In stärker dosierten Produkten wird das Östrogen vom Körper aufgenommen – sie sind für Frauen unter 40 Jahren nicht geeignet. Es gibt auch noch andere Hormone, wie Testosteron, das zum Beispiel in Anti-Cellulite-Cremen wirksam ist. So stark und toll diese Produkte sind – sie müssen gerade deshalb behutsam eingesetzt werden.
Was kann ich für eine junge Haut tun, wenn ich mehr will als optimale Pflege?
schwarz: Dann steht zunächst eine Reihe von medizinisch-kosmetischen Methoden zur Verfügung, wie etwa die Mesotherapie, bei der Anti-Aging-Substanzen in die Haut eingeschleust werden, Fruchtsäurepeelings oder Radiofrequenzbehandlungen, die vor allem im Wangen- und Kinnbereich gute Ergebnisse zeigen, wenn dort die Haut erschlafft ist. Diese Treatments kosten um die 100 Euro pro Behandlung. Aber bei all diesen Therapien gilt: Wenn man nach der ersten oder zweiten Behandlung keine Erfolge sieht, sollte man abbrechen. Dann ist es nicht das Richtige. Alles andere wäre reine Geldverschwendung. Da appelliere ich an die Leserinnen: Lassen Sie sich nichts einreden, sondern verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl!

Helfen diese Treatments auch bei ausgeprägten Falten?
Schwarz:
Nein – auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird. Dann greift man zu Medizinmethoden wie Botox (ab 250 Euro), Hyaluronsäure (Unterspritzung der Nasolabialfalte etwa 450 Euro) oder dem fraktionierten CO2 Laser (ab 450 Euro). Letzterer zeigt auch überzeugende Ergebnisse bei Akne und Narben – und das schon nach einer Behandlung. Allerdings muss man mit einer Ausfallszeit von bis zu sechs Tagen rechnen, da die oberste Hautschicht „abgeschält“ wird und es zu Rötungen und leichten Schwellungen kommt.

Gibt es auch sanftere Laser?
Schwarz:
Ja, der „Fraxel“-Laser. Er wird im Beauty-Bereich gegen Fältchen eingesetzt und ist so sanft, dass es zu keinen Ausfallszeiten kommt. Er macht die Haut letztlich aber nur feinporiger und frischer. Gegen große Nasolabialfalten und tiefe Zornesfalten richtet er nichts aus. Auch gegen Hängebacken wird ein so sanfter Laser nicht helfen – da darf man den Patienten nichts vormachen. Die Behandlung ist mit 450 Euro ja auch nicht billig. Super für einen frischen Teint –aber eben kaum mehr.

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