‚Ein Schloss? Auch nur ein  großes Haus!‘

Prinzessin Fürstenberg im Madonna-Talk

‚Ein Schloss? Auch nur ein großes Haus!‘

Voll Stolz sprechen die Menschen aus dem nördlichen Waldviertel von „ihrem Schloss Weitra“ und reden Frau Fürstenberg liebevoll und ohne Standesdünkel mit „Prinzessin Stephanie“ an. Seit der Landesausstellung 1994 spielen das Schloss Weitra und seine Regentin eine wesentliche Rolle in der Region. Regelmäßig gibt es hier Kulturveranstaltungen und Vernissagen. Das Schloss kann zum Zweck der Hochzeitsfeier gemietet werden, aber auch die Jugend feiert hier: Einmal im Jahr wird auf Schloss Weitra ein Clubbing mit internationalem Star-DJ veranstaltet.  

Tradition verpflichtet
Schloss und angrenzender Forstbetrieb (ca. 3.700 Hektar) sind im Besitz der Adelsfamilie Fürstenberg, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Besitz, Tradition und Familiengeschichte zu pflegen und mit den Menschen aus der Region zu teilen. Im Sommer finden die Festspiele auf Schloss Weitra statt (Info siehe Kasten rechts), ein Museum erzählt, wie die Fürstenbergs hier einst lebten, bevor im Zweiten Weltkrieg die Russen Haus und Inventar devastierten. Prinzessin Stephanie zu Fürstenberg, die mit ihrer Familie unweit des Schlosses in einem Vierkanthof lebt, berichtet im ­MADONNA-Interview von der Familiengeschichte und das Leben des Adels 2015. Sie sagt: „Ein Schloss ist auch nur ein großes Haus.“   

Schloss Weitra wurde in den 90er-Jahren renoviert. Einen Teil hat die Familie Fürstenberg gezahlt, ein Teil wurde vom Land Niederösterreich beigesteuert mit der Auflage, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es stammt aus dem Besitz der Familie ihres Mannes, der Fürstenbergs. War klar, dass Sie mit Ihrem Mann und Ihren Kindern hier nicht wohnen werden?
Stephanie Fürstenberg:
Da müssten Sie uns ein paar Mil­lionen schenken, damit wir es vielleicht bewohnbar machen könnten (lacht). Ich zeige Ihnen jetzt alles, und dann werden Sie sehen, dass man zu viert nicht in einem so großen Haus wohnen möchte … Wir sind ja eine ganz normale Familie. Wir leben ganz normal. Wissen Sie: Ein Schloss ist doch auch einfach nur ein großes Haus (lacht).  Das schönste Kompliment für uns ist, dass die Leute in der Region von „ihrem“ Schloss reden. Genauso wünschen wir es uns auch. Wir wollen es allen zur Verfügung stellen und sind am glücklichsten, wenn viele Menschen hier sind und Freude haben. Unser Sommertheater-Festival ist eine feste Institution in der Region geworden.


Sie selbst sind ausgebildete und vor allem passionierte Schauspielerin.
Fürstenberg:
Ich komme aus einer Juwelier-Familie aus München. Also habe ich zuerst die Juwelier-Ausbildung gemacht, über die ich später dann sehr dankbar war. Ich habe drei Jahre lang in Amerika gelebt und mein Leben mit diesem Beruf finanziert. Das hat mir die Freiheit gegeben, nebenbei Theater zu spielen. Ich habe nebenbei die Schauspielausbildung gemacht, abends als Fernsehmoderatorin gearbeitet. Tagsüber habe ich der Pflicht Genüge getan und abends durfte ich dann meiner Liebe folgen (lacht).

Dann haben Sie sich in Johannes Prinz und Landgraf zu Fürstenberg verliebt und sind ins Waldviertel gezogen. Wie haben Sie einander kennen- und lieben gelernt?
Fürstenberg:
Ich habe meinen Mann erst relativ spät kennengelernt, obwohl ich ihn schon lange hätte kennen können. Unsere Väter waren nämlich beste Freunde. Seine Geschwister kannte ich alle. Erst bei einem Geburtstag seines Vaters vor über 25 Jahren saßen wir uns endlich gegenüber. Es war Liebe auf den ersten Blick. So, als ob wir uns schon ewig gekannt hätten. Wir haben dann geheiratet, und ich bin wahnsinnig gerne mit ihm hergekommen. Vor allem, weil ich das Waldviertel schon immer sehr gerne hatte. Wir leben auf einem ehemaligen Jagdhof in einer wunderschönen Landschaft. Dann haben wir relativ schnell die Kinder bekommen. Ich habe mir für meine Kinder immer diesen Luxus gewünscht, nicht arbeiten zu müssen und am Land sein zu können. Ich bin aufgegangen im Marmeladen einkochen, im Garten arbeiten und Kinder haben.

Fürstenberg © Stögmüller

Jetzt sind Ihre Söhne fast erwachsen, besuchen das Gymnasium in Wien und Sie können sich wieder Ihrer Leidenschaft widmen.
Fürstenberg:
Ja, und ich wünsche mir mehr Engagements. Ich habe mit Peter Kern den wundervollen Film Der letzte Sommer der Reichen gedreht. Eine schöne Arbeit.

Apropos reich: Der Adel hat für das „gemeine Volk“ immer etwas Geheimnisvolles und Faszinierendes.
Fürstenberg:
Ja, wenn man es von außen betrachtet, hat es immer etwas Märchenhaftes. In Wirklichkeit ist das einzig Tolle, dass man die Aufgabe hat, sich um etwaige Gebäude zu kümmern und sie zu erhalten. Es ist aber eine große Herausforderung. Manche Adelige schaffen es nicht, leben von der Hand in den Mund und haben so einen Kasten, den sie nicht erhalten können. Aber ansonsten leben wir ganz normal, haben Berufe und tragen eben diesen Namen. Wir „Adeligen“ leben so wie andere Menschen auch. Ich lege außerdem viel Wert darauf, dass man vor den Menschen Achtung hat. Besonders Menschen, die aus der Not zu uns kommen. Wir müssen unsere Strukturen ändern und dürfen keine Mauern ­bauen. Es ist die Zeit, in der wir unseren mitteleuropäischen Wohlstand nicht mehr verteidigen können und uns über­legen müssen, wie wir diesen Menschen helfen können. Mir gefällt die jetzige Situation überhaupt nicht.

Sind Ihre Söhne ebenfalls am Schloss und der Frostwirtschaft interessiert?
Fürstenberg:
Wenn man in solchen Familien aufwächst, wo die Familie eine Geschichte hat – egal, ob adelig oder nicht – dann interessiert man sich doch für die Historie der Vorfahren. Und wenn diese auch noch etwas Besonderes geleistet haben, noch mehr. Dann ist man doch stolz drauf. Und dann ist es schon so, dass man eine Verpflichtung hat und die Kinder so großzieht, dass sie es schätzen und achten und wenn notwendig weiterführen oder jedenfalls erhalten. Meine Söhne sind ja mit all dem hier aufgewachsen. Aber mein Mann und ich machen keinen Druck.

 

Fürstenberg hat den Verein „Tutgut“ gegründet

Eltern-Hilfe: Jede Woche sitzt Prinzessin Stephanie zu Fürstenberg im Spital in Zwettl, um dort Eltern zu helfen, die in Not geraten sind. Der von ihr gegründete Förderverein TUTGUT hilft Eltern und Familien im Waldviertel, die durch die Erkrankung ihres Kindes in schwierige Umstände geraten. Durch lebensbedrohliche oder schwere Erkrankungen ebenso wie durch chronische oder langfristige Gesundheitsprobleme bei Kindern können Familien in soziale, finanzielle oder psychische Notlagen geraten, die ohne Hilfe nur schwer oder gar nicht zu bewältigen sind.
In solchen Situationen sind die Betroffenen oftmals überlastet und mit den Folgen im Alltag allein gelassen. Die angebotenen Hilfeleistungen reichen von der durchdachten Sozialberatung und Begleitung über die finanzielle oder sachbezogene  direkte Hilfe bis zur Erfüllung besonderer Kinderwünsche und, nach individuellem Bedarf, noch vieles mehr.
„Der Verein liegt mir sehr am Herzen, denn es ist unglaublich, in welche verheerenden Situationen Eltern geraten, wenn ihr Kind schwer erkrankt. Viele verlieren ihre Arbeit und stehen quasi vor dem Nichts. Und gerade in dieser Ausnahme-situation müssen doch Menschen da sein, die helfen“, erklärt Stephanie Fürstenberg, selbst Mutter zweier Söhne. Zusatz: „Alle TUTGUT Mitarbeiter (Ärzte, Schwestern, freiwillige Helfer) leisten ihre Arbeit ehrenamtlich. Und jeder Cent kommt direkt und unbürokratisch den Hilfsprojekten zugute.“ Informationen zum Verein auf: www.tut-kindern-gut.at

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