Die Kanzlergattin im MADONNA-Interview

Die Wahlkämpferin

Die Kanzlergattin im MADONNA-Interview

Noch 36 Tage – dann haben sie ihn hinter sich: den Wahlkampf, der derzeit ihr Leben bestimmt. Auch wenn dies weder SPÖ-Spitzenkandidat Christian Kern (51) noch seine Ehefrau Eveline Steinberger-Kern (45) so stehen lassen würde. Man gibt sich gerne locker in Wahlkampfzeiten und möglichst natürlich. Und tatsächlich wirkt die Ehefrau des Bundeskanzlers völlig entspannt, als wir sie zum MADONNA-Gespräch im Hotel Sofitel Vienna treffen. Ihr strahlendes Aussehen beeindruckt ebenso wie ihre druckreife Eloquenz, mit der sie ihrem Ehemann locker jedes Wahlkampf-Interview abnehmen könnte, ohne dabei unsympathisch zu wirken. Die First Lady, Unternehmerin und Mutter einer zehnjährigen Tochter im Interview.

Frau Steinberger-Kern, wie war Ihr Sommer? Wohl recht aufregend...
Eveline Steinberger-Kern:
Ja, er war aufregend und anders. Weniger Urlaub, weniger privat. Aber wir haben uns gut darauf eingestellt, insofern war es ein sehr schöner Sommer. Er ist ja noch nicht ganz vorbei.


Wie viel Zeit gab es tatsächlich, um sich ein wenig zu erholen?
Steinberger-Kern:
Wir hatten das gut organisiert und den Sommer gleich mal mit einem gemeinsamen Familienurlaub begonnen. Ich muss zugeben, wir haben es gut: Wir sind oft bei uns am Millstätter See in Kärnten und das ist auch zwischendurch, an den Wochenenden, sehr erholsam.


Ihre Tochter ist 10. Das waren wohl auch ungewöhnliche Sommerferien für sie...
Steinberger-Kern:
Da wir sie komplett raushalten aus dem öffentlichen Leben, das die Umstände mit sich bringen, wenn der Papa ein Bundeskanzler ist, ist auch der Wahlkampf nicht einschneidend für sie. Wir haben es bislang gut geschafft, sie davon fernzuhalten und das haben wir auch weiterhin vor. Sie startet jetzt mit dem Gymnasium. Ein neuer Lebensabschnitt für sie. Das ist eine Umstellung für uns alle und sie freut sich sehr darauf.


Aber Ihre Tochter wird doch bestimmt auf ihren Vater angesprochen.
Steinberger-Kern:
Das kann man nicht verhindern und das ist ja auch in Ordnung. Es geht um die mediale Öffentlichkeit, aus der wir sie heraushalten wollen.


Wie begegnen Ihnen die Menschen auf der Straße, gerade jetzt im Wahlkampf?
Steinberger-Kern:
Das ist wesentlich normaler, als man sich das unter Umständen vorstellt. Angesprochen werde ich, wenn den Leuten etwas gefällt, manchmal im Bus oder beim Einkaufen. Darüber freue ich mich dann natürlich. Ansonsten verläuft mein Leben sehr unabhängig vom Wahlkampf – so wie davor auch. Ich bin ja nicht sehr häufige Teil des politischen Geschehens an der Seite meines Mannes und habe meinen Beruf auch bewusst behalten. Wenn ich allerdings derzeit gemeinsam mit meinem Mann unterwegs bin, dann ist da weniger Raum für Privates, ­etwa im Tourbus oder bei öffentlichen Veranstaltungen. Das war eine Umstellung, aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran. ­

Werden Sie nie mit Kritik oder gar Hasskommentaren konfrontiert?
Steinberger-Kern:
Ich muss sagen, das ­habe ich noch nie erlebt. Weder in den sozialen Medien noch auf der Straße. Auch nicht in Richtung meines Mannes. Im Gegenteil, wir  waren ja jetzt auch gemeinsam in den Bundesländern unterwegs. Da waren die Leute immer zustimmend und fast überschwänglich. Manchmal haben sie sogar begonnen spontan zu klatschen auf der Straße.

Sie haben in Salzburg Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte getroffen. Wie war dieses Treffen?
Steinberger-Kern
: Die beiden sind wahnsinnig beeindruckend und es war natürlich eine große Ehre, an der Seite meines Mannes die beiden in Salzburg begrüßen zu dürfen. Ich hatte dann auch die Freude, Brigitte Macron einen Tag lang zu begleiten in Salzburg. Und am Abend hatten wir ein gemeinsames Abendessen mit unseren Männern. Danach ging’s ins Konzert.

Worüber spricht man da unter First Ladys?
Steinberger-Kern:
Wir haben über das politische Geschehen in der Welt gesprochen. Brigitte Macron ist ja sehr engagiert an der Seite ihres Mannes und darüber hat sie erzählt: Für welche Themen sie sich einsetzt, wo sie sich in Zukunft mehr engagieren möchte. Wir haben aber auch darüber gesprochen, wie das Leben an der Seite eines Politikers ist. Frankreich ist ein großes Land und die Première Dame steht dort sehr im Mittelpunkt. Das bedeutet auch großen Druck, Privatsphäre gibt es gar keine mehr.

Was haben Sie ihr darüber erzählt, wie Ihr Leben beeinflusst ist und wie Sie Ihren Mann unterstützen?
Steinberger-Kern:
Das war sehr spannend, weil ich ihr erzählt habe, dass ich mich vom Beginn an sehr bewusst dafür entschieden habe, meine berufliche Karriere nicht aufzugeben. Darüber hinaus habe ich ihr erzählt, dass das in Österreich auch keine Tradition hat, sich als Frau des Bundeskanzlers in das politische Geschehen und in den Wahlkampf einzubringen. Das war für sie faszinierend, weil sie das aus Frankreich ganz anders kennt. Und sie hat sehr viel Respekt dafür gezeigt, dass man es schafft, beruflich unabhängig an der Seite eines Staatsmannes zu sein.

Für weniger schöne Schlagzeilen hat die Verhaftung von Tal Silberstein gesorgt. Obwohl Sie sich nicht im politischen Geschehen sehen, wurden Ihnen Kontakte zu Silberstein unterstellt. Ärgert Sie so etwas?
Steinberger-Kern:
Das ist die zweite Seite der Medaille. Ärgern tut mich so etwas nicht. Aber ich finde es ungehörig! Leider gehört es offenbar zu einem Wahlkampf dazu, dass man vom politischen Mitbewerber auch als Familienmitglied in solche Debatten hineingezogen wird. Da darf man nicht naiv und auch nicht wehleidig sein. Aber ich verwehre mich einfach strikt dagegen, hier in die Nähe von Dingen gerückt zu werden, mit denen ich nichts zu tun habe. Der Umstand, nehme ich an, warum man mich hier mit Herrn Silberstein und seiner Festnahme in Tel Aviv in Verbindung bringen möchte, ist, dass ich in Tel Aviv mein erstes Start-up im Jahr 2014 gegründet habe. Und sehr viel Zeit in Israel verbringe, wie das so ist, wenn man ein Unternehmen gründet und entwickelt. Ich bin ein Mal im Monat dort, habe mittlerweile natürlich ein noch größeres Netzwerk im Bereich Innovation und Start-ups. Aber dann eine solche Verbindung zu unterstellen, finde ich schon dreist.

Das kommt natürlich daher, dass Ihr Mann mit ihm zu tun hatte. Also es könnte doch ­irgendwie naheliegend für die Menschen sein, die Ihr Arbeitsfeld nicht kennen...
Steinberger-Kern:
Wohl weniger für die Menschen; da zündelt der politische Mitbewerb. Es gibt fast neun Millionen Österreicher und genauso viele Einwohner hat Israel. Man sollte die Kirche im Dorf lassen.

Die Causa war ein Tiefschlag im bisherigen Wahlkampf. Wie geht Ihr Mann damit um, wie reagieren Sie in derlei  Situationen?
Steinberger-Kern:
Als mein Mann in die Politik gegangen ist, war uns bewusst, dass das eine große Entscheidung – auch für die Familie – ist und haben diese letztendlich auch gemeinsam getroffen. Uns war also beiden klar, dass sich unser Leben verändern wird – und dass die politische Diskussions-Kultur vielfach negativ ist. Das ist aber auch gleichzeitig eine der Herausforderungen, die mein Mann sieht, das zu verändern und wieder zu einem ­positiveren Miteinander, auch in der politischen Auseinandersetzung, zu kommen. Das würde auch ich mir als Bürgerin wünschen. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Für einen Politiker gibt es die Kategorie Wehleidigkeit, denke ich, gar nicht. Wenn man anständig und aufrichtig ist, und das ist mein Mann, kann man mit allen Situationen ganz gut umgehen. Solche Dinge passieren: Man engagiert jemanden, man screent natürlich auch jemanden, wenn man ihn engagiert, aber man kann nie alles restlos ausschließen, vor allem was davor war. Ja, der Vertrag mit Tal Silberstein wurde aufgelöst. Der Rest ist außerhalb seiner Sphäre.

Aber Ihr Mann ist doch in solchen Situationen bestimmt angespannter als sonst?
Steinberger-Kern:
Mein Mann war davor jahrelang Manager und hat Unternehmen geführt. Eine Vorstandsposition ist, denke ich, eine ganz gute Schule. Auch dort ist man mal mit stürmischeren Zeiten konfrontiert. Mein Mann ist ein wahnsinnig gewissenhafter und analytisch denkender Mensch, diese Gabe gibt ihm auch die notwendige Weitsicht. Ihn bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Das hat man auch jetzt wieder gesehen. Und: Misslaunig ist er überhaupt nie, das ist nicht sein Naturell. Er ärgert sich vielleicht das eine oder andere Mal, wenn sein Lieblingsfußball-Klub verliert, aber ansonsten, in politischen Dingen, habe ich das gar nicht erlebt.

Sind Sie emotionaler?
Steinberger-Kern:
Ich bin auch nie misslaunig. Da haben wir uns gut gefunden und passen sehr gut zueinander. Wir lachen beide sehr gerne. Ich sehe das Glas auch immer halb voll. Ich bin wahrscheinlicher ein bisschen impulsiver. Das heißt, ich zeige meine Emotionen mehr. ­

Stichwort Job: Hier im Designtower entsteht gerade Ihr Projekt „weXelerate“...
Steinberger-Kern: Der Innovation Hub, den wir hier bauen, wird in der letzten September-Woche eröffnet. Es läuft super. Wir haben inzwischen 13 Industriepartner und 7 weitere in der Pipeline, für die wir hier das Innovationsmanagement komplementieren. Wir schaffen ein innovatives Ökosystem für etablierte Unternehmen, Start-ups, Investoren und Servicepartner. Solche Aktivitäten kennt man aus dem Silicon Valley, aus Asien oder ­Israel. Aber wir brauchen so etwas auch in Wien. Wir haben große Industrie hier, ­viel davon international erfolgreich ausgerichtet. Warum muss diese ins Ausland gehen, um digital zu transformieren und Start-ups zu treffen? Wir bauen das nun hier. Nämlich auch mit der Überlegung, dass wir Start-ups und Skills herbringen, die wiederum, wenn sie erfolgreich sind, am Standort bleiben, Arbeitsplätze schaffen und hier Steuern zahlen, die größere Unternehmungen ansiedeln und daraus etwas Größeres entsteht. Das ist nicht neu erfunden. Aber das, was im Ausland funktioniert, wollen wir auch in Wien hochziehen – hier bei „weXelerate“ in diesem Hub auf fast 9.000 Quadratmetern. Wir hatten über 1.000 Bewerbungen aus mehr als 60 Ländern, dann gab es einen Auswahlprozess und übrig geblieben sind in Abstimmung mit den Industrieunternehmungen, für die wir gesucht haben, 52 Unternehmungen aus 12 Ländern. Und die starten jetzt ihr 100 Tage-Akzelerator-Programm Ende September.

Bei solchen Projekten ist es bestimmt förderlich, die Frau des Kanzlers zu sein.
Steinberger-Kern:
Nein, das sehe ich gar nicht so. Hier geht es um ein Zukunftsthema, das die Unternehmungen hoffentlich nicht nur wegen Eveline Steinberger-Kern verfolgen. Ich hoffe, sie tun das, um die besten Produkte und Services in den Markt zu bringen. Um auch noch in 5, 10, 50 Jahren in ihren Geschäftsfeldern die Nase vorne zu haben. Meine Rolle ist es bei „weXelerate“, das Advisory Board, den Beirat, zu führen und das ist eine Pro-bono-Aufgabe. Ich bin also Teil eines größeren Ganzen.

Am 15. Oktober endet der Wahlkampf. Gehen Sie davon aus, dass Sie danach auch Kanzlergattin bleiben?
Steinberger-Kern:
Ich gehe davon aus, dass mein Mann sehr erfolgreich diesen Wahlkampf schlagen wird. Ich glaube fest daran, dass er diese Wahl auch gewinnen wird und damit ist dann wohl auch das verbunden, was Sie mich gefragt haben.

Und wenn es nicht so ist?
Steinberger-Kern:
Wenn es nicht so ist, dann ist unser Leben genauso positiv und schön wie heute, wie es vor einem Jahr war, wie es vor eineinhalb Jahren war.

Wenn Sie den Job Ihres Mannes ausblenden: Was sollte die Politik für Frauen leisten?
Steinberger-Kern:
Ich bin Feministin, was leider oft – falsch – mit Ablehnung von Männern gleichgesetzt wird. Das tut mir weh. Denn Feminismus bedeutet ja die Gleichstellung von Männern und Frauen. Das ist auch etwas, für das ich mich, solange ich denken kann, eingesetzt habe: dass es keine Nachteile gibt für Frauen. Ich bin der Meinung, dass Frauen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn kriegen sollen. Dass Frauen von den Vorgesetzten die gleichen Karrierechancen bekommen sollen und ich bin der Meinung, dass wir ein Anrecht und eine Wahlmöglichkeit für eine Ganztagskinderbetreuung haben. Umgekehrt bin ich der Meinung, dass Männer auch einmal emotional und verletzlich sein können.

Sind Sie für eine Frauenquotenregelung?
Steinberger-Kern:
Ja, ich bin für die Quote.

Nach dem Motto: besser erzwungen als gar nicht?
Steinberger-Kern:
Genau. Wir sollten nicht auf das Potenzial der Hälfte der Gesellschaft verzichten.

Der Wahl-Slogan Ihres Mannes lautet: „Hol Dir, was Dir zusteht.“ Was steht Ihnen persönlich zu?
Steinberger-Kern:
Ein glückliches ­Leben, wie hoffentlich allen Österreicherinnen und Österreichern.

Eveline Steinberger-Kern im Interview mit Daniela Schimke.
Steinberger-Kern © Kernmayer

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