Aufklärung in Sachen Glück

Starautor & Schauspieler Gabriel Barylli

Aufklärung in Sachen Glück

Die Liebe, das Glück und die Zufriedenheit … Die Sehnsüchte der Menschen beschäftigen Gabriel Barylli (55, Honigmond, Wer liebt, dem wachsen Flügel u. v. a.) als Schriftsteller seit vielen Jahren. Doch welche Antworten hat der zweifache Vater für seinen Ältesten (Marcello, 15) parat, wenn dieser ihn fragt: „Papa, was ist wichtig für eine glückliche Beziehung?“
Baryllis neues Buch ist Der Brief eines Vaters an seinen Sohn, in dem sich der zum fünften Mal verheiratete Künstler in Aufklärung in Sachen Glück übt. Der Talk.

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Barylli mit Sohn Marcello, der heute 15 Jahre alt ist. Aus dem Brief an ihn wurde ein gefühlvolles Buch. (Styria Premium,80 Seiten, 19,99 Euro).

Herr Barylli, wie kamen Sie auf die Idee, Ihrem Sohn einen Brief zum Thema Glück zu schreiben?
Gabriel Barylli: Die Idee hat er mir abgenommen, weil er mich eines Tages gefragt hat, was man für eine glückliche Beziehung braucht. Ich fühlte mich unglaublich geehrt, dass ein junger Mensch mich als Vater so etwas fragt. Ich dachte mir, die Frage ist so wichtig, die kann man nicht schnell abhandeln. Ich habe versucht, mich daran zu erinnern, wie das mit 16 war und was ich damals von einem etwas weiter im Leben stehenden Mann und Vater gerne gehört hätte. Worauf man achten sollte und wie das mit der Liebe, der Ehre, der Treue und der Zukunft ist. Das habe ich dann hingeschrieben.
Wie wurde aus den persönlichen Briefen ein Buch?
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i: Nachdem sie Marcello gelesen hat, habe ich ihn gefragt, ob ich sie veröffentlichen darf, da sie auch für andere junge Burschen interessant sein könnten. „Ja, sehr gerne“, hat er gesagt, „denn die meisten Söhne und Väter reden ja nicht miteinander.“ Da habe ich mir gedacht: Immer zu kritisieren, dass Väter sich nicht zu Wort melden und keine Verantwortung übernehmen, ist das eine, aber man kann es ja auch einfach tun. Man muss nur die Scheu ablegen, Werte vermitteln zu wollen – Verlässlichkeit, Verantwortung, Hingabe, Treue, Fürsorglichkeit … Natürlich muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen, aber es gibt heutzutage so gar keine Regeln und Vorschläge mehr. Nicht den geringsten hilfreichen Gedanken …
Sie sind vier Mal geschieden – und geben Ihrem Sohn trotzdem Liebes-Ratschläge?
Barylli: Gerade deswegen (lacht)! Weil Marcello seit 13 Jahren sieht, wie glücklich ich bin. Er kennt Sylvia, seit er ganz klein war.
Marcello ist aus Ihrer vierten Ehe – war es schwierig, ein gutes Vater-Sohn-Verhältnis nach der Trennung zu bewahren?
Barylli:
Nein. Die Trennung ist beiderseitig vonstatten­gegangen. Man erkennt eben manchmal, dass der gemeinsame Lebensweg nicht weitergehen kann. Und da ich auch da­rüber immer mit ihm geredet habe, war Marcello klar, dass es für beide das Beste ist. Ich habe ihn genau beobachtet, ob er damit ein Problem hat. Aber so war es nicht – ich behaupte grundsätzlich, dass Kinder wie Seismografen merken, wenn ein Scheinfriede herrscht. Dann werden sie unrund. Wenn man eine verlogene Familienstruktur aufrechterhält, verletzt man die Kinder.
Wie wichtig sind regelmäßige Treffen, um eine Vater-Sohn-Beziehung aufrechtzuerhalten?
Barylli:
Sehr wichtig, das kann man nicht wegdiskutieren. Das Minimum sind 3 bis 4 Tage alle zwei Wochen, sodass man die Entwicklungsschritte des jeweils anderen mitverfolgt und an der Kontinuität des Lebens dranbleibt. Sonst verliert man sich. Ich bin da bei meinen Söhnen immer beinhart drangeblieben – sodass sie Vertrauen haben konnten, dass ich immer für sie da bin. Um das zu ermöglich, gehören natürlich auch immer zwei dazu: Mutter und Vater.
Stichwort Patchworkfamilie – glauben Sie an derlei Modelle?
Barylli:
Happy Patchwork Family – das habe ich noch nie gesehen. Ich habe nur perfektes Theater gesehen. Für die Situation, für die Medien, für was weiß ich wen. Wenn so etwas wie eine Gemeinsamkeit an einem Tisch herrschen soll, um in Bildern zu sprechen, kann das frühestens drei bis fünf Jahre nach einer Trennung sein. Solange braucht das Herz, um die Wellen zu beruhigen.
In dem Brief an Ihren Sohn schreiben Sie auch über sexuelle Anziehung, Untreue und darüber, dass man(n) erkennen muss, wie man mit dem Tier in sich umgehen will. Wie sind Sie früher mit dem Tier in Ihnen umgegangen – und wie gehen Sie heute damit um?
Barylli
: (denkt nach) Zwei Dinge sind mir sehr bewusst: Das Glück, dass ich diese Frau gefunden habe, mit der ich lebe. Und das Glück, dass sie auch der Überzeugung ist, dass man sich ein Leben lang darum kümmern muss, dass die Beziehung gut bleibt. Das schließt das Tier mit ein. Bevor man nicht den Menschen gefunden hat, mit dem man sich erfüllt fühlt und mit dem man gemeinsam darauf achtet, dass dieses Tier der Sexualität lebendig bleibt, ist man ein pausenlos Suchender. Mit allen möglichen Irrtümern. Aber man muss sich diese Phasen auch erlauben. Nur durch zu schnelles Fahren in der Kurve lernt man, Kurven langsamer zu fahren.
Für welche Fehler in Ihrem Leben übernehmen Sie rückblickend Verantwortung?
Barylli:
Für jeden. Wenn man vor der Einsicht ausweicht, dass man für jeden Atemzug, jedes Wort, jeden Schritt verantwortlich ist, kommt der Fehler so oft auf einen zu, bis man es begriffen hat.

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In seiner 5. Ehefrau – Schauspielerin, Autorin und Modelagentin Sylvia Leifheit – hat Gabriel Barylli „das vollkommene Liebesglück gefunden“, wie er sagt.

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